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Ruhr-Universität Bochum, 26.01.01

"Sachor 10" - Israel im Ausnahmezustand

Hundert Jahre nach Theodor Herzels Vision eines friedlichen Staates für die Juden (im zionistischen Roman "Altneuland") und fünfzig Jahre nach der Gründung Israels wandeln sich Gesellschaft und Staat rapide. Diese Entwicklung greifen - schon vor dem Beginn der gewaltsamen Auseinandersetzungen konzipiert - die Autoren der soeben erschienenen Jubiläumsausgabe von Sachor 10. Zeitschrift für Antisemitismusforschung, jüdische Geschichte und Gegenwart auf. Dabei kommt es der Herausgeberin der Sachor, der Studentischen Arbeitsgemeinschaft für Antisemitismusforschung (StAGA) e.V. an der Ruhr-Universität Bochum, darauf an, sachlich über den Wandel in Israel zu informieren, anstatt bekannte Klischees zu reproduzieren.

Bochum, 26.01.2001
Nr. 25

Israel im Ausnahmezustand!?
Vom Wandel eines Traumes - auch an Krimis untersucht
Jubiläumsausgabe: "Sachor 10" ("Erinnere Dich!") ist erschienen

Wohl nur ein Träumer könnte zur Zeit Israels Schicksal und Zukunft optimistisch bewerten: Tag für Tag neue Hoffnungen und neue Enttäuschungen. Menschen sterben auf beiden Seiten, und der Traum auf eine friedliche Koexistenz zwischen Israelis und Palästinensern wirkt ferner als je zuvor. Hundert Jahre nach Theodor Herzels Vision eines friedlichen Staates für die Juden (im zionistischen Roman "Altneuland") und fünfzig Jahre nach der Gründung Israels wandeln sich Gesellschaft und Staat rapide. Diese Entwicklung greifen - schon vor dem Beginn der gewaltsamen Auseinandersetzungen konzipiert - die Autoren der soeben erschienenen Jubiläumsausgabe von Sachor 10. Zeitschrift für Antisemitismusforschung, jüdische Geschichte und Gegenwart auf. Dabei kommt es der Herausgeberin der Sachor, der Studentischen Arbeitsgemeinschaft für Antisemitismusforschung (StAGA) e.V. an der Ruhr-Universität Bochum, darauf an, sachlich über den Wandel in Israel zu informieren, anstatt bekannte Klischees zu reproduzieren.


Literatur als Quelle

Sachor 10 geht neue Wege: Am Beispiel von israelischen Kriminalromanen der bekannten Autorinnen Batya Gur und Shulamit Lapid widmet sich Christian Bala dem sozialen und politischen Wandel in Israel. Omer Bartov, Geschichtsprofessor an der Brown University in Providence/Rhode Island, untersucht die Rezeption der Bücher des Autors Ka-Tzetnik durch die israelische Jugend und deren Wirkung auf ihr Bild von der Shoah, der Ermordung der europäischen Jüdinnen und Juden. Der Artikel erschien zuerst in der renommierten Fachzeitschrift Jewish Social Studies, und ist dem deutschen Publikum hier erstmals in einer Übersetzung zugänglich.

Religion und Postzionismus

Die bekannte Israelwissenschaftlerin Angelika Timm beleuchtet in ihrem Beitrag den säkular-religiösen Konflikt (Kulturkampf) in der israelischen Gesellschaft, und analysiert ob das Land wirklich in der Gefahr steht, sich zu einer Theokratie zu entwickeln. Anhand eines kürzlich in der Bundesrepublik erschienenen Buchs zeichnet Julia Brauch den israelischen "Historikerstreit" nach und verdeutlicht, dass das Phänomen des "Postzionismus" keineswegs ein rein akademischer Streit ist.

Russische Einwanderung

Die demografische Revolution Israels, die Einwanderung von Menschen aus den Nachfolgestaaten der UdSSR, ist Thema von Esther Jonas-Märtin und Lothar Mertens. Die vielfältigen sozialen, religiösen und kulturellen Stolpersteine der Integration der sogenannten "Russen" werden von ihnen betrachtet. Für alle, die sich über diese Themen hinaus mit dem Wandel des zionistischen Traumes auseinandersetzen wollen, findet sich eine umfangreiche Auswahlbibliografie von Christian Bala.

Antisemitismus im Internet und Forschung zum Nationalsozialismus

Der Journalist und Bochumer Politikwissenschaftler Thomas Pfeiffer informiert über Antisemitismus im Internet, dessen Palette vom offenen Rassismus über Geschichtsrevisionismus bis hin zum als Antizionismus getarnten Judenhass reicht. Der Artikel zeigt, dass in den letzten Jahren eine Subkultur entstanden ist, deren Weg von der verbalen Gewaltandrohung zur Tat ein kurzer ist. Abgerundet wird das Themenspektrum der diesjährigen Ausgabe von einem Artikel, in dem Andrea Löw einen Aspekt der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik betrachtet. Sie untersucht die umstrittene Kontinuitätsthese von der "Euthanasie" zur "Endlösung". Ausführliche und kompetente Rezensionen zu aktuellen Neuerscheinungen runden diese Ausgabe der Sachor wie gewöhnlich ab.

Pressestimmen zur Sachor

"Aktualität in der Fragestellung und Frische in der Federführung stechen wahrscheinlich nicht nur deshalb ins Auge, weil die Mitglieder der Redaktion mehrheitlich Anfang der siebziger Jahre geboren worden sind. Ihre interdisziplinären Aufsätze zeichnen sich gleichwohl durch verblüffende Reife sowie durch hohes wissenschaftliches Niveau aus. Die Gnade der späten Geburt scheint im Falle der Sachor-Redaktion respektable Früchte getragen zu haben. Es zeichnet sich schon ab, dass die moderne deutsche Geschichte in der Generation der Sachor-Herausgeber zuverlässige Interpreten finden wird." (Aschkenas. Zeitschrift für Geschichte und Kultur der Juden)

Weitere Informationen und Rezensionsexemplare

Weitere Informationen und Rezensionsexemplare sind zu beziehen über den Klartext-Verlag, Presseabteilung, Frau Christa Scholte, Dickmannstraße 2-4, 45143 Essen, Tel.: 02 01/86 506-31, Fax: 02 01/86 206-22, eMail: Klartext-Verlag@t-online.de.

Titelaufnahmen

Sachor. Zeitschrift für Antisemitismusforschung, jüdische Geschichte und Gegenwart, hrsg. von der StAGA e.V., Essen: Klartext Verlag, ISSN: 0948-2415.
Band 10: Israel. Wandel eines Traumes, Essen: Klartext Verlag 1999 (166 Seiten, br., DM 25,00/DM 20,00), ISBN: 3-88474-921-8.
Die Sachor erscheint einmal im Jahr und kostet als Einzelheft, das über den Buchhandel und den Klartext Verlag bezogen werden kann, DM 25,00. Ein Abonnement kostet DM 20,00.

Adresse der Herausgeberin

StAGA e.V., c/o AStA der Ruhr-Universität Bochum, Universitätsstraße 150, 44780 Bochum, Tel.: 02 34/32-2 47 02, Fax: 02 34/70 16 23 [Fax-Vermerk: z.Hd. StAGA], eMail: staga@ruhr-uni-bochum.de, Internet: http://www.ruhr-uni-bochum.de/staga.

Weitere Informationen:


Dr. Josef König, Ruhr-Universität Bochum
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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