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Westfaelische Wilhelms-Universität Münster, 04.06.07

Peitschenhiebe statt Roter Karte

Das deutsch-türkische Grabungsteam mit der Inschriftenplatte
Privat

Eine mehr als 1800 Jahre alte Marmorplatte mit Spielregeln des römischen Kaisers Hadrian (117-138 n. Chr.) zur Durchführung von sportlichen Wettbewerben wie den Olympischen Spielen haben Mitarbeiter der Forschungsstelle "Asia Minor" der Universität Münster unter Leitung des Althistorikers Prof. Dr. Elmar Schwertheim in der West-Türkei entdeckt und entschlüsselt.

Die Marmorplatte enthält detaillierte Anweisung an die Städte des Imperiums zum korrekten Ablauf der reichsweiten Spiele, darunter auch der Olympischen Spiele. Bereits im Jahr 2003 war die Inschrift bei Grabungsarbeiten in der antiken Metropole Alexandria Troas in der West-Türkei ans Tageslicht gekommen. Jetzt konnte Prof. Schwertheim, der seit 1993 in der Stadt an den Dardanellen historisch-archäologische Forschungen betreibt, die Publikation des altgriechischen Textes in enger Zusammenarbeit mit dem Kölner Altphilologen Prof. Dr. Georg Petzl in der Reihe 'Asia Minor Studien' veröffentlichen.


Der 90zeilige Inschrifttext besteht aus drei Briefen des Kaisers Hadrian, in denen er sich im Jahr 133/134 n. Chr. an die Vereinigung der reisenden Theaterkünstler wandte. In diesen Schreiben erlässt der römische Imperator Regelungen zur Durchführung der antiken athletischen wie musischen Wettspiele. Sein größtes Anliegen besteht in der regelgerechten Auszahlung der Siegerprämien an die teilnehmenden Wettkämpfer durch die Veranstalter der Spiele. Offensichtlich war es hierbei in der Vergangenheit zu Unregelmäßigkeiten gekommen, indem die ausrichtenden Städte Siegergelder veruntreuten oder eigenen Zwecken zuführten. Gegen diese Praxis erhebt Kaiser Hadrian schärfste Einwände und droht den verantwortlichen Personen mit Sanktionen.

Aber auch die Wettkampfteilnehmer werden in den Erlassen bedacht: Undiszipliniertes Verhalten der Sportler und Musiker wird mit Peitschenschlägen geahndet, wobei jedoch darauf geachtet werden soll, dass die Athleten in ihrer weiteren Sport- und Berufsausübung nicht beeinträchtigt werden dürfen. Darüber hinaus ist es dem Kaiser ein Anliegen, dass die im ganzen Reich stattfindenden Wettkämpfe zu Ehren der Götter in einem festgelegten Turnus von Sportlern und musischen Preiskämpfern besucht werden. Selbst den auf einer solchen Tour versterbenden Teilnehmern gilt die Sorge des Kaisers. Ausgangs- und Endpunkt der Tournee sind die Olympischen Spiele im antiken Olympia, die Hadrian als "altehrwürdig" und "sehr berühmt" bezeichnet.


Die 1,81 Meter mal 0,90 Meter große Inschriftplatte, die in 16 Fragmenten geborgen wurde, zierte ursprünglich die Wand einer großen Säulenhalle des 1.-5. Jahrhunderts n. Chr. im Zentrum der antiken Stadt Alexandria Troas. Wie eine Reihe weiterer Inschriftenfunde der letzten Jahre an derselben Stelle zeigen, waren hier Erlasse und Bekanntmachungen der römischen Verwaltung zur Information der Einwohner angebracht.

Warum diese Briefe gerade in Alexandria Troas öffentlich gemacht wurden, ist noch nicht endgültig geklärt. Die Wissenschaftler der Forschungsstelle Asia Minor in Münster vermuten, dass hier der Sitz der Vereinigung der Theaterkünstler angesiedelt war, was eine Veröffentlichung der kaiserlichen Regelungen sinnvoll erscheinen lässt. Prof. Schwertheim und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hoffen, diese These durch weitere Funde in der in diesem Sommer stattfindenden neuen Grabungskampagne in der heutigen West-Türkei untermauern zu können.

G. Petzl - E. Schwertheim, Hadrian und die dionysischen Künstler. Drei in Alexandria Troas neugefundene Briefe des Kaisers an die Künstler-Vereinigung, Asia Minor Studien 58, Bonn - Dr. Rudolf Habelt Verlag 2006.

Weitere Informationen:


Norbert Frie, Westfaelische Wilhelms-Universität Münster
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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