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Ruhr-Universität Bochum, 14.06.00

RUB-Untersuchung zum interkulturellen Management

Die Deutschen lernten oft zeitverzögert - und das vor allem aus Überheblichkeit oder mangelnder Lernbereitschaft. Zu diesem Ergebnis komme Dr. Christian Kleinschmidt in seiner Habilitation "Der produktive Blick. Wahrnehmung amerikanischer und japanischer Management- und Produktionsmethoden durch deutsche Unternehmer 1950 bis 1985".

Bochum, 14.06.2000
Nr. 159

Von lehrenden und lernenden Managern
Deutscher Blick auf ausländische Geschäftsstrategien
RUB-Untersuchung zum interkulturellen Management

Im Zeitalter der Globalisierung sind Fragen des interkulturellen Managements für den Erfolg internationaler Unternehmen wichtiger denn je - Grund genug für die Geschichtswissenschaft, sich eingehend mit ihrer Entwicklung zu beschäftigen: Im Habilitationsprojekt "Der produktive Blick. Wahrnehmung amerikanischer und japanischer Management- und Produktionsmethoden durch deutsche Unternehmer 1950 bis 1985" (Lehrstühle für Sozial-, Wirtschafts- und Technikgeschichte, Prof. Dr. Dietmar Petzina, Prof. Dr. Wolfhard Weber), das von der Volkswagen-Stiftung finanziert wurde, widmete sich PD Dr. Christian Kleinschmidt der Wahrnehmung und praktischen Umsetzung amerikanischer und japanischer Management- und Produktionsmethoden an ausgesuchten Beispielen deutscher Großunternehmen. Seine Erkenntnis: Die Deutschen lernten oft zeitverzögert - und das vor allem aus Überheblichkeit oder mangelnder Lernbereitschaft.


Freiwillig lernen von Amerikanern ...

Amerikanische Management- und Produktionsmethoden hatten für deutsche Unternehmer nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die 70er Jahre hinein eine Leitbildfunktion. Die Wahrnehmung amerikanischer Unternehmensstrategie erfolgte als ein "Erfahrungslernen": Deutsche Firmen übernahmen amerikanische Strategien des Marketing, der Werbung und Organisation. So kam es zu einer "Westbindung" der deutschen Wirtschaft, ohne eine "Amerikanisierung" im Sinne eines kulturellen Imperialismus des Managements. Amerikanisierungstendenzen der 50er Jahre mündeten in eine freiwillige Orientierung am amerikanischen Vorbild, oder auch in eigene, auf deutscher Tradition beruhender Methoden, z. B. in industriellen Beziehungen oder der Aus- und Weiterbildung von Managern.

... schockiert von den Japanern

Ganz anders verhielt es sich jedoch mit japanischen Leitbildern: Während die USA bis in die 70er Jahre hinein als "reference society" eine permanente Orientier-ungsgröße darstellten und deutsche Unternehmer meist die Rolle des Lernenden inne hatten, nahmen sie gegenüber den Japanern zunächst die Rolle des Lehrers ein. Ihre Überheblichkeit und ihre bis an die Grenzen des Rassismus reichende Einstellung gegenüber den Japanern blockierte eigene Lernprozesse bis in die 80er Jahre hinein. Erst die "japanische Herausforderung" der 70er und der "Japanschock" der 80er Jahre brachten ein Umdenken hervor, so dass deutsche Unternehmer lernbereiter wurden. Bei einigen Firmen, so etwa bei Volkswagen oder Continental, entwickelte sich daraus ein Wandel des Erfahrungslernens in ein selbstreflexives "Metalernen".

Theorie und empirische Forschung

Zum Beleg seiner These kombinierte Kleinschmidt kompatible Theorieansätze, wie etwa den Mikropolitik- und den Leitbildansatz, die ethnologische und philosophische Fremdbildforschung und die interkulturelle und verhaltenswissenschaftliche Managementforschung um anhand empirischer Beispiele sein Feld zu erforschen. Er untersuchte Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen im Hinblick auf z. B. ihre Technologie, ihre Werbung, ihre Unternehmensorganisation und ihre Aus- und Weiterbildung. Besonderes Augenmerk richtete er dabei auf die unternehmerische Wahrnehmung, Deutungsmuster und Entscheidungsprozesse. Die Frage der Fremdwahrnehmung und der damit verbundenen individuellen und kollektiven Lernprozesse standen für ihn im Mittelpunkt.

Weitere Informationen

PD Dr. Christian Kleinschmidt, Fakultät für Geschichtswissenschaft der Ruhr-Universität, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-26808, Fax:0234/32-14-240, Email: Ch.Kleinschmidt@cityweb.de


Dr. Josef König, Ruhr-Universität Bochum
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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