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Universität des Saarlandes, 20.01.05

Prof. Christian Scholz zur Wahl des Wortes "Humankapital" zum Unwort 2004

Der Saarbrücker Betriebswirtschaftler Prof. Christian Scholz zur Wahl des Wortes "Humankapital" zum Unwort 2004:

Denunzierung von "Humankapital" als Untat des Jahres 2004?

Als linguistische Haarspalterei könnte man die Wahl von "Humankapital" zum Unwort 2004 in dieser Woche bezeichnen. Der Kabarettist Robert Gernhardt reimte nach dessen Bekanntgabe am 18. Januar in den Tagesthemen: "Ich stehe vor der Qual der Wahl / was meint das Wort Humankapital? / Ist es banal, phänomenal, / global, fatal, irrational, / ist's liberal, ist's epochal (...)?" Ein typisches Beispiel von Ignoranz, das das Dilemma deutlich macht: Anstatt das Wort im Kontext der Unternehmensentwicklung zu betrachten, wird die Trivialgleichung "Human + Kapital = Messung von Persönlichkeit in Euro = moralisch fragwürdig" aufgestellt.

Moralisch fragwürdig ist in diesem Fall allenfalls das Weltbild der Jury. Und ebenso das Verhalten derjenigen, die in den gleichen Tenor fallen, wie etwa Ulrich Wickert in der besagten Nachrichtensendung, der sein eigenes Humankapital zumindest immer dann gut kennt, wenn er auf einer Firmenveranstaltung gegen horrende Gagen als Moderator auftritt. Doch sollte man wenigstens von der ARD ein ausgewogenes Urteil erwarten können - was andere Medien im übrigen gestern geschafft haben.
Als Betriebswirt, der intensiv auf dem Gebiet Humankapital forscht, findet Prof. Dr. Christian Scholz von der Universität des Saarlandes eine auf diese Weise geführte Diskussion des Begriffs unverantwortlich und sogar schädlich für den Standort Deutschland: "Diese Darstellung ist einfach, passt gut in geliebte Denkschemata, nur leider ist an diesen Überlegungen so ziemlich alles falsch, was falsch sein kann."
Sein Institut hat die "Saarbrücker Formel" entwickelt, mit der Humankapital in Unternehmen gemessen werden kann. Unternehmen wird damit die Möglichkeit geboten, ihr Personalmanagement strategisch zu steuern und verantwortungsvoll zu gestalten. In Fachkreisen meint der Begriff "Humankapital" den Wert der Mitarbeiter im positivsten Sinne. Erstens: Er bezieht sich nicht auf Einzelpersonen. Zweitens: Er betrachtet Mitarbeiter als Erfolgsfaktoren des Unternehmens, anstatt sie als bloße Verursacher von Kosten zu sehen, die beliebig wegrationalisiert und eingespart werden können. Drittens: Er bringt als Management-Instrument Chancen für alle Beteiligten und Betroffenen, denen nur wenige Risiken entgegenstehen.
Die Alternative zu einer Messung des Humankapitals kann kaum darin bestehen, dass Unternehmen weiterhin in Hochglanzbroschüren fadenscheinige Bekenntnisse wie "Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt" abdrucken, die sich jeder Kontrolle von außen entziehen. Wenn ständig betont wird, dass die Menschen das Kapital in einer Wissensgesellschaft sind, dann sollte es Unternehmen auch möglich sein, dieses Kapital in Zahlen zu fassen und damit zu argumentieren!
Die Kritiker täten gut daran, sich mit der Materie näher zu befassen, anstatt an oberflächlichen Begrifflichkeiten herumzukratzen und gut gemeinte Ideen schlechtzureden. Der Beitrag der Unwort-Jury um Prof. Schlosser hierzu war leider nur der zynische Versuch einer kontraproduktiven Denunziation eines konstruktiven Weges im Personalmanagement: weg vom rein negativ belegten Begriff der Mitarbeiter als Verursacher von Personalkosten hin zu einem positiv belegten Begriff der Mitarbeiter als Wert des Unternehmens.

Univ.-Prof. Dr. Christian Scholz ist Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Organisation, Personal- und Informationsmanagement, an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken. Er ist außerdem Direktor des Europa-Instituts, eines postgradualen MBA-Studienganges, sowie Autor der Bücher "Personalmanagement" (2000), "Spieler ohne Stammplatzgarantie" (2003) und "Human Capital Management" (2004).

Pressekontakt:
Tanja Bollendorf: tb@orga.uni-sb.de, Tel.: (0681) 302-4719

Weitere Informationen:


Claudia Ehrlich, Universität des Saarlandes
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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