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Ruhr-Universität Bochum, 09.10.01

Das Wesen der Singles - Untergruppen nicht über einen Kamm scheren

Singles lassen sich nicht alle über einen Kamm scheren, sie sind nicht unbedingt dauerhaft allein und sie opfern ihren Familienwunsch nicht unbedingt der beruflichen Karriere. Das sind einige Ergebnisse der Dissertation von Dr. Beate Küpper "Sind Singles anders als die anderen?: ein Vergleich von Singles und Paaren".

Bochum, 09.10.2001
Nr. 297

Vereinzelung der Gesellschaft ist ein Mythos
RUB-Studie über das Wesen der Singles
Untergruppen nicht über einen Kamm scheren

Singles lassen sich nicht alle über einen Kamm scheren, sie sind nicht unbedingt dauerhaft allein und sie opfern ihren Familienwunsch nicht unbedingt der beruflichen Karriere. Das sind einige Ergebnisse der Dissertation von Dr. Beate Küpper "Sind Singles anders als die anderen?: ein Vergleich von Singles und Paaren" (Fakultät für Psychologie der RUB, Betreuer: Prof. Dr. Hans-Werner Bierhoff). Sie hat 167 Personen, Singles und Paarpersonen, nach ihren Lebensplänen, Wünschen, Prioritäten und ihren Befinden befragt. Ihre Studie steht als elektronische Dissertation im Internet und erscheint Anfang 2002 im Hogrefe-Verlag.


Fragen zu Lebensentwurf und Zufriedenheit

Mit dem Begriff des Singles verbinden sich allerlei Vorstellungen: Sie sind einsam und unglücklich, sie sind besonders lebensfroh und genussorientiert, sie sind karrierebewusst und wollen daher keine Familie haben, sie sind ein Symptom der individualisierten Großstadtgesellschaft. Ca. 16 Prozent der Bevölkerung sind Singles, d.h. Partnerlose im mittleren Erwachsenenalter, die aber auch als alleinerziehende mit ihren Kindern oder in einer WG leben können. Was ist dran an diesem Bild, fragte sich Beate Küpper und befragte 167 Versuchspersonen zwischen 21 und 49 Jahren aus dem Großraum Ruhrgebiet. Per Fragebogen sammelte sie Daten zu den Beziehungserfahrungen der Versuchspersonen, zu ihren Lebensplänen, ihren Wünschen an einen Partner, zu ihrer Zufriedenheit, ihrem Konfliktverhalten und ihrer Sexualität.

Es gibt nicht nur Singles und Nicht-Singles

Sie stellt als erstes fest, dass die Unterscheidung nach dem Beziehungsstatus - Single oder Nicht-Single - zu kurz greift. Ihre Versuchspersonen teilt sie in vier Untergruppen ein: Freiwillige Singles und Verheiratete ähneln sich darin, dass beide sehr von ihrer jeweiligen Lebensform, die sie explizit gewählt haben, überzeugt sind. Andererseits ähneln sich auch freiwillige Singles und nicht-verheiratete Paare, die sich bewusst für eine nicht-konventionelle Lebensform entschieden haben. Für die meisten Singles ist das Singledasein keine Lebensform auf Dauer, vielmehr befinden sie sich zwischen erlebten Partnerschaften und erwünschten neuen. Mit ihrem derzeitigen Singlestatus sind die meisten tatsächlich weniger glücklich als in einer Beziehung.

Tatsächliche Unterschiede

Unfreiwillige Singles unterscheiden sich von Paarpersonen außerdem in ihrem Bindungsstil - sie haben mehr Beziehungsängste, sie neigen zum Klammern, freiwillige entziehen sich eher - und in ihrem Umgang mit Konflikten in Beziehungen: Singles tendieren eher dazu, die Beziehung im Konfliktfall zu beenden als Paarpersonen. Trotz ihres Kinderwunsches messen sie Ehe und Elternschaft in ihrem Leben weniger Bedeutung bei als Paarpersonen, jedoch nicht unbedingt zugunsten des Berufs. Sexuell sind Singles, besonders männliche, freizügiger als Paarpersonen. Anders als bei Paarpersonen sind die geschlechtsstereotypen Persönlichkeitsmerkmale bei ihnen eher untypisch verteilt: weibliche Singles sind eher androgyn, männliche wenig maskulin. In ihren Ansprüchen an den Partner unterscheiden sich die Gruppen nicht. Sie haben jedoch nicht weniger traditionelle Vorstellungen von der Rollenverteilung zwischen Mann und Frau. Egal ob mit oder ohne Beziehung - Frauen sind deutlich mehr für Gleichverteilung zwischen den Geschlechtern als Männer.

Keine Atomisierung der Gesellschaft

Das Bild von einer atomisierten Gesellschaft von Einzelpersonen bestätigt Küppers Untersuchung jedoch nicht. Ihre Ergebnisse zeichnen eher eine Paargesellschaft mit erwünschten Kindern und Übergängen zwischen verschiedenen Lebensformen und -phasen.

Text im Internet

Die Dissertation steht im internet unter:
http://www.ub.ruhr-uni-bochum.de/...ib/DissListen/Psychologie.html

Weitere Informationen

Dr. Beate Küpper, Universität Wuppertal, FB 3 Sozialpsychologie, Tel. 0202/439-2427, Email: bkuepper@uni-wuppertal.de

Weitere Informationen:


Dr. Josef König, Ruhr-Universität Bochum
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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