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Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, 07.05.02

Wer wird Fußballweltmeister 2002?

Wenige Informationen können ausreichen, um das Ergebnis der Wettspiele vorherzusagen, meinen Kognitionspsychologen vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin

"Man wisse eben nicht wie es ausgehen wird" hat Sepp Herberger gesagt, um die Spannung bei Fußballspielen zu erklären. Trotzdem versuchen Wettbüros, die Medien oder auch Fußballfans, mit unterschiedlichen Methoden das Ergebnis von Wettkämpfen vorherzusagen.
Doch wie viel Information brauchen wir eigentlich, um eine fundierte Vorhersage zu treffen? Und wie entscheidet sich der normale Fußballfan, wenn er im Freundeskreis seine Wette abschließt? Welche der vielen Grafiken, Diagramme und Tabellen nimmt er zur Kenntnis?

Mit solchen Fragen beschäftigen sich Dr. Markus Raab und sein Mitarbeiter Christian Gröschner am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in der Arbeitsgruppe Adaptives Verhalten und Kognition von Professor Gerd Gigerenzer in Berlin. Sie haben ein einfaches Vorhersagemodell entwickelt, das sie nun bei der Fußballweltmeisterschaft 2002 in Japan testen wollen. Aber im Gegensatz zu den in der Sportpsychologie üblichen Modellen, zeichnet sich ihr "Take the Last-Ranking" durch überraschende Schlichtheit aus. Für die Weltmeisterschaft 2002 benötigt es nur die Platzierungen der Mannschaften bei der letzten WM 1998. Raab und Gröschner kommen mit dem "Take the Last-Ranking" zu dem Ergebnis, dass Frankreich Weltmeister wird, gefolgt von Kroatien, Argentinien und Italien.
Diese Beschränkung auf wenige wesentliche Informationen kann zu besseren Vorhersagen führen, ist Raab überzeugt. Den Medaillenspiegel der olympischen Spiele 2002 in Salt Lake City konnte Raab mit einer deutlich höheren Genauigkeit vorhersagen als eine renommierte Arbeitsgruppe der Harvard-Universität, die ein erheblich komplexeres Vorhersageverfahren verwendete und dafür auch zahlreiche ökonomische Daten berücksichtigte.
Herkömmliche Modelle der Sportpsychologie greifen für ihre Prognosen zum Beispiel auf die geschätzte Spielleistung in Angriff und Verteidigung, das Verhältnis aus Toren und Gegentoren in den letzten Spielen der Mannschaft, der Heimvorteil sowie Ranglistenplätze aus verschiedenen FIFA-Tabellen des letzten Jahres zurück. Einige Modelle benutzen sogar sämtliche zur Verfügung stehenden Informationen wie die Größe des Landes, der Population, die Anzahl der Vereine und der Profis sowie sämtliche Ergebnisse der letzten Spiele, um sie nach einem aufwändigen Schlüssel zu verrechnen.

Dass das schlichte Modell bessere Prognosen ermöglicht, ist nach Raab jedoch kein Zufall. Der Mensch habe im Lauf der Evolution einfache Entscheidungsregeln entwickeln müssen, um mit wenig Wissen und sehr schnell gute Entscheidungen zu treffen, sagt der Psychologe. Denn in der Regel ist gar keine Zeit, um alle Informationen zu sammeln, alle Möglichkeiten durchzuspielen und gegeneinander abzuwägen. Ganz abgesehen von der "Rechenleistung", die das Gehirn dafür aufbringen müsste.
Falls das "Take the Last-Ranking" auch bei der Fußballweltmeisterschaft 2002 bessere Prognosen liefert als andere Vorhersagemodelle, könnten die Überlegungen der Kognitionspsychologen auch in andere Modelle zur Vorhersage von Sportereignissen einfließen. Vermutlich erklärt das einfache Modell auch das Wettverhalten von Zuschauern besser.

Für weitere Informationen stehen Ihnen Dr. Markus Raab und Christian Gröschner gerne zur Verfügung (Max-Planck-Institut für Bildungforschung, Zentrum für Adaptives Verhalten und Kognition, Lentzeallee 94, 14195 Berlin. E-mail: raab@mpib-berlin.mpg.de, Telefon: 030 / 824 06 - 350)


Dr. Antonia Rötger, Max-Planck-Institut für Bildungsforschung
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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