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Ruhr-Universität Bochum, 05.05.03

RUB-Hirnforschung: Wenn Gesichter bedeutungslos sind

Wie eine Festplatte speichert unser Gehirn bekannte Gesichter und greift je nach Bedarf blitzschnell darauf zurück. Nicht so bei Prosopagnosie-Patienten. Die Krankheit bezeichnet die fehlende Fähigkeit, andere Menschen an den Gesichtszügen zu erkennen und wird deshalb auch "Gesichtsblindheit" genannt. Über dieses seltene Phänomen berichten Dipl.-Psych. Thomas Kress und Prof. Dr. Irene Daum (Neuropsychologie, Fakultät für Psychologie der RUB) in NeuroRUBIN, der aktuellen Sonderausgabe des Wissenschaftsmagazins RUBIN.

Bochum, 05.05.2003
Nr. 132

Wenn Gesichter bedeutungslos sind
Auf den Spuren einer seltenen Funktionsstörung des Gehirns
NeuroRUBIN erschienen: Hirnforschung an der RUB

In weniger als einer halben Sekunde weiß unser Gehirn, ob wir den Menschen vor uns kennen oder nicht. Säuglinge erkennen schon wenige Stunden nach der Geburt ihre Mutter. Wie eine Festplatte speichert unser Gehirn bekannte Gesichter und greift je nach Bedarf blitzschnell darauf zurück. Bei einem Computer reicht schon ein loses Kabel und die Verbindung zur Festplatte ist unterbrochen. Der Bildschirm bleibt schwarz. Im Gehirn kann etwas ähnliches passieren: Das Gegenüber wird zwar gesehen, aber nicht an Augen, Nase oder Mund erkannt. Die Krankheit "Prosopagnosie" bezeichnet die Unfähigkeit, Gesichter zu identifizieren. Dieses seltene Phänomen erforschen Dipl.-Psych. Thomas Kress und Prof. Dr. Irene Daum (Neuropsychologie, Fakultät für Psychologie der RUB) in NeuroRUBIN, der aktuellen Sonderausgabe des Wissenschaftsmagazins RUBIN.


NeuroRUBIN im Internet

NeuroRUBIN inkl. Fotos zum Herunterladen finden Sie im Internet unter http://www.ruhr-uni-bochum.de/neurorubin/

Gestörte Informationsverarbeitung

Nervenzellen kommunizieren mit elektrischen Signalen - sichtbar im EEG (Elektroenzephalogramm). In der Fakultät für Psychologie der Ruhr-Uni Bochum haben Wissenschaftler die Hirnströme "gesunder" Menschen mit denen von "gesichtsblinden" verglichen. Die Probanden schauten sich während der Tests Gesichter und Häuser an. Gegenstände können auch "Gesichtsblinde" problemlos voneinander unterscheiden. Die EEG zeigen, dass ein bestimmter Teil des Gehirns normalerweise stärker auf Gesichter als auf andere Dinge reagiert. Im Gegensatz dazu Prosopagnosie-Patienten: Die Hirnaktivität beim Erblicken eines Gesichts ist deutlich geringer. Ihr Gehirn reagiert auf Gesichter und Häuser in etwa gleich. Die Neuropsychologen führen deshalb Prosopagnosie auf eine Störung der Informationsverarbeitung zurück. Das Gehirn kann offenbar die gesehenen Reize nicht mit den Merkmalen bereits gespeicherter Gesichter vergleichen.

Gesichter verschwimmen zu weißer Fläche

Um Menschen zu erkennen, brauchen "Gesichtsblinde" auch ihre Stimme oder typische Bewegungen. Die Erkrankten sehen zwar die Gesichtszüge. Sie ergeben aber keinen Sinn. Einige Patienten nehmen Gesichter nur als blanke, helle Fläche wahr. Verursacht wird Prosopagnosie, bei der selbst das eigene Spiegelbild fremd bleiben kann, durch Kopfverletzungen oder einen Schlaganfall. Neuere Meldungen berichten von Menschen, die diese Störung seit ihrer Geburt haben.

Von Mäusen und Menschen

NeuroRUBIN stellt insgesamt elf Themen aus den Neurowissenschaften vor: "Der kleine Unterschied" im menschlichen Gehirn; Von der Nase ins Gehirn - Wie Düfte Gestalt annehmen; Leistungssteigerung und Plastizität bis ins hohe Alter - Wie das Gehirn sich selbst repariert; Künstliche Bewegung, so natürlich wie möglich; Sehen und Bewegen: Ein Feuerwerk der Nervenzellen; Modell des Objektsehens: Schnelle Links für scharfe Bilder; Elektrische Synapsen: "Aschenputtel" unter den Zellkontakten; Räume der Bewegung - Wo Nervenzellen entstehen, wachsen und sich verändern; Diagnose Veitstanz - Was kann da noch helfen?; Mäuse stehen Modell für neurodegenerative Erkrankungen; dazu ein Einblick in die Forschungsprojekte an der International Graduate School for Neuroscience (IGSN).

Weitere Informationen

Prof. Dr. Irene Daum, Neuropsychologie, Fakultät für Psychologie der RUB, Tel.: 0234/32-28674, Fax: 0234/32-14622

Bezug des Magazins

NeuroRUBIN ist für 4,50 Euro in der International Graduate School for Neuroscience erhältlich (Kontakt: Dr. Thomas Niemann 0234/ 32-26955; IGSN@neurobiologie.ruhr-uni-bochum.de).

Weitere Informationen:


Dr. Josef König, Ruhr-Universität Bochum
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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