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Heidelberger Akademie der Wissenschaften, 11.11.05

Europas Identität - wo liegen ihre Wurzeln?

"Das Charisma - Funktionen und symbolische Repräsentationen", lautet der Titel der an der Heidelberger Akademie der Wissenschaften stattfindenden Tagung, die sich interdisziplinär mit der Frage nach diesen Wurzeln der europäischen Identität auseinandersetzt. Rund zwei Dutzend namhafte Wissenschaftler aus den Bereichen Theologie, Philosophie, Geschichte, Islamwissenschaft, Politikwissenschaft, Soziologie und anderen Fächern werden als Referenten zum Profil der Tagung beitragen.
Grafik: Akademie/Roloff

Die Heidelberger Akademie der Wissenschaften ist eine der herausragenden Forschungseinrichtungen Baden-Württembergs. Die interdisziplinäre Forschung ist eines ihrer Hauptanliegen, daneben fördert sie den wissenschaftlichen Nachwuchs.
(Foto: Akademie/Oestergaard).

Der europäische Einigungsprozeß befindet sich in einer schweren Krise. Dies wurde spätestens nach den gescheiterten Verfassungsreferenden deutlich, vielen Bürgern scheint die Grenze der Erweiterung erreicht. Die geplante Aufnahme weiterer Staaten führt zu heftigen Diskussion quer durch die Mitgliedsländer. Quer durch das politische Spektrum, quer durch alle sozialen Schichten. "Mit Nachdruck taucht gegenwärtig immer wieder die Frage auf, was Europa überhaupt ist. Wie wir seine Identität begreifen können. Worin der Gedanke einer inneren Verbundenheit überhaupt wurzelt", so Dr. Stefan Seit. Seit, Leiter der Forschungsgruppe "Welterschließung", die sich im Rahmen des Nachwuchsprogramms der Heidelberger Akademie der Wissenschaften (WIN) seit zwei Jahren mit diesem Thema beschäftigt, ist überzeugt, daß es nicht allein die gemeinsamen ökonomischen Interessen sind, die einen künftigen Konsens der Europäer tragen. "Die kulturellen Grundlagen Europas sind es, die ein Gefühl der Zusammengehörigkeit erzeugen. Ein gemeinsamer Wirtschaftsraum, die Erschließung neuer Märkte - dies alles kann nur gelingen, wenn wir uns mit unserer Vergangenheit beschäftigen und deren Lehren berücksichtigen."


"Das Charisma - Funktionen und symbolische Repräsentationen", lautet der Titel der vom 18. bis 20. November an der Heidelberger Akademie der Wissenschaften stattfindenden Tagung, die sich interdisziplinär mit der Frage nach diesen Wurzeln der europäischen Identität auseinandersetzt. Rund zwei Dutzend namhafte Wissenschaftler aus den Bereichen Theologie, Philosophie, Geschichte, Islamwissenschaft, Politikwissenschaft, Soziologie und anderen Fächern werden als Referenten zum Profil der Tagung beitragen.Mitveranstalter der Tagung ist der Kulturwissenschaftliche Forschungskolleg "Norm und Symbol" (SFB 485) der Universität Konstanz. "Durch unsere Forschungen konnten wir bislang belegen, daß es nicht einfach das Konzept der Rationalität ist, das Europa prägte. Zwar trat es vor allem seit dem Mittelalter deutlich hervor und beeinflußte unsere abendländische Kultur maßgeblich", so Seit. "Dieser Prozeß gestaltete sich jedoch spannungsreicher und vielschichtiger als bislang angenommen." Die Emanzipation vor allem aus den religiösen Traditionen und die Herausbildung eines Modells unabhängigen, wissenschaftlichen Denkens brauchten mehrere Jahrhunderte bis zu ihrer vordergründigen Durchsetzung.

Mit der Abkoppelung der Wissenschaften von übergreifenden Deutungshorizonten, herausragend deutlich während der Epoche der Aufklärung, kann das wissenschaftliche Denken jedoch zwangsläufig keine Orientierung mehr bieten. Die staatlichen, juristischen und wissenschaftlichen Institutionen glauben, auf eine solche Sinndimension innerhalb ihres hoch formalisierten Selbstverständnisses verzichten zu können. Dennoch kommt es immer wieder zu Versuchen, das theoretische Sachwissen in größere Zusammenhänge einzuordnen und so auch praktisch relevant werden zu lassen. Dabei treten 'charismatische' Denk- und Legitimationsformen dann auf, wenn durch fortgeschrittene Institutionalisierungsprozesse ein Sinnvakuum entstanden ist, das erneut gefüllt werden soll.

Die Tagung unternimmt den Versuch, dieses besondere Spannungsverhältnis im Kontext der europäischen Denktraditionen zu untersuchen. "Erst wenn wir diese besondere Eigentümlichkeit unserer Kultur begreifen können, gewinnen wir das Wissen um das den Europäern Eigene. Dieses Wissen um Denkstrukturen ist von großer Bedeutung für die aktuellen Dialoge mit anderen Kulturen. Nur so können diese kritisch und fruchtbar zugleich gestaltet werden."

Datum: 18. bis 20. November 2005
Ort: Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Karlstraße 4
69117 Heidelberg
Teilnahmegebühr: 25 Euro
Anmeldung: Dr. Stefan Seit
Telefon 7071/2 97 71 04, E-Mail: stefan.seit@uni-tuebingen.de

Rückfragen bitte an:

Dr. Stefan Seit
Tel. 07071/2 97 71 04
Fax. 07071/96 51 31
E-Mail: stefan.seit@uni-tuebingen.de
Internet: www.uni-tuebingen.de/welterschliessung/

sowie

Dr. Johannes Schnurr
Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
der Heidelberger Akademie der Wissenschaften
Telefon: 06221 / 54 34 00
Fax: 06221 / 54 33 55
E-Mail: johannes.schnurr@urz.uni-heidelberg.de
Internet: www.haw.baden-wuerttemberg.de


Dr. Johannes Schnurr, Heidelberger Akademie der Wissenschaften
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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