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Universität Leipzig, 15.12.05

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Universität Leipzig, 15.12.05

Der Blick über den Posterrand

Am Freitag dem 16. Dezember findet das 4. Leipzig Researche Festival für Life Science statt

Interesse für die Arbeit des Anderen

Wenn die vier Bände mit den Zusammenfassungen des "Leipzig Research Festival for Life Sciences" (Ein Festival für die Leipziger Lebenswissenschaften) nebeneinander liegen, so ist augenscheinlich, dass diese von Jahr zu Jahr immer dicker wurden. Präsentierte das Abstract Book von 2002 noch 196 wissenschaftliche Arbeiten, so sind es in der druckfrischen Ausgabe zur Veranstaltung am 16. Dezember 2005 schon 268 Beiträge junger Leipziger Mediziner und Naturwissenschaftler.

Plattform für Kommunikation und Foschung

"Ich sehe das als ein gutes Zeichen dafür, dass das Interesse unserer Nachwuchswissenschaftler, ihre Leistungen im zwanglosen Rahmen eines Wissenschaftsfestivals zu präsentieren weiter wächst und natürlich auch die hohe Dynamik der Leipziger Universitäts- und Wissenschaftsregion sichtbar wird", resümiert der Labormediziner Prof. Joachim Thiery, Direktor des Instituts für Laboratoriumsmedizin, Klinische Chemie und Molekulare Diagnostik. Gemeinsam mit der Biochemikerin Prof. Annette Beck-Sickinger, Dekanin der Fakultät für Biowissenschaften, Pharmazie und Psychologie, und dem Immunologen Prof. Frank Emmrich, Sprecher des Interdisziplinären Zentrums für Klinische Forschungen (IZKF), organisiert er zum vierten Male die Veranstaltung. "Unser Ziel ist es eine Plattform für Kommunikation in der Forschung zu schaffen, junge und etablierte Wissenschaftler zusammenzubringen, die an verschiedenen Aspekten der gleichen Thematik arbeiten und einander möglicherweise noch nie begegnet sind. Außerdem wollen wir auf diesem jährlichen 'Mini-Kongress' die Vielfalt und Leistungsfähigkeit der Life-Science-Forschung an unserer Universität öffentlich machen."

Abstract Book zu Posterbeiträgen

"Natürlich sind wir uns bewusst, dass niemand 268 Poster an einem Nachmittag studieren kann", bekennt Thiery. "Deshalb kann ich nur jedem unser Abstract Book ans Herz legen. Jeder Beitrag ist mit E-Mail, Telefon und Anschrift der Autoren verbunden, so dass auch im Nachgang die Diskussion weiter geführt werden kann und hoffentlich neue Projekte in Forschungskooperationen entstehen."

Ihren Ursprung haben Research Festivals in den USA. Zu den Spezialitäten der Leipziger Veranstaltung zählt unter anderem die Zusammenstellung der Beiträge in zehn fachlich abgestimmten Sektionen. In jeder dieser Gruppen moderiert ein erfahrener Gutachter die Diskussion jedes Posters und vergibt Punkte für die Verleihung eines Preises für das herausragendste Forschungsergebnis einer Sektion. Zusätzlich werden die Poster auch durch alle Posterpräsentatoren gegenseitig bewertet und aus dem Urteil der Fachgutachter und der Festivalteilnehmer die Preisträger ermittelt. "Dieser Posterpreis - verbunden mit einem stattlicher Bücherscheck und einer Urkunde - ist inzwischen zu einer recht begehrten Trophäe unter unseren jungen Wissenschaftlern geworden", so Prof. Thiery. Gestiftet wird er von der "Roland-Ernst-Stiftung für Gesundheitsförderung", die zudem die Edition des werbefreien Abstract-Bandes ermöglicht. Zusätzlich verleiht auch das IZKF Posterpreise zu seinen vier wissenschaftlichen Schwerpunkten.

Präsentation von Arbeiten zu genetischen Ursachen der Atherosklerose

Zu den Teilnehmern des Research Festivals 2005 zählen unter anderem die Doktorandin Jana Ernst und der Diplomand Ronny Baber. Die beiden sind als diplomierte beziehungsweise künftige Biochemiker in einer fakultätsübergreifenden Kooperation am Institut für Laboratoriumsmedizin mit der Erforschung genetischer Ursachen der Atherosklerose beschäftigt, also einer krankhaften Veränderung in den Blutgefäßen. Basis für die Arbeit sind Mäusestämme, die durch einen so genannten Knockout hohe Cholesterinspiegel, aber eine sehr variable Atherosklerose entwickeln. "Wir geben alle unsere pathobiochemischen Beobachtungen an den von der Krankheit betroffenen Mäusen in spezielle Computerprogramme ein und erhalten auf diesem Wege den Hinweis, auf welchen Chromosomen wir nach einem Defekt suchen sollten", erläutert Jana Ernst ihr Herangehen. "Ich zum Beispiel beschäftige mich mit dem Chromosom 19 und versuche durch die Untersuchungen von Gewebeproben der Mäuse immer mehr einzugrenzen, wo genau die Mutationen im Erbmaterial lokalisiert sind. Wenn man weiß, welches Protein wie verändert ist - und ob auch wirkliche diese Veränderung Atherosklerose hervorruft - dann ist die Grundlage geschaffen für einen Wirkstoff, der diese Proteinveränderung beeinflussen kann." Ganz soweit ist die Doktorandin allerdings noch nicht. Auf dem Research Festivals wird sie aber erstmals darstellen, wie weit sie den Kreis der verdächtigen Einweiße bereits einkreisen konnte.

Ähnlich ist das Herangehen von Ronny Baber, der genetischen Faktoren der Sterolaufnahme im Darm auf der Spur ist. Auch ihm helfen spezielle Inzuchtmäusestämme mit Knockouts, zwei Kandidaten - diesmal auf dem Chromosom 17 - genauer zu betrachten. "Wenn diese Proteine defekt sind, reichern sich bestimmte Sterole im Körper an, was zu Erkrankung der Gefäßinnenwände führt. Der molekulare Mechanismus, der dies verursacht, ist noch weitgehend unbekannt - und so fehlt die Möglichkeit diesen Prozess gezielt zu beeinflussen." Vielleicht hat er bis zum nächsten Research Festival einen solchen Weg gefunden?

Marlis Heinz


weitere Informationen:
Prof. Dr. Joachim Thiery
Telefon: 0341 97-22200
E-Mail: thiery@medizin.uni-leipzig.de
www.uni-leipzig.de/ILM


Dr. Bärbel Adams, Universität Leipzig
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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