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Ruhr-Universität Bochum, 03.07.01

RUBIN 1/01: Antikes Militärgeld erzählt Geschichte

Auf eine Überraschungs stießen Bochumer Historiker beim Lesen aus Münzen: Die vermeintlich friedlichen Karthager waren auch ein kriegerisches Volk.

Bochum, 03.07.2001
Nr. 187

Von wegen friedliche "Pfeffersäcke" ...
Münzen verraten: Karthager waren nicht nur Handelsvolk
RUBIN 1/01: Antikes Militärgeld erzählt Geschichte

Auf ungewöhnlichem Wege erforschen Bochumer Historiker alte Zeiten. Nicht allein auf Texte stützen sie ihre Vorstellung von der antiken Welt; sie lesen auch aus Münzen. Eine Überraschung förderte so Prof. Dr. Linde Marie Günther zutage: Ihre Interpretation Karthagischer Münzen, deren Abbildungen und Macharten zeigte, dass die Karthager nicht - wie üblicherweise angenommen - nur friedliche Händler waren. Sie unterhielten auch Heerlager außerhalb ihrer eigenen Stadt und prägten dort Geld, um die Soldaten zu entlohnen.

Beitrag und Bilder stehen zum Herunterladen im Netz (s.u.)

Texte informieren einseitig ...

Was wir heute über die politischen Verhältnisse und Machtverteilungen der antiken Welt wissen, basiert zumeist auf griechischen und römischen Texten. Die Karthager werden darin einerseits als reiche, friedliche Händler beschrieben, deren militärische Schwäche daherrührte, dass sie zu ihrer Verteidigung nur schwach motivierte Söldner einsetzten. Dieser Darstellung steht die Hetze von Kriegsgegnern gegenüber, die den Karthagern Vernichtungsabsichten unterstellten - wohl auch um eine extreme Angst der Bevölkerung vor den Karthagern zum eigenen Vorteil auszunutzen. Die karthagische Sicht der Dinge blieb lange verschlossen. Prof. Günther hat nun gezeigt, dass manchmal Münzen eine Geschichte erzählen.

... Münzen erzählen die Kehrseite der Geschichte

Die erste Münzprägung der Karthager fand nicht in Karthago selbst, sondern zeitgleich mit dem ersten Krieg der Karthager 410 v. Chr. in Westsizilien statt. Dort hatten sie mehrere Städte erobert und behielten die Vorherrschaft bis zum ersten punischen Krieg (ab 264 v. Chr.). Die dort geprägten Münzen bestanden aus Silber und richteten sich nach dem Gewichtssystem der Athener. Wie die Drachme wog eine solche Münze ca. 4,5 Gramm. Die Aufschrift lautete "Karthago" und "Heerlager". In Karthago selbst begann die Münzprägung erst 30 bis 40 Jahre später, man verwendete das phönizische Gewichtssystem und Gold als Material für die Münzen. Die im Heerlager hergestellten Geldstücke waren also nur für den dortigen Umlauf gedacht, was auch aus den geprägten Werten hervorgeht: Es wurden ausschließlich 4-Drachmen-Stücke (Tetradrachmen) geprägt, mit denen sich der Sold der Krieger auszahlen ließ.

Bilder als Hinweis auf politische Ansichten

Ähnlichkeiten zwischen den Münzen von Karthago und denen auf Sizilien gibt es aber dennoch; beide zeigen ab der Mitte des 4. Jahrhunderts v. Chr. die typischen karthagischen Münzbilder: Den Kopf der Göttin Tanit, ein Pferd und eine Palme. Vorher waren die Münzbilder im Heerlager an sizilische Bilder angelehnt. Erst ab diesem Punkt der Übereinstimmung betrachteten die Karthager demnach Westsilizien als ihre Provinz.

RUBIN 1/01 erschienen

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in RUBIN 1/01. Dort finden Sie außerdem die Themen: Alarm in der U-Bahn: Mit "NADiS" sicher aus dem Tunnel; Krebsgen gegen Nervenleiden; Chemische Tricks mit molekularen Klümpchen; Checkpoint im Gehirn: Jetzt in der Kulturschale; Stoßfrei durch die Nanostruktur; Simulation Intelligenter Netze; Der Islam und die europäische Kultur. RUBIN ist in der Pressestelle der RUB für 5 DM erhältlich.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Linde Marie Günther, Lehrstuhl für Alte Geschichte, Fakultät für Geschichtswissenschaft der Ruhr-Universität Bochum, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-28689, Fax: 0234/32-14367

Weitere Informationen:


Dr. Josef König, Ruhr-Universität Bochum
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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