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Ruhr-Universität Bochum, 07.08.06

Vom Rhythmus gleicher Erfahrungen: RUBIN 2/06 über deutsch-russische Beziehungen im 20. Jahrhundert

Hier las man Tolstoj und Dostojewskij, dort Hauptmann oder Schnitzler - und immer wieder zerstörte die Politik den kulturellen Dialog. Überraschende Einblicke in die deutsch-russischen Beziehungen des 20. Jahrhunderts gibt das "Kopelew-Projekt", das nach über einem Vierteljahrhundert nun seinen Abschluss findet. Darüber berichtet das Wissenschaftsmagazin RUBIN der Ruhr-Universität Bochum in der aktuellen Ausgabe.

Bochum, 07.08.2006
Nr. 263

Vom Rhythmus gleicher Erfahrungen
Wechselbäder des sich Annäherns, Berührens und Abstoßens
RUBIN 2/06 über deutsch-russische Beziehungen im 20. Jahrhundert

In Deutschland las man Dostojewskij, Tolstoj oder Tschechow, hörte Tschaikowskij und Rachmaninow, während Russen die deutsche Klassik und Romantik wiederentdeckten. Auch die politische Geschichte des 20. Jahrhunderts verlief auffallend parallel, wenngleich sie Deutsche und Russen weit voneinander entfernte. Der menschlichen Seite der Historie widmet sich das "Kopelew-Projekt", seit 1997 unter Leitung des Bochumer Slavisten Prof. Dr. Dr. h.c. Karl Eimermacher (Lotman-Institut für russische und sowjetische Kultur). Einblicke in dieses Forschungsprojekt, das nach über einem Vierteljahrhundert und mit einer 14-bändigen Publikationsreihe seinen Abschluss findet, geben Astrid Volpert und Dagmar Herrmann in RUBIN 2/06.


Beitrag und Bilder im Netz

Den vollständigen Beitrag mit Bildern zum Herunterladen finden Sie im Internet unter http://www.rub.de/rubin.

Die Kultur des anderen immer im Blick

Die russische Moderne entwickelte eine atemberaubende Dynamik, die Europa einen wahren "Russenkult" bescherte. Doch auch in Russland wurde die kulturelle Entwicklung Deutschlands aufmerksam verfolgt. So waren etwa Gerhart Hauptmann, Heinrich Mann, Arthur Schnitzler oder Friedrich Nietzsche Orientierungspunkte am geistigen Horizont. Kandinsky studierte Malerei in München, während Barlach und Rilke in ein Russland reisten, das ihnen neue Welten offenbarte. Auch Lenin hielt sich um die Jahrhundertwende in Deutschland auf, um die Strategien der bewunderten starken sozialdemokratischen Partei zu begutachten. Während der zwanziger Jahre wechselten Hunderttausende Menschen die Grenzen in beide Richtungen: Nahm Deutschland vor allem Bürgerkriegsemigranten und hervorragende Wissenschaftler auf, so öffnete die Sowjetunion später während der Weltwirtschaftskrise weit die Tore für deutsche Spezialisten aller Berufe.

Generationenerfahrung vergleichbar

Während sich das geistige Leben vor dem ersten Weltkrieg wie in einem Schutzraum meist weit entfernt von den Zentren der Macht abgespielte, ging auf politischer Ebene die Ära traditioneller deutsch-russischer Bündnisse zu Ende. Dabei durchliefen beide Kulturen Krieg, Revolution, Demokratie und Diktatur und wiederum Krieg, bis der Kalte Krieg die Blöcke einfror. Diese Dynamik führte zu einer vergleichbaren Rhythmisierung der Generationserfahrungen, die über alle Entfremdung und Feindseligkeit hinweg immer wieder Brücken des Verständnisses bauen lies. In Übereinstimmung wie in Kollision mit den historischen Verhältnissen und Ereignissen zogen sich zahlreiche gegenläufige Bewegungen der Annäherung und Berührung wie des Abgestoßenseins durch die Jahrzehnte. Nach der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs schienen nicht nur die Grundlagen des deutsch-russischen Dialogs zerstört, auch die eigene kulturelle Identität hatte auf beiden Seiten Schaden genommen.

Das "Kopelew-Projekt"

Bereits 1982 begründete Lew Kopelew (1912-1997) in Wuppertal die kommentierte Dokumentation der Kulturgeschichte der deutsch-russischen Beziehungen vom 11. bis zum 19. Jahrhundert. Er konnte auch das Projekt zum 20. Jahrhundert noch auf den Weg bringen, dessen Leitung dann Karl Eimermacher übernahm. An der Auffindung, Sichtung und Wertung des alle Gesellschaftsbereiche berührenden Materials waren 130 Wissenschaftler beider Länder beteiligt. Dabei wurde die Trennung nach wechselseitigen Perspektiven - Russland aus deutscher bzw. Deutschland aus russischer Sicht - aufgegeben. Neben kulturellen und künstlerischen Betrachtungen bekamen auch Themen aus Politik und allgemeiner Geschichte mehr Gewicht.

Themen in RUBINinternational

In RUBINinternational finden Sie außerdem folgende Themen: Geisteswissenschaften: Russische Plakatkunst des 20. Jahrhunderts: Werben für die Utopie; Expeditionen in die Welt untergehender Dialekte: Eine Datenbank fürs Ohr; Medizin: Neue Methode hilft Kommunikation der Hirnnervenzellen verstehen: Stabiles Bild dank plappernder Nervenzellen; Ingenieurwissenschaften: Neue Wege in der Formgedächtnistechnologie: Haptisches Display und aktive Prothese; Naturwissenschaften: Nutzung geothermaler Ressourcen: Auch ohne sprudelnde Geysire und aktive Vulkane; Die Suche nach kosmischen Teilchenbeschleunigern: Modernste Teleskope "sehen" Hochenergiegammastrahlung; Organische Elektronik optimieren: Wenn Moleküle steuern und schalten.
RUBIN ist zum Preis von 2,50 Euro in der Pressestelle der Ruhr-Universität (Tel. 0234/32-22830) erhältlich und steht im Internet unter http://www.rub.de/rubin.

Weitere Informationen

Astrid Volpert, Tel. 030/2825732, E-Mail: Volpertber@aol.com; Lotman-Institut für russische und sowjetische Kultur, Tel. 0234/32-23368


Dr. Josef König, Ruhr-Universität Bochum
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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