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Technische Universität Clausthal, 13.06.00

Die Taufkirche Heinrichs III. ersteht im Rechner neu

Der Goslarer "Dom", die Stiftskirche St. Simon und Judas in Goslar, als Taufkirche Heinrich III. 1051 geweiht, wurde 1820 niedergerissen. Diese Erinnerung, verbunden um eine Vermessung der Vorhalle, wurde nun von Privatdozent Dr. Ing. habil. Dr. rer. nat. Friedrich Black verwandelt in eine Architektenzeichnung des Gebäudes. Henning Balck, Henning Haßdorf und Jan Koch übersetzten anschließend diese Darstellung in einen virtuellen Dom.

Nur der Mond hat sich seit dem Mittelalter nicht verändert. Der Goslarer Dom - zur Entstehungszeit um 1051. So könnte er ausgesehen haben.

Ist hier schon Heinrich III. im Jahre 1051 gewandelt?

Heute findet der Besucher Goslars von der ehemaligen Stiftskirche gegenüber der Kaiserpfalz nur noch eine kleine Vorhalle. Die Erinnerung mußte sich bislang mit Beschreibungen und einigen Zeichnungen, Bildern und Modellen begnügen. Diese können allerdings alle nicht , seien es die von Wallmodem (1728), Ilse (1813) oder Mühlenpfordt (1819) so verdienstvoll und gut sie auch sind, für sich in Anspruch nehmen können, perfekt den wahren, ursprünglichen Bauzustand widerzuspiegeln.

Dr. Balck: "Wir haben wie ein Puzzle die verschiedenen Überlieferungsstränge und Quellen zusammengefügt und, soweit es ging, Unklarheiten und Irrtümer beseitigt." Der virtuelle Dom im Rechner ist vermutlich also "echter", als das historische Material es für sich in Anspruch nehmen kann. Ein superschneller Rechner erlaubt, in dieser Stiftskirche umher zu wandeln und sich um zu schauen. In Echtzeit errechnet die VR-Software die zugehörige Perspektive. Der "Besucher" erlebt eine täuschend echte "Realität".

Dr. Balck: "Wir erheben nicht den Anspruch, daß unsere Darstellung der Stiftskirche die richtige ist. Dafür waren unsere Ausgangsmaterialien zu unvollständig. Aber so könnte es gewesen sein, und die Fachleute zur Baugeschichte, Archäologen und Historiker, haben jetzt ein lebensnahes Modell buchstäblich vor Augen. Und so können wir rückwirkend zusammen die geschichtliche Realität (er-)finden, indem wir sie im Rechner rekonstruieren."

Spiritus rector der Idee ist der Goslarer Rotarier Dr. Henning Haßdorf, welcher beharrlich diese Idee verfolgte und Sponsoren zur Finanzierung finden konnte. Der Präsident des Goslarer Rotary Clubs, Henning Körner, nannte in seiner Eröffnungsrede in der Goslarer Kaiserpfalz die Realisierung des Projektes "Virtueller Dom" "das Ergebnis einer außergewöhnlich erfolgreichen Zusammenarbeit mit der TU Clausthal, dem Institut für Angewandte Physik und dem Clausthaler Rechenzentrum sowie dem Institut für Bau- und Stadtbaugeschichte der TU Braunschweig". Henning Körner: "Ohne die wissenschaftliche und technische Unterstützung bei der virtuellen Rekonstruktion seitens der TU Clausthal und die künstlerische Beratung seitens der TU Braunschweig, wäre das Projekt nicht zu realisieren gewesen."

Die Stadt Goslar wird dieses Geschenk des Rotary Clubs Goslar demnächst in der Kaiserpfalz während touristischer Führungen als besonderes Highlight anbieten.

Weitere Informationen:
PD Dr.-Ing. habil. Dr. rer. nat. Friedrich Balck
Institut für Angewandte Physik der TU Clausthal
Tel. 05323 72 2494/2092
eMail: friedrich.balck@tu-clausthal.de


Jochen Brinkmann, Technische Universität Clausthal
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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