Hilfe: Sie befinden sich auf...

Universität zu Köln, 12.09.02

Archiv

... einer Artikelseite. Sie zeigt den vollständigen Text einer Nachricht.

Am Fuß der Seite finden Sie drei Boxen mit weiteren Aktionsmöglichkeiten:
Über die linke Box können Sie zum vorhergehenden, bzw. nachfolgenden Artikel in diesem Bereich navigieren.
In der mittleren Box können Sie diesen Artikel bewerten.
In der rechten Box kommen Sie zu einer Druckversion dieses Artikels, Sie können den Link dieses Artikels an einen E-Mail-Empfänger verschicken und Sie können diesen Artikel auf einen Merkzettel legen, um ihn leichter wiederzufinden.

Hilfe: Generell zu dieser Seite

Bei NETZGUT finden Sie Nachrichten aus dem Netz.
Zu der Nachricht Ihres Interesses können Sie auf drei Wegen gelangen:

Im Archiv sind die Nachrichten nach Bereichen getrennt.
Unter Themen finden Sie Nachrichten bereichsübergreifend zu einem bestimmten Thema.
Über die Schlagworte gelangen Sie zu den Artikeln, denen eben jene Schlagworte zugeordnet wurden. Auch diese Einordnung ist bereichsübergreifend.

Übrigens: Der Hilfe-Button gibt Ihnen zu jeder Seite die passenden Informationen.

Universität zu Köln, 12.09.02

Schmerzvolle Erfahrung

Noch bis zum Beginn des vergangenen Jahrhunderts bedeutete ein Zahnarztbesuch für den Patienten ein schmerzvolles Erlebnis, da ohne oder mit nur unzureichender Betäubung behandelt wurde. Trotz medizinischen Fortschritts fürchten sich aber auch heute noch viele Menschen vor dem Zahnarztbesuch. Besonders der durch die arbeitsökonomisch orientierte Einrichtung hervorgerufene sterile Charakter des Behandlungsraumes verstärkt die Ängste des Patienten. Dies führt vor allem bei Kindern und Angstpatienten zu größeren Problemen. Zu diesem Ergebnis kommt Roger Christopher Keil vom Institut für Geschichte und Ethik der Medizin an der Universität zu Köln. In seiner Untersuchung über die historische Entwicklung der verschiedenen medizinisch-technischen Hilfsmittel eines Zahnarztes stellt der Kölner Wissenschaftler die jeweiligen technischen Fortschritte dar, verweist aber gleichzeitig auch auf die damit verbundenen psychologischen Folgen für den Patienten.

Schmerzvolle Erfahrung
Die Entwicklung des zahnärztlichen Behandlungsstuhls

Noch bis zum Beginn des vergangenen Jahrhunderts bedeutete ein Zahnarztbesuch für den Patienten ein schmerzvolles Erlebnis, da ohne oder mit nur unzureichender Betäubung behandelt wurde. Trotz medizinischen Fortschritts fürchten sich aber auch heute noch viele Menschen vor dem Zahnarztbesuch. Besonders der durch die arbeitsökonomisch orientierte Einrichtung hervorgerufene sterile Charakter des Behandlungsraumes verstärkt die Ängste des Patienten. Dies führt vor allem bei Kindern und Angstpatienten zu größeren Problemen. Zu diesem Ergebnis kommt Roger Christopher Keil vom Institut für Geschichte und Ethik der Medizin an der Universität zu Köln. In seiner Untersuchung über die historische Entwicklung der verschiedenen medizinisch-technischen Hilfsmittel eines Zahnarztes stellt der Kölner Wissenschaftler die jeweiligen technischen Fortschritte dar, verweist aber gleichzeitig auch auf die damit verbundenen psychologischen Folgen für den Patienten.


