Social Design für die Erforschung der Alzheimer-Krankheit
"Spontan möchte man über die vordergründig witzigen Motive schmunzeln. Aber beim zweiten Hinsehen wecken sie Betroffenheit", sagte Minister Karl-Josef Laumann bei der Vorstellung der Plakate, die er als "echte Hingucker" bezeichnet: "Ich finde die Kampagne sehr gelungen, weil sie plakativ auf den Punkt bringt, was das Schreckliche an Alzheimer ist - nämlich der allmähliche Verlust der geistigen Fähigkeiten und letztlich der ganzen Persönlichkeit. Weil Alzheimer vor allem eine Krankheit des höheren Lebensalters ist, werden wir uns in einer alternden Gesellschaft zunehmend damit auseinandersetzen müssen. Daher ist es gut, wenn Initiativen wie diese das Augenmerk auf die Krankheit lenken und deutlich machen, dass hier noch viel zu tun ist. Etwa bei der Forschung, aber auch bei Hilfen für die Betroffenen und ihre Angehörigen, wie wir es mit der Landesinitiative 'Demenz Service NRW' unternommen haben. Deshalb unterstütze ich als Schirmherr diese tolle Plakataktion."
Grund zur Freude hatten auch die angehenden Designerinnen: Mit ihrer Idee für die Alzheimer Initiative e.V. haben sie sich gegen eine professionelle Konkurrenz durchsetzen können: Insgesamt wurden beim internationalen Wettbewerb des Feinpapierherstellers Sappi -"Ideas that matter" - europaweit mehr als 150 Ideen eingereicht. Als einziges der zwölf siegreichen Konzepte zugunsten sozialer Organisationen wird in Deutschland das Projekt der beiden Düsseldorfer Designstudierenden realisiert. "Wir sind überglücklich, vor allem auch, weil unsere Kampagne zum Wohl anderer Menschen beitragen kann", freuen sich die beiden Gestalterinnen. Die Jury bildete ein unabhängiges Komitee internationaler Experten für Social Design und Marketing. Bewertet wurden dabei die Kreativität von Konzept und Entwurf sowie die Effizienz der Kampagne.
Prof. Wilfried Korfmacher, Experte für soziale Kommunikation und Mitglied im Art Directors Club für Deutschland (ADC) e.V., der bereits auf mittlerweile fünf umgesetzte Sappi-Kampagnen seiner Studierenden seit 2003 zurückblicken kann erklärte:
"Das Resultat zeugt von der exzellenten Qualität des Düsseldorfer Studiums. Und wenn das Thema stimmt, dann steigern sich Begeisterung und Leistung." Besonders bemerkenswert bei dem Projekt ist die Tatsache, dass die Designer unter finanziellen Aspekten leer ausgehen. "Das komplette Preisgeld in Höhe von 50.000 Euro dient ausschließlich zur Produktion der Plakate, der Poster und der Postkarten", erläuterte Franz Stein, Marketingleiter von Sappi Deutschland. "Wir kommunizieren damit die positive Macht des Mediums Papier zum Wohl der Gesellschaft." Seit 1999 schüttet Sappi weltweit 1 Million US-Dollar pro Jahr dafür aus. Die finanzielle Investition für die Preise kommt komplett der Arbeit der gemeinnützigen Organisationen zugute.
Gerade in Zeiten schrumpfender öffentlicher Budgets bedarf die Forschung der Unterstützung durch private Spenden. Über 3,1 Millionen Euro konnte die Alzheimer Forschung Initiative e.V. in den vergangenen elf Jahren schon für Forschungsprojekte bereitstellen.
Die Leiterin der Geschäftsstelle Oda Sanel findet den kreativen Ansatz, Bilder von typischen Alltagssymptomen zu zeigen, rundum gelungen: "Die Zahnpasta auf der Bockwurst, die Schuhe im Kühlschrank, Briefe im Toaster, das Gebiss im Goldfischglas - all das illustriert die Verwirrung, die mit der Alzheimer- Erkrankung einhergeht. Ich bin sicher, dass dieses plakative Konzept auch ankommt. Wir haben 2006 mehr als 9.000 Gespräche geführt, 20.000 Broschüren versandt, und über 60.000 Besucher haben sich auf unserer Website informiert."
Prof. Wilfried Korfmacher machte vor diesem Hintergrund deutlich: "Designer treibt die Neugier. Wir sind sozusagen von Natur aus Forscher. Und unsere Ergebnisse machen wir gern publik. Werbung, die mehr Wissen schafft, leistet also einen echten Forschungstransfer. Die Motive die Alzheimer-Kampagne wirken witzig, machen sich aber nicht lustig. Und indem sie den Fortschritt der Medizin fördern helfen, machen sie den Betroffenen und ihren Angehörigen Mut."
Die Visualisierung der Alzheimer-Kampagne wurde unterstützt von Jörg Reich, Dozent für Fotografie im Fachbereich Design der FH Düsseldorf. Die Realisierung erfolgt mit Hilfe der Jung Produktion GmbH, der Crossmedia GmbH und der Ströer Out-of-Home Media AG.




