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Uniklinik Köln, 25.09.07

23. Ernst Klenk Symposium in Molekularer Medizin - Nicht-kodierende RNA

Nur die protein-kodierenden Abschnitte der DNA (Desoxyribonukleinsäure), die auch als Gene bezeichnet werden, enthalten die Erbinformation, die mit Hilfe eines Übermittlers, der Boten-RNA (mRNA), in Proteine umgewandelt werden. Als jedoch bei der Entschlüsselung des menschlichen Erbguts festgestellt wurde, dass von etwa drei Billionen Basenpaaren der DNA nur etwa 1,4 Prozent als Vorlage für die Herstellung von Proteinen genutzt werden, war die Überraschung groß. Ein Großteil des verbleibenden Restes von knapp 99 Prozent, der in der Vergangenheit zu Unrecht als "evolutionärer Abfall" bezeichnet wurde, enthält jedoch Baupläne für die so genannte nicht-kodierende RNAs (ncRNAs). Diese ncRNAs werden im Gegensatz zu den mRNAs nicht in Proteine übersetzt, sondern sind auf der Ebene der RNA aktiv. Untersuchungen deuten darauf hin, dass z.B. der Mensch nur etwa 20.000 Protein-kodierende Gene, aber circa 450.000 ncRNAs besitzt. Heute gehen die Wissenschaftler davon aus, dass der Unterscheid zwischen Lebewesen nicht auf der Anzahl der Gene, sondern vielmehr auf der Funktionalität von ncRNAs - in Form eines ausgeklügelten revolutionären Steuerungssystems - beruht.


Diese neuentdeckte Welt der RNA, das diesjährige Thema des 23. Ernst Klenk Symposiums, ist zu einem der heißesten Forschungsgebiete in der Molekularbiologie avanciert. Bezeichnenderweise wurde im Jahre 2006 der Nobelpreis für Medizin an Prof. Andrew Z. Fire und Prof. Craig C. Mello für Ihre grundlegende Entdeckung auf dem Gebiet der RNA-Interferenz (RNAi) vergeben. Auch ein deutscher Wissenschaftler, Prof. Thomas Tuschl, war mit seinen Pionier-Arbeiten am MPI für Biophysikalische Chemie in Göttingen maßgeblich an der Entwicklung auf dem Gebiet der RNA Interferenz beteiligt. Sein Forscherteam konnte zeigen, dass Gene gezielt unterdrückt werden, wenn sie mit kurzem, in ihrer Sequenz exakt passendem RNAs wechselwirken können. Die Wechselwirkung solcher small interference RNAs (siRNA) mit der Boten-RNA (mRNA) führt zum Abbau derselben und verhindert auf diese Weise die Herstellung des Proteins.

Prof. Tuschl, der mittlerweile an die Rockefeller University, New York, USA, gewechselt ist, konnte für die wissenschaftliche Organisation des Symposiums gewonnen werden. Er hat ein hervorragendes Vortragsprogramm mit international renommierten RNA-Forschern auf die Beine gestellt und wird am Montag, den 01. Okt. 2007 die "Ernst Klenk Lecture" halten (Titel "Mechanism of Small RNA Guided Gene Silencing in Mammals"), ein besonderer Höhepunkt der Veranstaltung.

Das wissenschaftliche Programm des 23. Ernst Klenk Symposiums wird den Teilnehmern der Konferenz einen einzigartigen Überblick über den aktuellen Forschungsstand auf dem Gebiet der ncRNAs geben. Unter anderem werden Vorträge zu "guided RNA", siRNA, miRNA und deren Funktionsweise in verschiedenen Organismen sowie zur Genregulation von ncRNA im Hinblick auf deren therapeutische Nutzung in der Medizin präsentiert.

Seit seiner Gründung veranstaltet das ZMMK jährlich ein internationales wissenschaftliches Symposium, um über ein aktuelles Thema des bio-medizinischen Fortschritts zu diskutieren.

Das 23. Ernst Klenk Symposium findet vom 30. Sept. bis 02. Oktober 2007 im MTI-Hörsaalgebäude der Medizinischen Fakultät der Universität zu Köln (Geb. 44b, Eingang über den Studentenweg Joseph-Stelzmann Str. - Robert Koch Str.) statt. Die Veranstalter des Symposiums sind das Zentrum für Molekulare Medizin Köln (ZMMK) und die Ernst Klenk Stiftung (Marburg). Es ist benannt nach Prof. Ernst Klenk, dem ersten Lehrstuhlinhaber des heutigen Instituts für Biochemie an der Universität zu Köln.

Weitere Informationen:


Sina Vogt, Uniklinik Köln
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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