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Europäische Akademie zur Erforschung von Folgen..., 28.06.06

"Leben mit Lärm?" -- Buchpräsentation der Europäischen Akademie

Die Studie "Leben mit Lärm? Risikobeurteilung und Regulation im Verkehrsbereich" ist das Ergebnis eines zweieinhalbjährigen Forschungsprojekts mit dem Ziel, den Lärm-Akteuren, Politikern und Betroffenen begründbare Empfehlungen für den weiteren Umgang mit der vielfach diskutierten Umgebungslärmproblematik zu geben.

Berlin, 28.6.2006. - Vor wenigen Tagen erließ die Europäische Kommission neue Grenzwerte für den Lärm von Eisenbahnverkehr. Zur Problematik des Lärms verursacht durch Schienen-, Straßen- und Luftverkehr legte nun die Europäische Akademie eine Studie vor, die die Auswirkungen der Lärmbelastung auf den Menschen und deren Regulation untersucht. Die Studie "Leben mit Lärm? Risikobeurteilung und Regulation im Verkehrsbereich" ist das Ergebnis eines zweieinhalbjährigen Forschungsprojekts mit dem Ziel, den Lärm-Akteuren, Politikern und Betroffenen begründbare Empfehlungen für den weiteren Umgang mit der vielfach diskutierten Umgebungslärmproblematik zu geben.


Anlass der Studie ist, dass Lärm aus unserer Umgebung alltäglich auf uns einwirkt. Insbesondere stört der Verkehrslärm, der beispielsweise von Hauptstraßen, Autobahnen und Flughäfen ausgeht und große Teile der Bevölkerung belästigt. Verkehrslärm behindert dabei auch die Kommunikation und damit das menschliche Zusammenleben. Er beeinträchtigt nicht nur die Lebensqualität, sondern kann an Lärm-Brennpunkten zu erheblichen Leistungsstörungen führen. Außerdem vermuten Mediziner, dass Verkehrslärm auch ernste gesundheitliche Probleme hervorrufen kann.

Die Autoren machten in ihrer interdisziplinären Studie deutlich, dass es einerseits Hinweise darauf gibt, dass die bislang gültigen Vorschriften zur Lärmregulierung nicht ausreichten. Andererseits darf die wirtschaftliche Bedeutung von Mobilität nicht unterschätzt werden, zumal von Seiten der Lärmverursacher eine sinkende Lärmtoleranz innerhalb der Gesellschaft ausgemacht wird. Angesichts der langwierigen und schwierigen Umsetzung der Europäischen Umgebungslärmrichtlinie in deutsches Recht hat sich die Europäische Akademie dieser Problematik angenommen.

Eine Forderung der Forschergruppe ist beispielsweise, dass primäres Ziel einer "Lärmpolitik" die Vermeidung lärmbedingter Leistungsstörungen in Schule und Beruf sowie die Minderung von Belästigungen im privaten Bereich sein muss. Dieses Ziel ist vor dem Hintergrund des absehbaren Verkehrswachstums in eine "umweltgerechte" Mobilität einzubetten. Hierzu gehören die grundsätzliche
Gleichbehandlung aller Verkehrsträger und insbesondere die Verankerung von "Ruhe" als schützenswertes Rechtsgut. Dies könnte durch die Sicherung und Schaffung geeigneter Rückzugsräume und die Entschärfung von Lärm-Brennpunkten erreicht werden. Örtlich begrenzte Lärmkontingente oder lärmabhängige Anreize zur Verhaltensänderung könnten dies unterstützen. Bei der Zulassung von Fahrzeugen und Reifen sollten Lärmgrenzwerte auf dem jeweiligen Stand der Technik gesetzt und ihre Einhaltung im praktischen Betrieb durch regelmäßige Prüfungen über die Fahrzeug-Lebensdauer sichergestellt werden ("Lärm-TÜV"). Langfristig betrachtet wären darüber hinaus durch gezielte Förderung und/oder dynamische Lärmgrenzwerte frühzeitige Anreize für die Entwicklung, Einführung und Verbreitung lärmarmer Verkehrsmittel vorzusehen. Auf Ebene der Siedlungsplanung ist eine optimierte Gesamtlärmsituation anzustreben. Parallel sollte sich die Lärmforschung insbesondere auf die noch nicht hinreichend wissenschaftlich abgesicherten Lärmwirkungen (Herz-Kreislauf-Probleme) konzentrieren. Außerdem wäre künftig eine verbesserte öffentliche Lärmaufklärung vonnöten.

Die vorstehenden Empfehlungen richten sich an die deutsche Umsetzungsebene der Europäischen Umgebungslärmrichtlinie und zielen insbesondere auf die in diesem Zusammenhang zwingend zu beschließenden Maßnahmenpläne.

Die Studie wurde heute (18.00 Uhr) in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (Leibnizsaal) von den Autoren vorgestellt.

Weitere Informationen:


Friederike Wütscher, Europäische Akademie zur Erforschung von Folgen wissenschaftlich
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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