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Universität Hamburg, 24.03.00

Das Thema "Mammographie" Laien verständlich gemacht

Unter Fachleuten ist der Nutzen des Screenings jedoch heftig umstritten. Die Wissenschaftlerinnen Prof. Dr. Ingrid Mühlhauser und Birgitt Höldke M. P. H. von der Universität Hamburg haben sich ausführlich mit diesem Thema beschäftigt und anhand publizierter Studiendaten errechnet, wie groß der Nutzen eines Mammographie-Screenings ist. Üblicherweise werden Therapie-Erfolge als relative Risikoverminderungen dargestellt, wie z.B. "Brustkrebs-Früherkennungs-Untersuchungen vermindern die Sterberate an Brustkrebs um 30 Prozent". Demgegenüber sind Angaben in Absolutzahlen aussagekräftiger, werden aber selten benutzt.

Mühlhauser und Höldke stellen die Ergebnisse in ihrem gerade erschienenen Buch "Mammographie - Brustkrebs-Früherkennungs-Untersuchung" so dar, dass auch medizinische Laien nachvollziehen können, wie groß die Aussichten sind, dass eine Frau von einem Screening-Programm profitiert. Danach kann die üblicherweise als relative Prozentangabe dargestellte Risikoreduzierung auch folgendermaßen vermittelt werden: Ohne Mammographie-Früherkennungs-Untersuchungen sterben in einem Zeitraum von zehn Jahren vier von 1000 Frauen zwischen 40 und 74 Jahren an Brustkrebs. Mit Mammographie sterben in diesem Zeitraum drei von 1000 Frauen daran.
Die Wissenschaftlerinnen fordern eine objektive Darstellung wissenschaftlicher Ergebnisse, die einen hohen ethischen Standard erfüllen. Für diagnostische Eingriffe wie z.B. Screening-Untersuchungen sollen danach alle Personen, unabhängig von deren Alter, Bildungsstand und sozialen Bedingungen, vor einem Eingriff über Zweck und mögliche Folgen der (Screening-)Untersuchung in verständlicher Form aufgeklärt werden; dazu gehört ausdrücklich die Kommunikation über Wahrscheinlichkeiten für falsch negative (der Befund ist unzutreffenderweise nicht auffällig) bzw. falsch positive Ergebnisse, Unsicherheiten und Risiken der Untersuchung, wichtige medizinische, soziale und finanzielle Folgen des Screenings, die Planung des weiteren Verfahrens sowie Nennung von Beratungs- und Unterstützungsangeboten. Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand die Zustimmung zur Untersuchung nach voller Information ablehnt, darf kein Grund sein, die Informationen nicht zu geben.
Solche umfassenden Darstellungen sind bisher jedoch nur selten und ansatzweise angewandt. Auch die bisher verfügbaren Informationsmaterialien zum Mammographie-Screening erfüllen in keiner Weise diese Anforderungen. Eine objektive Einschätzung eines möglichen persönlichen Nutzens im Verhältnis zu Aufwand und unerwünschten Wirkungen war Patientinnen bisher so nicht möglich.
Das von der Hamburger Arbeitsgruppe herausgegebene Buch versteht sich als Informationsmaterial, das wesentliche Grundlagen, die für eine persönlich-individuelle Abschätzung von Nutzen und fehlendem Nutzen unverzichtbar sind, vermittelt. Es soll eine Grundlage geschaffen werden, um gezielte Fragen an Experten formulieren und Informationen vom Arzt, aus den Medien oder anderen Quellen besser bewerten zu können. Diese Art Fragenstellung ist auch für viele andere medizinische Themen relevant. Die Anwendung einer derartigen Fragenformulierung im Gespräch mit Ärzten oder Experten käme einer Revolutionierung der Kommunikation zwischen Arzt/Experte und Patient/Öffentlichkeit gleich.
Bisher wurde in den öffentlichen Diskussionen der von den Autorinnen bearbeitete Aspekt der Wissenschaftskommunikation an die Öffentlichkeit ausgeblendet. Die Berücksichtigung der Öffentlichkeitsinformation kann daher einen qualitativ entscheidenden Einfluss auf die aktive Beteiligung der Öffentlichkeit auf Entscheidungsprozesse zum Mammographie-Screening haben.
Das Buch "Mammographie - Brustkrebs-Früherkennungs-Untersuchung" ist im Verlag Kirchheim in Mainz erschienen und kostet 35 Mark.

Kontakt:

Prof. Dr. Ingrid Mühlhauser
Tel. 0211/57 49 62
E-Mail: Bhoeldke@uni-hamburg.de


Klaus Tornier, Universität Hamburg
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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