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Universität Augsburg, 15.09.05

Die Vermittlung der Antike in deutschsprachigen Publikationen des 18. Jahrhunderts

Wie konnte man in Deutschland im 18. Jahrhundert etwas über antike Denkmäler erfahren? Studie der Augsburger Archäologin Ulrike Steiner begleitet die Ausstellungsserie "Aufklärung - Antike in Buch und Bild"

Der Augsburger Georg Christoph Kilian publizierte 1764 eine stark gekürzte Übertragung aus dem Englischen des ursprünglich französich verfassten Werkes von David Le Roy. Schon der englische Plagiator hatte aus Sparsamkeit zwei Stiche zu einem zusammengefasst, so dass hier der Parthenon auf der Akropolis neben einem römischen Bau in der Unterstadt zu liegen kommt. Trotzdem war die deutsche Übersetzung mit drei Auflagen recht erfolgreich.
Universitätsbibliothek Augsburg

Kenntnis und Bewunderung der antiken Skulptur und Architektur haben in Deutschland den Klassizismus ausgelöst und bestimmt. Doch obwohl im 18. Jahrhundert ein stetig anschwellender Strom von Bildungsreisenden nach Italien drängte, blieb der direkte Zugang zu den antiken Denkmälern immer nur einer kleinen Gruppe von Reichen und den Künstlern oder Gelehrten in ihrem Umfeld vorbehalten. Umso wichtiger waren deshalb die Möglichkeiten, auch nördlich der Alpen die begehrten Stücke sehen und rezipieren zu können. Mit fremdsprachigen Antikenpublikationen und Reiseberichten in deutschen Ausgaben, die diese Möglichkeit schufen, hat sich Ulrike Steiner am Fach Klassische Archäologie der Universität Augsburg auseinandergesetzt. Die Ergebnisse ihrer Forschungen sind nun im Verlag Franz Philipp Rutzen unter dem Titel "Anfänge der Archäologie in Folio und Oktav" erschienen.


Der Frage nach den Methoden und Wegen, auf denen die Kenntnis antiker Denkmäler außerhalb Italiens vermittelt wurde, gehört schon seit einiger Zeit zu den Fragen, denen sich die Augsburger Klassischen Archäologen um Prof. Dr. Valentin Kockel widmen. In zwei Ausstellungen - "Ansicht, Plan, Modell" und "Ein Schatz von Zeichnungen" - wurden die Abbildungsmodi antiker Architektur und Vasenmalerei untersucht, eine dritte, für Anfang 2006 im Römischen Museum Augsburg geplante Ausstellung "Götter und Heroen in der Schublade" wird die Gemmensammlungen und Daktyliotheken unter diesem Gesichtspunkt betrachten.

In diesem Zusammenhang konnte sich Ulrike Steiner, finanziert durch die Friedrich-Thyssen-Stiftung, mit der Frage befassen, welche Publikationen dem deutschsprachigen Leser eigentlich zugänglich waren, um sich eine Vorstellung von den antiken Stätten und von antiker Kunst zu bekommen. Die originalen prachtvoll ausgestatteten Stichwerke nämlich waren meist extrem teuer oder gar nur als persönliches Geschenk des Königs von Neapel (zu Herculaneum) zu bekommen, damit also kaum zugänglich. Zudem waren Latein, Englisch und Italenisch auch nicht für jeden Interessierten verständlich.

BISLANG VOLLSTÄNDIG ÜBERSEHENER ÜBERLIEFERUNGSBEREICH

Ulrike Steiner hat in ihrer Studie nun mehr als 80 Übersetzungen fremdsprachiger Veröffentlichungen zusammengestellt und damit einen bisher vollständig übersehenen Bereich der Überlieferung erstmals systematisch erschlossen. Mit mehr als dreihundert Abbildungen illustriert der Band sozusagen den alltäglichen Umgang mit der Antike im deutschsprachigen Raum des 18. Jahrhunderts. Die von Steiner untersuchten und präsentierten Publikationen decken alle Bereiche von Ägypten bis Rom und von der Architektur bis zur Kunstsammlung ab.

GÜNSTIG, MANCHMAL ABER AUCH IRREFÜHREND

Manche dieser Werke wurden wortgetreu übersetzt, auch mit deutscher Gründlichkeit zusätzlich mit Anmerkungen versehen. Bei anderen wurden das Format verkleinert, die Stiche vereinfacht oder ihre Zahl reduziert. Für die Verleger, die wie Georg Christoph Kilian auch in Augsburg angesiedelt waren, zählte dabei vor allem der Preis, der stets sehr weit unter dem des Originals lag. Der Sparkurs konnte aber auch zu irreführenden Ergebnissen führen, wenn zwei Ansichten zu einer verschmolzen wurden und Bauten nebeneinander zu sehen sind, die Kilometer auseinander liegen.

HANDBUCH ZUR AUSSTELLUNG "AUFKLÄRUNG - ANTIKE IN BUCH UND BILD"

Steiners Arbeit begleitet als Handbuch eine vom Winckelmann Museum Stendal konzipierte und gestaltete Ausstellung mit dem Thema "Aufklärung - Antike in Buch und Bild", die an verschiedenen Orten in Sachsen-Anhalt gezeigt wird, ab dem 30. September 2005 auch in Stendal selbst. Für einen noch unbestimmten Zeitraum ist auch eine Übernahme in Augsburg geplant, wo Steiner sowohl in der Universitäts- wie in der Staats- und Stadtbibliothek in großem Umfang fündig wurde und das Projekt immer großzügige Unterstüzung fand.
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Ulrike Steiner: Die Anfänge der Archäologie in Folio und Oktav. Fremdsprachige Antikenpublikationen und Reiseberichte in deutschen Ausgaben, hg. v. Valentin Kockel und Max Kunze (= Stendaler Winckelmann-Forschungen 5), Winckelmann-Gesellschaft Stendal und Verlag Franz Philipp Rutzen, Ruhpolding 2005, ISBN 3-938646-02-0, 36,00 Euro

Weitere Informationen:


Klaus P. Prem, Universität Augsburg
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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