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Freie Universität Berlin, 17.12.03

Warum nicht mal wieder ins Kino? Neue Studie zu Entscheidungsfaktoren bei der Filmwahl

Welche Faktoren beeinflussen uns eigentlich, wenn uns mal wieder der Sinn nach Kino steht? Sind es die Trailer die man beim letzten Kinobesuch gesehen hat? Ist es die Filmkritik in der Tageszeitung oder vielleicht doch eher, was einem die Freundin neulich beim Mittagessen erzählt hat? Natürlich seien die Einflüsse bei den verschiedenen Altersgruppen unterschiedlich, sagt Dr. Helmar Baum, der die Studie "Entscheidungsparameter bei der Filmauswahl von Kinogängern in Deutschland" geleitet hat. In der empirischen Studie wurden Menschen aller Altersgruppen sowohl direkt vor dem Kinobesuch, als auch beim Besuch anderer Freizeiteinrichtungen zu ihren Kinogewohnheiten befragt. Ein Schwerpunkt der Untersuchung war der Einfluss von Meinungsführern auf die Filmentscheidung.

Im Mittelpunkt der Untersuchung standen die Kommunikationsprozesse, die zur Auswahl eines Kinofilms führen. Aus vorangegangenen Studien war bekannt, dass die persönliche Empfehlung als einer der wichtigsten Entscheidungsfaktoren für einen bestimmten Kinofilm gelten kann. Ein Schwerpunkt der vorliegenden Studie war deshalb der Einfluss von Meinungsführern und starken Persönlichkeiten auf Entscheidungen von Gruppen oder Einzelpersonen. In der Kerngruppe der Teenager, die wesentlich häufiger als der Durchschnitt ins Kino gehen und die den Kinobesuch vor allen Dingen in der Gruppe ausüben, findet man Meinungsführer am häufigsten. Meinungsführer sind häufig ältere Teenager, die im Rahmen ihrer größeren Spielräume ihre Freizeit bereits selbst gestalten dürfen und somit häufiger ins Kino gehen. Dadurch sehen sie mehr Filme, kennen mehr Schauspieler und sind besser darüber informiert, was zum jeweiligen Zeitpunkt läuft. Das heißt, Meinungsführer sind neben der Häufigkeit des Kinobesuchs durch ein hohes filmspezifisches Wissen charakterisiert. Des Weiteren konnte Helmar Baum feststellen, dass Meinungsführer zwar stark in die Diskussionen um Kinofilme eingebunden sind, sich aber in ihrer persönlichen Entscheidung davon weniger beeindrucken lassen. Vielmehr verlassen sich diese Personen auf andere Informationsquellen, wie zum Beispiel die Filmkritik. Der Einfluss der Meinungsführer nimmt jedoch mit zunehmendem Alter ab, andere Faktoren werden wichtiger.

Daneben ist das Publikum hinsichtlich seiner Genrepräferenzen sehr gut in soziodemografisch beschreibbare Subgruppen unterteilbar. Bestehende Erkenntnisse, dass das Action-Genre besonders von jungen Männern favorisiert wird, werden genauso bestätigt, wie die Annahme, dass Frauen eher gefühlsbetonte Genres wie den Liebesfilm oder das Drama bevorzugen. Auch das Ergebnis, dass insbesondere das sehr junge Publikum ein Anhänger des Horror-Genres ist, bestätigt bestehende "Vorurteile". Neu allerdings ist, dass die Präferenz für Horrorfilme nicht ausschließlich über das Alter, sondern in Kombination mit dem gewünschten Nutzen des Kinobesuchs erklärt werden kann. Der Besuch von Horrorfilmen geht mit einem starken Wunsch nach Geselligkeit beim Kinobesuch einher, das heißt, wer "Angst und Schrecken" im Kino erleben möchte, will dies selten alleine tun. Ein ähnlicher nutzenorientierter Zusammenhang mit einem Genre findet sich beim Actionfilm: Hier steht im Kontext des Mood-Management die Alltagsflucht und das Eintauchen in eine andere Welt im Vordergrund.

Verfasst von Isabel Pasch

Über den Autor:
Helmar Baum studierte von 1991 bis 1996 BWL an der Fachhochschule für Wirtschaft in Berlin. Schon in seiner Diplomarbeit "Filmmarketing - Versuch der Entwicklung eines Produktpositionierungsmodells für die Filmbranche" setzte er sich mit dem Thema Kinofilm auseinander. Im Anschluss an das Studium gründete er zusammen mit Udo Bomnüter und zwei anderen Partnern die Filmproduktionsfirma Valerian Film GmbH. Im Jahr 1997 entstand die Idee, sich mit dem Thema der Kinofilmauswahl im Rahmen einer Dissertation zu beschäftigen.

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern:
Dr. Helmar Baum, Valerian Film GmbH, Albrechtstr. 138 - 140, 12099 Berlin, Tel: 030 / 2655 0825, E-Mail: mail@valerianfilm.de


Hedwig Görgen, Freie Universität Berlin
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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