Der Schrecken einer Zahnbehandlung war neben den Schmerzen schon immer auch psychologisch bedingt. Während die Schmerzen mit der Entwicklung von Narkosemitteln wie Lachgas nahezu ausgeschaltet werden konnten, blieb die Angst vor dem Ungewissen bestehen. Auch heute ist der Patient von ungewohnten Geräten und Geräuschen, wie zum Beispiel denen des Bohrers umgeben und gleichzeitig ist die zu behandelnde Stelle von ihm selbst nicht einsehbar. Er ist also gezwungen, ganz auf seinen Arzt zu vertrauen.

Bis in 19. Jahrhundert hinein arbeitete der Zahnarzt mit einer Vielzahl von zum Teil selbst entwickelten technischen Hilfsmitteln, die manchmal auch im Haushalt Verwendung fanden. In heutiger Zeit erfolgt die zahnärztliche Behandlung in einem möglichst keimfreien Raum, in dessen Mittelpunkt ein Behandlungsstuhl steht. Hier sind alle nötigen medizinischen und technischen Geräte in einem einheitlichen Komplex zusammengeschlossen. Der Patient wird in sitzender oder liegender Position behandelt, der Schmerz kann durch den Einsatz von Schmerzmitteln gelindert werden. Zur Entlastung des Arztes bedient eine Hilfskraft einen Teil der technischen Geräte.

Die wichtigsten Geräte, die ein Zahnarzt zur Verrichtung seiner Arbeit benötigt, sind Bohrer, Umspülbecken, Absaugevorrichtung für Speichel und Wasser, eine Anlage für Luft- und Wasserspray zum Reinigen und Trocknen der geöffneten oder erkrankten Stellen im Mundraum, sowie ausreichende Beleuchtungsanlagen. Ein einheitlicher und serienreifer Zusammenschluß dieser Geräte in einem Komplex erfolgte erstmals 1914 in den USA.

Dem vorausgegangen war eine teilweise über Jahrhunderte andauernde Entwicklung der einzelnen Elemente. Die Ursprünge des Bohrers als dem wohl wichtigsten Arbeitsmittels des Zahnarztes liegen beispielsweise bereits im Altertum. Zu Beginn der Entwicklung war sein Einsatz nur auf die akute Schmerzbekämpfung beschränkt und diente nicht den heute überwiegenden zahnerhaltenden Maßnahmen. Im Mittelalter fand er bei sogenannten Wund- und Schnittärzten Verwendung, die auf den öffentlichen Marktplätzen ein zahnärztliches Schauspiel veranstalteten.
Zu entscheidenden technischen Neuerungen kam es erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts. Im 19. Jahrhundert setzte ein Wandel in der Art der Behandlung und der Wahl des Instrumentariums ein. Rein chirurgische Maßnahmen traten in den Hintergrund und es wurden immer weitere Geräte entwickelt. In den gehobeneren Gesellschaftsschichten verlagerte sich die Tätigkeit der Dentisten in die salonartigen Wohnzimmer, wo die Patienten auf Plüsch gebettet von den Schmerzen der Behandlung abgelenkt werden sollten. Erst an der Wende zum 20. Jahrhundert führte ein neues Hygienebewußtsein zu der Wahl neuer Materialien und der Zusammenschluß der verschiedenen technischen Elemente zu einer Vereinheitlichung der Behandlungsabläufe.

Verantwortlich: Dr. Wolfgang Mathias

Für Rückfragen steht Ihnen Professor Dr. Klaus Bergdolt unter der Telefonnummer 0221/478-5266, der Faxnummer 0221/478-6794 und unter der Emailadresse Bergdolt@uni-koeln.de zur Verfügung.
Unsere Presseinformationen finden Sie auch im World Wide Web (http://www.uni-koeln.de/organe/presse/pi/index.html).
Für die Übersendung eines Belegexemplares wären wir Ihnen dankbar.


Gabriele Rutzen, Universität zu Köln
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

Weitere Artikel in diesem BereichBewerten Sie diesen ArtikelToolbox
Kandidatendebatte: Kameras nutzten Stoiber 
 "So normal wie möglich leben": Themenabend "Wohnen für Menschen mit Behinderung"