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Eberhard Karls Universität Tübingen, 05.07.99

Punkte auf einem Stein liefern Hinweis auf altsteinzeitliche Höhlenkunst in Mitteleuropa


Punkte auf einem Stein liefern Hinweis auf altsteinzeitliche Höhlenkunst in Mitteleuropa

Ein handtellergroßer, rot bemalter Kalkstein ist mit großer Sicherheit der erste überzeugende Hinweis auf altsteinzeitliche Höhlenmalerei in Deutschland, vermutlich sogar in Mitteleuropa. Den sensationellen Fund machten die beiden Tübinger Forscher Prof. Nicholas Conard und Prof. Hans-Peter Uerpmann vom Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters bereits im August 1998 in der Höhle Hohler Fels bei Schelklingen (Alb-Donau-Kreis, Landkreis Ulm). Der Hohle Fels öffnet sich in einem Kliff des Weißen Jura der Schwäbischen Alb. Über einen Vorraum führt ein etwa 30 Meter langer Gang in einen 12 Meter hohen, großen Saal mit einer Grundfläche von 500 Quadratmetern. Der Hohle Fels zählt damit zu den größten Höhlen der Schwäbischen Alb.


Die meisten Spuren der Ansiedlung von Menschen stammen im Hohlen Fels aus der Jüngeren Altsteinzeit, unter anderem aus dem sogenannten Magdalénien. Diese Kulturstufe ist nach der französischen Grotte La Madeleine in der Dordogne benannt und wird im Hohlen Fels auf 13 000 Jahre vor unserer Zeit datiert. In den Fundschichten des Magdalénien wurde neben Werkzeugen wie Kratzer, Stichel, Bohrer und Rückenmesser auch der bemalte Stein entdeckt. Knochenfunde in der Höhle aus dieser Zeit stammten vor allem von Rentieren.

Der bemalte Stein ist etwa 7,6 x 5,9 x 1,7 Zentimeter groß. Er besteht aus demselben Kalkstein des Oberen Jura wie die Höhlenwände des Hohlen Felsens. Die Forscher vermuten, daß der Stein aus der Höhlenwand stammt und ursprünglich zu einer größeren Malerei im Stil der Höhlenkunst gehört haben könnte. Es ist jedoch nicht völlig auszuschließen, daß der Stein erst nach dem Abplatzen von der Wand bemalt wurde und daher zur mobilen Kleinkunst aus dem Magdalénien zu rechnen ist. Die Bemalung besteht aus zwei Doppelreihen dunkelroter Punkte. Eine doppelte Punktreihe im Zentrum an der Oberseite des Steins besteht aus sieben Punktpaaren und ist vollständig, die zweite aus vier Punktpaaren ist leicht schräg unterhalb der ersten Doppelreihe angebracht und durch den Bruch des Kalksteins unvollständig. Die uneinheitliche Größe und Form der Punkte läßt vermuten, daß sie mit einem Pinsel oder einer Fingerspitze aufgebracht wurden.

Zwar deuteten auch einige bisherige, zum Teil unsicher datierten Funde schon daraufhin, daß es in der Altsteinzeit Höhlenmalereien in Mitteleuropa gegeben hat. Doch liefert der bemalte Stein aus dem Hohlen Fels bei Schelklingen den bisher sichersten Beweis. Denn die Wandoberflächen von deutschen altsteinzeitlichen Höhlenfundstellen sind durch Verwitterung und Schäden, die durch große Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen während des späten Quartärs entstanden sind, selten erhalten.


Michael Seifert, Eberhard Karls Universität Tübingen
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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