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LBK Hamburg GmbH, 25.05.04

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LBK Hamburg GmbH, 25.05.04

Youngster-Projekt: Hilfe für Jugendliche mit psychosenahen Lebenskrisen

Sie fahren Skateboard und hören Stimmen. Sie gehen zur Schule und dann in die Psychiatrie: Jugendliche zwischen 17 und 25 Jahren, die an Realitätsverlust mit Wahnideen, Ängsten und Halluzinationen, Identitätsverlust, Schlafstörungen und sozialem Rückzug leiden - eine Gruppe, die erst in jüngster Zeit in den Blickpunkt der Aufmerksamkeit geraten ist.

Nicole Plinz (39) und Sibille Buschert (43)

Die Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie im Allgemeinen Krankenhaus Harburg des LBK Hamburg hat es geschafft, mit eigenen "Youngster-Angeboten" eine frühzeitige Behandlung von jugendlichen Patienten einzuleiten. Die Therapeutinnen Sibille Buschert und Nicole Plinz leiten das Youngster-Projekt. Sie haben damit bundesweite Aufmerksamkeit erzielt und bereits den begehrten "Lilly Schizophrenia Award" gewonnen: "Es ist unser Ziel, Wege zu finden, um eine Chronifizierung und einen Drehtür-Verlauf der Erkrankung zu verhindern, um Menschen mit einer besonderen Verwundbarkeit ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen."


Sibille Buschert (43) und Nicole Plinz (39) erhielten 2002 den Ehrenpreis des begehrten "Lilly Schizophrenia Award" im Bereich Klinische Medizin. Damit wurde das spezielle Angebot "Youngsters" gewürdigt - eine innovative gruppentherapeutische Arbeit, die auf junge Menschen zielt, die wegen einer psychotischen Lebenskrise zum ersten Mal stationär behandelt werden.

Etwa 800.000 Bundesbürger erkranken mindestens einmal im Leben an einer Schizophrenie. Realitätsverlust mit Wahnideen, Ängste und Halluzinationen, Identitätsverlust, Schlafstörungen, sozialer Rückzug - dies sind Hauptsymptome schizophrener Psychosen. Je später die Behandlung beginnt, desto ungünstiger verläuft die Erkrankung. Doch: Jugendliche Ersterkrankte, zwischen 17 und 25 Jahre alt, fühlen sich oft nicht gut aufgehoben, wenn sie im Krankenhaus gemeinsam mit älteren Langzeit-Schizophrenen behandelt werden. Sie fragen sich: Werde ich so wie die? "Eben noch verliebt und jetzt verrückt. Gerade noch in der Schule und nun in der "Klapse". Die erste eigene Wohnung gesucht und im Irrenhaus gelandet: Diesem Gefühl der Youngster muss die Klinik Rechnung tragen", sagt Nicole Plinz. "Wir wollen sie erleben lassen, dass die Psychiatrie nicht der Abgrund ist, sondern ein Weg aus der Krise", so Sibille Buschert, "eine Psychose ist nicht der Horror, sondern eine Erfahrung, die Menschen teilen können. Zeit und Ort sollen kein Trauma werden, sondern ein Schritt im Leben, wenn auch ein schwerer." Das Youngster-Projekt existiert im AK Harburg seit vier Jahren.

Sprechen, Bewegen, Malen, Texte schreiben - die jungen Patienten setzen sich in unterschiedlichen Ausdrucksformen mit ihrer Krankheit auseinander. Die Youngster-Gruppe stabilisiert sie. Oft sind sie nach dem stationären Aufenthalt in der Lage, ihr Leben wieder in die eigene Hand zu nehmen, sich zu bewerben, zu studieren, eine Wohnung zu suchen. Behandelt werden sie dann nur noch ambulant. Sibille Buschert: "Still versuchen sie dann, in eine Normalität zurückzukehren, die andere nie verlassen werden. Der Mut und die Ernsthaftigkeit der Youngster bewegen uns immer wieder." Nicole Plinz: "In der jungen Generation ändert sich die Einstellung zu psychischen Erkrankungen. Sie werden als Episode gesehen, die jeden treffen kann. Dieser veränderte Umgang trägt dazu bei, die Ausgrenzung von Schizophrenen und Depressiven zu verhindern."
Dr. Hans-Peter Unger, Leitender Arzt der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie im AK Harburg, fördert spezielle Angebote für Kinder und Jugendliche: "Sibille Buschert und Nicole Plinz zeigen, wie wichtig die kontinuierliche und engagierte Behandlung von jungen Menschen mit psychotischen Erfahrungen ist, von Menschen, die in jungen Jahren mit einer Extremsituation in ihrem Erleben konfrontiert werden und vor allem eines wollen: ernst genommen werden! Unser Youngster-Projekt ist erfolgreich und bundesweit anerkannt."

Kurzinfo:
Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie im AK Harburg
Leitender Arzt: Dr. Hans-Peter Unger

Mit 108 Betten, 30 tagesklinischen Behandlungsplätzen und einer Institutsambulanz ist die Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie die leistungsfähigste Einrichtung ihrer Art in der Süderelberegion. Das Behandlungskonzept verbindet biologische und tiefenpsychologisch orientierte Therapieansätze. Neben einer fundierten körpermedizinischen Diagnostik werden psychotherapeutische Einzel- und Familiengespräche, diagnosespezifische Gruppentherapieprogramme, Musik-, Tanz-, Bewegungs-, Ergo-, Arbeits- und Kunsttherapie, kreatives Schreiben sowie Akupunktur angeboten. Schwerpunkte liegen im Bereich der Krisenintervention, der Depressionsbehandlung, der Psychosentherapie, der Behandlung psychiatrisch/psychosomatischer Alterserkrankungen sowie der Behandlung schwerer Neurosen und Persönlichkeitsstörungen einschließlich posttraumatischer Störungen. Eine qualifizierte Entgiftungs- und Motivationsbehandlung wird in enger Kooperation mit Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen angeboten. Zur Abklärung von Gedächtnisstörungen steht eine Memory Clinic (Gedächtnissprechstunde) zur Verfügung.

Tagesklinik
Oberarzt Joost Kókai
Eißendorfer Pferdeweg 52
Haus 6, Eingang D
21075 Hamburg
Tel.: 040/7921-2099
Fax: 040/7921-2199
Mo-Fr 8.30 - 14.00 Uhr

Institutsambulanz
Oberarzt Jörg Bockbreder
Eißendorfer Pferdeweg 52
(Zufahrt über die Denickestraße)
21075 Hamburg
Tel.: 040/7921-3243
Fax: 040/7921-3090
Mo-Fr. 8.00 - 12.00 Uhr und 13.00 - 16.00 Uhr nach vorheriger Terminabsprache
Außerhalb der Sprechzeiten sowie am Wochenende oder an Feiertagen Kontakte über die Zentrale Notaufnahme des AK Harburg

Weitere Informationen:


Jens Oliver Bonnet, LBK Hamburg GmbH
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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