Hilfe: Sie befinden sich auf...

Ruhr-Universität Bochum, 11.04.06

Archiv

... einer Artikelseite. Sie zeigt den vollständigen Text einer Nachricht.
Sie können auf die im Artikel enthaltenen Bilder klicken, um eine größere Version des Bildes angezeigt zu bekommen.

Am Fuß der Seite finden Sie drei Boxen mit weiteren Aktionsmöglichkeiten:
Über die linke Box können Sie zum vorhergehenden, bzw. nachfolgenden Artikel in diesem Bereich navigieren.
In der mittleren Box können Sie diesen Artikel bewerten.
In der rechten Box kommen Sie zu einer Druckversion dieses Artikels, Sie können den Link dieses Artikels an einen E-Mail-Empfänger verschicken und Sie können diesen Artikel auf einen Merkzettel legen, um ihn leichter wiederzufinden.

Hilfe: Generell zu dieser Seite

Bei NETZGUT finden Sie Nachrichten aus dem Netz.
Zu der Nachricht Ihres Interesses können Sie auf drei Wegen gelangen:

Im Archiv sind die Nachrichten nach Bereichen getrennt.
Unter Themen finden Sie Nachrichten bereichsübergreifend zu einem bestimmten Thema.
Über die Schlagworte gelangen Sie zu den Artikeln, denen eben jene Schlagworte zugeordnet wurden. Auch diese Einordnung ist bereichsübergreifend.

Übrigens: Der Hilfe-Button gibt Ihnen zu jeder Seite die passenden Informationen.

Ruhr-Universität Bochum, 11.04.06

Schulgewalt ohne Polizei in den Griff bekommen: RUB-Kriminologen evaluieren Streitschlichtung

Dass es auch anders geht als an der in die Schlagzeilen geratenen Berliner Rütli-Schule zeigt die Gertrudis-Schule in Bochum-Wattenscheid: Die Grundschule verwirklicht bereits seit 2001 ein Streitschlichtungsprogramm unter dem Titel "Kinder lösen Konflikte selbst!" Die Bochumer Kriminologen Prof. Dr. Thomas Feltes und Dr. Jan Köhler haben das Programm nun auf Herz und Nieren geprüft; in seiner Dissertation zieht Dr. Köhler ein positives Fazit. Prof. Feltes: "Die Arbeit mit diesem Modell der Streitschlichtung zeigt eine deutliche gewaltreduzierende Wirkung bei den Kindern. Entscheidend ist, dass die Schule das Programm von Anfang an, ab der ersten Klasse einsetzt."

Prof. Dr. Thomas Feltes

Bochum, 11.04.2006
Nr. 125

"Kinder lösen Konflikte selbst!"
RUB-Kriminologen evaluieren Streitschlichtung
Schulgewalt ohne Polizei in den Griff bekommen

Dass es auch anders geht als an der in die Schlagzeilen geratenen Berliner Rütli-Schule zeigt die Gertrudis-Schule in Bochum-Wattenscheid: Die Grundschule verwirklicht bereits seit 2001 ein Streitschlichtungsprogramm unter dem Titel "Kinder lösen Konflikte selbst!" Die Bochumer Kriminologen Prof. Dr. Thomas Feltes und Dr. Jan Köhler haben das Programm nun auf Herz und Nieren geprüft; in seiner Dissertation zieht Dr. Köhler ein positives Fazit. Prof. Feltes: "Die Arbeit mit diesem Modell der Streitschlichtung zeigt eine deutliche gewaltreduzierende Wirkung bei den Kindern. Entscheidend ist, dass die Schule das Programm von Anfang an, ab der ersten Klasse einsetzt." Basierend auf diesen Ergebnissen fordern die Bochumer Forscher eine "kriminologische Zusatzausbildung" für Lehrerinnen und Lehrer.


Studie im Internet

Ausgewählte Ergebnisse der Dissertation stehen im Internet unter
http://www.rub.de/.../schulgewalt_praesentation.pdf

Gewaltprävention so früh wie möglich

Studienleiter Feltes: "Unsere Studie zeigt, dass das Programm eine Gesprächs- und Streitkultur entwickelt, die präventive Wirkungen hat und eine Konfliktlösekompetenz bei den Schülern entfaltet. Das führt zu einer Atmosphäre, in der Konflikte nicht mehr verschoben, negiert oder mit Gewalt ausgetragen werden." Der Bochumer Kriminologe betont, wie entscheidend der frühzeitige Einsatz solcher Mediationsprogramme ist: "Wir wissen inzwischen aufgrund von diversen kriminologischen Studienergebnissen, dass Gewaltprävention nicht früh genug angefangen kann - am besten bereits im Kindergarten, spätestens aber in der Grundschule", so Feltes. "Durch das intensive Klassentraining vom ersten Schuljahr an entfalten sich positive Rituale und entsprechende Verhaltensweisen im Streit."

"Friedenskoffer" im Klassenzimmer

Und so funktioniert das Programm "Kinder lösen Konflikte selbst": Mediation findet nicht nur in den Pausen statt, sondern auch während des Unterrichts. Für die Streitschlichtung wurde ein eigener Raum eingerichtet. In jedem Klassenraum befindet sich ein so genannter "Friedenskoffer", in dem "Hosentaschenbücher" (Anleitungen zur Streitschlichtung), ein Leitfaden für den Streithelfer, blaue und gelbe Karten für Lösungen (Wünsche und Bereitschaft für den anderen etwas zu tun), ein Friedensvertrag, ein Rückmeldebogen, Stifte und Papiertaschentücher liegen. "Erforderlich für den großen Erfolg dieses Konzeptes war bei der Implementierung der Akzeptanz durch die Schulleitung und das Kollegium vor allem eine Basisausbildung des gesamten Kollegiums und eine fachliche Begleitung in der Folgezeit", so Prof. Feltes. Die fundierte und praxisorientierte Ausbildung der Schulmediatoren umfasst 60 Stunden.

Zusatzausbildung für Lehrer

Das Fazit der Studie: "Es wird Zeit, dass möglichst viele Lehrer eine kriminologische Zusatzausbildung bekommen - entweder im Rahmen ihrer Ausbildung, oder aber durch berufsbegleitende Maßnahmen", so Feltes. "Der Bochumer weiterbildende Masterstudiengang Kriminologie und Polizeiwissenschaft bietet Lehrerinnen und Lehrern, aber auch anderen, die mit Gewalt im Jugendalter konfrontiert sind, die Möglichkeit, sich innerhalb von einem Jahr kriminologische Grundkenntnisse anzueignen und Präventionsansätze für ihren beruflichen Tätigkeitsbereich zu entwickeln."

Weitere Informationen

Prof. Dr. Thomas Feltes, Lehrstuhl für Kriminologie, Juristische Fakultät der RUB, Tel. 0234/32-28245, mobil: 0172/5810426, E-Mail: thomas.feltes@rub.de


Dr. Josef König, Ruhr-Universität Bochum
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

Weitere Artikel in diesem BereichBewerten Sie diesen ArtikelToolbox
Der Hochschulwettbewerb digital sparks 2006 ist entschieden 
 Neue Forschungsergebnisse Stuttgarter Historiker: Nationalsozialisten planten Holocaust in Palästina