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Universität Dortmund, 04.04.00

Psychische Erste Hilfe bei akutem Herzinfarkt

Erst seit einigen Jahren setzt sich bei Ärzten und Sanitätern die Erkenntnis durch, dass bei Notfall-Patienten neben dem Körper auch die Psyche in die Rettungsmaßnahmen einbezogen werden muss. Konkrete, empirisch abgesicherte Leitlinien für den Umgang mit akutem Herzinfarkt lagen daher bislang noch nicht vor. Die Professoren Dr. Bernd Gasch und Dr. Frank Lasogga von der Universität Dortmund haben Ärzte, Rettungssanitäter, Herzinfarkt-Patienten und ihre Angehörigen intensiv befragt. Aus den Ergebnissen skizzierten die Wissenschaftler einen Anforderungskatalog zur Psychischen Ersten Hilfe bei Herzinfarkt-Patienten, der für den Alltag im Rettungsdienst eine große Rolle spielen dürfte.

Gerade bei Herzinfarkt-Patienten ist nach Meinung der beiden Wissenschaftler die Berücksichtigung psycho-somatischer Zusammenhänge besonders wichtig. Etwa 200 000 Mal pro Jahr wird der Notdienst gerufen, weil ein Patient über Herzbeschwerden klagt. Etwa 70 000 Fälle enden tödlich, die Hälfte davon bereits vor der Einlieferung ins Krankenhaus. Psyche und Körper seien in der akuten Situation zwar stark beeinträchtigt, es böten sich aber gleichzeitig gute Chancen, sowohl psychisch als auch medizinisch auf den Gesamtorganismus einzuwirken, ihn schnell und wirksam zu stabilisieren und damit Leben zu retten.


Die Mehrheit der Befragten fühlten sich gut betreut und versorgt von Ärzten und Sanitätern. In Einzelfällen berichteten die Betroffenen aber auch, dass die Helfer arrogant waren, sie angeschrien oder ihnen Informationen vorenthalten hätten, ihre Angehörigen stundenlang haben warten lassen oder sich untereinander uneinig waren. Vor diesem Hintergrund gewinnen die Regeln zur Psychischen Ersten Hilfe bei akutem Herzinfarkt vor allem für die Mitarbeiter des Rettungsdienstes an Bedeutung.

Die Regeln zur Psychischen Ersten Hilfe, die die Professoren Gasch und Lasogga bereits für Unfall-Patienten entwickelt haben, sind heute fester Bestandteil im Ausbildungsprogramm für Notärzte und Sanitäter. Viele dieser Regeln gelten auch bei akutem Herzinfarkt. Dennoch - so fanden die Forscher heraus - stellt die Erste Hilfe bei akutem Herzinfarkt noch ganz andere Anforderungen an den Rettungsdienst. So reagieren Herzinfarkt-Patienten beispielsweise auf Körperkontakt weit weniger positiv als Unfall-Opfer. Bei Unfällen sind zudem selten genaue Diagnosen möglich, beim Herzinfarkt wird eine solche dagegen von den Patienten erwartet und oft sogar als entlastend empfunden.

Die erste Kontaktperson der Herzinfarkt-Patienten ist meistens ein Familienmitglied, am häufigsten der Ehepartner. Erst dann folgen Arbeitskollegen und Bekannte und an dritter Stelle die Ärzte. Die meisten Patienten haben Angst davor, allein zu sein. Generell gelte daher für Laien und professionelle Helfer: Alles vermeiden, was den Patienten aufregen könnte! Sofort den Rettungsdienst verständigen und einen Notarzt anfordern. Den Patienten zu keinem Zeitpunkt allein lassen und mit beruhigenden Worten helfen, Spannungen zu lösen. Diese Wirkung werde verstärkt, wenn der Patient erfährt, dass der Arzt bereits verständigt ist. Notärzte und Sanitäter sollten Kompetenz zeigen, in dem sie die notwendigen Prozeduren zügig und sicher durchführen, ohne dabei "Hektik" zu erzeugen. Weiter empfehlen Gasch und Lasogga, die Angehörigen nicht hinauszuschicken und dem Patienten jeden Behandlungsschritt genau zu erklären.

Diese Regeln, die zunächst plausibel und einfach scheinen, machen nach Einschätzung der beiden Professoren die Kluft zwischen Wissen und Handeln deutlich. Es reiche einfach nicht aus, diese Regeln zu kennen. Zu ihrer erfolgreichen Anwendung müßten sie von den Mitarbeitern eines Rettungsdienstes systematisch antrainiert und eingeübt werden.

Weitere Information:
Prof. Dr. Frank Lasogga, Tel. 0231-755-2834


Ole Lünnemann, Universität Dortmund
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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