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Universität zu Köln, 23.11.00

Mehr Platz für Big Brother

Nicht zuletzt wegen der in Hürth ansässigen TV-Produktionen, besteht im Erftkreis ein erhöhter Flächenbedarf für Industrie und Gewerbe. Dieser könnte zum einen durch Recycling von brachliegenden Industrieflächen gedeckt werden. Eine weitere Möglichkeit liegt in der wirtschaftspolitischen Zusammenarbeit der Gemeinden und im Austausch von Nutzflächen. Denn manche Orte, wie Wesseling, Hürth und Pulheim, benötigen in größerem Umfang neue Flächen als andere. Bedburg und Frechen dagegen haben praktisch bis 2020 keinen weiteren Bedarf an neuen Flächen. Das sind Ergebnisse und Empfehlungen aus einer Studie von Dr. Martin W. Schmied vom Wirtschafts- und Sozialgeographischen Institut der Universität zu Köln.

190/2000

Mehr Platz für Big Brother
Der Bedarf an Gewerbeflächen im Erft-kreis bis 2020

Nicht zuletzt wegen der in Hürth ansässigen TV-Produktionen, besteht im Erftkreis ein erhöhter Flächenbedarf für Industrie und Gewerbe. Dieser könnte zum einen durch Recycling von brachliegenden Industrieflächen gedeckt werden. Eine weitere Möglichkeit liegt in der wirtschaftspolitischen Zusammenarbeit der Gemeinden und im Austausch von Nutzflächen. Denn manche Orte, wie Wesseling, Hürth und Pulheim, benötigen in größerem Umfang neue Flächen als andere. Bedburg und Frechen dagegen haben praktisch bis 2020 keinen weiteren Bedarf an neuen Flächen. Das sind Ergebnisse und Empfehlungen aus einer Studie von Dr. Martin W. Schmied vom Wirtschafts- und Sozialgeographischen Institut der Universität zu Köln.


Der Standort Hürth ist einer von zehn Gemeinden des Erftkreises, für den Dr. Schmied den Bedarf an Industrie- und Gewerbeflächen von 1994 bis 2020 ermittelte. Hürth ist mit seinen Medienfirmen und Fernsehproduktionen neben Bergheim das bedeutendste Dienstleistungszentrum. In beiden Orten wird auch der Bedarf an Industrie- und Gewerbeflächen in den nächsten Jahren am höchsten sein. Vor allem die stetige Ausdehnung der Medienfirmen im Gebiet von Hürth ist ein Grund für diesen hohen Bedarf an Gewerbeflächen. Im Untersuchungszeitraum steht eine nutzbare Neufläche von 9,4 ha zur Verfügung. Bei der abzusehenden Entwicklung von Industrie und Gewerbe müßte jedoch die Stadt bis zum Jahre 2020, so Dr. Schmied, über mehr als zehnmal soviel (140 ha) Neufläche verfügen.

Fast alle Gemeinden im Erftkreises werden in Zukunft einen erheblichen Flächenbedarf haben. Insgesamt müßten für Industrie und Gewerbe im Erftkreis etwa 230 ha an zusätzlicher Fläche nutzbar gemacht werden. Die vorhandenen nutzbaren Flächen reichen laut Ergebnissen der Studie nur bis 2008 aus. Durch die anfangs beschriebenen Maßnahmen des Recyclings und des Austausches von Gewerbeflächen würde sich der Flächenbedarf bis 2020 auf 150 ha reduzieren. Eine Zusammenarbeit ist für die Gemeinden allerdings steuerpolitisch eher uninteressant. Beide beschriebenen Maßnahmen wären aber ökologisch sinnvoll und würden den Flächenbedarf erheblich reduzieren. Weitere Ansätze sind eine bessere Kommunikation zwischen Arbeitgebern und Verwaltung und schnellere Entscheidungen über Flächennutzungen.

In der Diskussion über die Bestimmung des Flächenbedarfs im Erftkreis spielen auch so wichtige Themen wie "Standort Deutschland", "Globalisierung", "Reformstau" und "Lohnnebenkosten" eine wichtige Rolle. Der Erftkreis ist ein wachstumsstarker Wirtschaftsraum, trotz der allgemein schwierigen Arbeitsmarktsituation. Günstig wirkt sich auch die Nähe zu Köln und den Benelux-Staaten aus. Im Erftkreis ist besser als in vielen anderen Regionen ein rechtzeitiger Strukturwandel gelungen. Von Großindustrien, wie z.B. dem Braunkohletagebau, der laut Dr. Schmied langfristig den Erftkreis verlassen wird, geht die Entwicklung eher hin zu gewerblichen und innovativen Dienstleistungsbetrieben.

In einem Projekt der Wirtschaftsförderung Rhein-Erft GmbH, die auch diese Studie förderte, sollen die Prognosen und Empfehlungen für die wirtschaftliche Zukunft des Erftkreises direkt umgesetzt werden. Bei den Lösungsansätzen versuchte Dr. Schmied konkurrierende Interessen der Flächennutzung aus Ökonomie, Ökologie, Wohnungsbau, Gewerbe, Verkehr und Landwirtschaft zu berücksichtigen.

Verantwortlich: Dr. Wolfgang Mathias

Für Rückfragen steht Ihnen Dr. Martin W. Schmied unter der Telefonnummer 0228/3821134, der Fax-Nummer 0228/3821248 und der Email-Adresse Martin.Schmied@dir.de zur Verfügung.
Unsere Presseinformationen finden sie auch im Internet unter: http://www.uni-koeln.de/organe/presse/pi/index.html
Für die Übersendung eines Belegexemplars sind wir Ihnen dankbar.


Gabriele Rutzen, Universität zu Köln
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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