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Julius-Maximilians-Universität Würzburg, 26.01.00

Schulwandbilder als wichtige Kulturdokumente

Wandbilder für den Schulunterricht gehörten von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts zu den zentralen Unterrichtsmedien, besonders in den Volksschulen. Für die Kinder waren diese Bilder oft die einzige Augenweide in den meist karg ausgestatteten Schulzimmern. Ein Forschungsprojekt an der Universität Würzburg hat die Gesamtdokumentation der zwischen 1830 und 1990 im deutschsprachigen Raum erschienenen Schulwandbilder zum Ziel.

Augenweide - Beispiel für ein Schulwandbild

Das auf vier Jahre angelegte Projekt wird von Prof. Dr. Walter Müller, Leiter der Abteilung Mediendidaktik am Zentrum für Sprachen und Mediendidaktik und Inhaber des Lehrstuhls für Schulpädagogik an der Universität Würzburg, geleitet. Die Volkswagen-Stiftung (Hannover) fördert das Vorhaben mit rund 630.000 Mark.

Prof. Müller schätzt, dass im deutschsprachigen Raum insgesamt etwa 15.000 Schulwandbilder erschienen sind. In den 70er Jahren wurden sie jedoch zunehmend durch technische Bildmedien, wie Filme, Dias oder Overheadfolien, verdrängt. Damit verschwand ein Großteil der Wandbilder in den Müllcontainern. Doch es entstanden auch Sammlungen, die es sich zur Aufgabe machten, die Bilder zu retten und zu archivieren.


Die Schulwandbilder sind laut Prof. Müller als wichtige Kulturdokumente zu betrachten, denn in ihnen spiegeln sich nicht nur die Erziehungsabsichten und das Schulwissen der Epoche, sondern auch der jeweilige Zeitgeist wider. Somit stellen diese Bilder eine sehr aufschlussreiche Quelle für die schul-, bildungs-, medien-, kunst- und sozialhistorische Forschung dar. Außerdem eignen sie sich als Dokumente der Alltagsästhetik für alle möglichen Ausstellungs-, Publikations- und Illustrationszwecke. Auch für die heutige Medienpädagogik seien diese Bilder vielfältig nutzbar, denn man kann an ihnen exemplarisch eine Fähigkeit lernen, die in Zukunft immer wichtiger wird: das "Lesen" von Bildern, also beispielsweise das Entdecken versteckter Aussagen in einem Bild.

Die genannten Nutzungsmöglichkeiten sind bislang aber nur sehr beschränkt möglich, weil die Originalbilder meist schwer zugänglich und unzureichend dokumentiert sind. Dies soll sich durch das Forschungsprojekt an der Universität Würzburg ändern: Prof. Müller und seine Mitarbeiter werden alle in deutschsprachigen Sammlungen vorhandenen Originalbilder systematisch in einer Datenbank erfassen, dokumentieren und digital fotografieren. Diese Gesamtdokumentation der Wandbildserien wird der Öffentlichkeit voraussichtlich im Internet zugänglich gemacht werden.

Das Projekt soll im Jahr 2002 abgeschlossen sein. Möglicherweise folgt dann ein Anschlussprojekt, bei dem eine Gesamtdokumentation von Schulwandbildern auf europäischer Ebene angestrebt wird. Rund 25 farbige, teils künstlerisch gestaltete Schulwandbilder sind derzeit im Zentrum für Sprachen und Mediendidaktik am Hubland in einer Ausstellung namens "Augenweide" zusammengetragen. Eine Besichtigung ist nach Vereinbarung möglich, T (0931) 888-5992, 888-5984 oder 888-5985.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Walter Müller, T (0931) 888-5984, Fax (0931) 888-6805, E-Mail:
walter.mueller@mail.uni-wuerzburg.de


Robert Emmerich, Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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