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Freie Universität Berlin, 20.07.05

Nach der Reise ist vor der Reise. Institut für Tourismus analysiert das Reisebuchungsverhalten der über 50-Jährigen

Im Internet kann man alles kaufen, auch Reisen. Aber nicht jede Altersgruppe bedient sich dieses Angebots, zum Beispiel die über 50-Jährigen. Das hat eine Studie ergeben, die das Willy Scharnow-Institut für Tourismus der Freien Universität Berlin durchgeführt hat. Demnach legen 74 Prozent der über 800 Befragten Wert auf eine gute Beratung durch das Reisebüro und auf qualitätvolle Reiseangebote - und das lassen sie sich auch etwas kosten. "Das Reisebüro spielt für die über 50-Jährigen eine wesentliche Rolle, im Gegensatz zum Internet", sagt der Institutsdirektor Christoph von Haehling, der gemeinsam mit Antje Wolf im Auftrag der Willy Scharnow-Stiftung für Touristik in Frankfurt am Main die Studie "Der Reisebürokunde 50+" durchgeführt hat. Sie haben die Informationsbeschaffung und das Buchungsverhalten der Befragten untersucht und deren Reiseverhalten analysiert.

Anlass für die Studie ist der demographische Wandel in Deutschland: Sinkende Geburtenraten und eine steigende Lebenserwartung haben dazu geführt, dass die über 50-Jährigen mit 42,6 Prozent einen beachtlichen Anteil der Gesamtbevölkerung darstellen und dass diese Zahl sogar noch weiter steigen wird. Vor allem auch wegen ihrer Einkommensstärke ist die Altersgruppe 50+ als potentielle Kundengruppe von besonderem Interesse. "Zwischen 2004 und 2010 werden die über 50-Jährigen jedes Jahr etwa 52 bis 56 Millionen Urlaubsreisen unternehmen", schätzt Christoph von Haehling auf Grundlage der ihm vorliegenden Daten. "Das können Kurzurlaube von ein bis drei Übernachtungen oder längere Urlaubsreisen mit mindestens vier Übernachtungen sein - egal, ob der Urlaub in Deutschland oder im Ausland stattfindet." Da alle diese Reisen vorbereitet und gebucht werden wollen, ist die Altersgruppe 50+ nicht nur für den gesamten Industriezweig, sondern insbesondere auch für die Reisemittlerbranche von großer Bedeutung.


An der Studie haben per Telefonumfrage 803 zufällig auserwählte Personen teilgenommen, die mindestens 50 Jahre alt waren. Am liebsten bereisen die Befragten ihr eigenes Land, gefolgt von Österreich, Spanien und Italien. Bei längeren Urlaubsreisen bevorzugten sie Bade- und Erholungsurlaube, bei Kurzreisen Städte- und Kultururlaube.

Für etwa ein Drittel der über 50-Jährigen war das Reisebüro die Informationsquelle Nummer eins. Nur halb so viele informierten sich vor Reiseantritt über das Internet - und buchten dann zum Teil trotzdem im Reisebüro. Einen Grund hierfür sieht Antje Wolf in der persönlichen Betreuung, die das Reisebüro gegenüber dem Internet auszeichnet. Reisebüros sind vor allem bei Fern- oder Auslandsreisen gefragt. "Wenn die über 50-Jährigen im Internet etwas buchen, dann sind das hauptsächlich Unterkünfte und Flüge", sagt die Tourismus-Expertin.

Herausgestellt hat sich aber auch, dass mehr Personen eine Reise über Vereine oder Organisationen wie Kirchen und Gewerkschaften buchen, je älter sie werden. Eine Konkurrenz stellen Organisationen für die Reisebürobranche trotzdem nicht dar, denn die Befragten legen besonderen Wert auf eine fachkompetente, individuelle und persönliche Beratung, verlässliche Informationen sowie ein gutes Preis-Leistungsverhältnis. "Wobei das nicht automatisch 'billig' bedeuten muss", erklärt Christoph von Haehling. "Eine gute Betreuung und Beratung rund um die gesamte Reise ist den über 50-Jährigen mindestens so wichtig wie ein gutes Preis-Leistungsverhältnis."

Die Nachbetreuung nimmt bei dem Befragten einen hohen Stellenwert ein, genauso wie feste Ansprechpartner, die Vergabe von Treue-Boni und regelmäßige Informationen über neue Reiseangebote. "Die Nachbetreuung bildet also nicht den Schlusspunkt einer Reise, sondern vielmehr die Basis für eine nachhaltige Kundenbindung, nach dem Motto: Nach der Reise ist vor der Reise", sagt der Tourismus-Professor. "Wir sehen anhand der Studienergebnisse ganz deutlich, welche Chancen sich für Reisebüros ergeben, wenn sie sich auf die Altersgruppe 50+ einstellen", sagt Christoph von Haehling und rät der Reisebürobranche, alle Vertriebsmöglichkeiten, auch moderne Kommunikations- und Vertriebskanäle wie das Internet und die Möglichkeiten und Vorteile von Call-Centern kreativ einzusetzen.

Von Ilka Seer

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern:
Dipl.-Geogr. Antje Wolf, Willy Scharnow-Institut für Tourismus der Freien Universität Berlin, Tel.: 030 / 838-70163, E-Mail: wolf@fu-tourismus.de


Ilka Seer, Freie Universität Berlin
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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