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Universität zu Köln, 24.10.00

Der Pariser Platz in Berlin

Der weltberühmte Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor in Berlin kann als der Spiegel der Geschichte Berlins bezeichnet werden. Tatsächlich ist der aktuelle Zustand des Platzes - was die Architektur und den Städtebau betrifft - mit der Geschichte Deutschlands verbunden. Während des Kalten Krieges war der Platz für Ost- und Westdeutsche ein Niemandsland, weil das Brandenburger Tor die Grenze zwischen Ost- und Westdeutschland symbolisierte. Nach dem Fall der Mauer ist der Platz das Sinnbild der Wiedervereinigung geworden und bald stellte sich die Frage, wie er aussehen sollte. Viele Experten haben darüber nachgedacht. Die Wiederherstellung des Pariser Platzes ist heute fast abgeschlossen. Zu diesem Ergebnis gelangt Dr. Christine Waiblinger-Jens in einer Untersuchung, die sie an der Abteilung Architekturgeschichte des Kunsthistorischen Instituts der Universität zu Köln angefertigt hat.

170/2000
Brennpunkt der Ost-West-Konfrontation
Der Pariser Platz in Berlin

Der weltberühmte Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor in Berlin kann als der Spiegel der Geschichte Berlins bezeichnet werden. Tatsächlich ist der aktuelle Zustand des Platzes - was die Architektur und den Städtebau betrifft - mit der Geschichte Deutschlands verbunden. Während des Kalten Krieges war der Platz für Ost- und Westdeutsche ein Niemandsland, weil das Brandenburger Tor die Grenze zwischen Ost- und Westdeutschland symbolisierte. Nach dem Fall der Mauer ist der Platz das Sinnbild der Wiedervereinigung geworden und bald stellte sich die Frage, wie er aussehen sollte. Viele Experten haben darüber nachgedacht. Die Wiederherstellung des Pariser Platzes ist heute fast abgeschlossen. Zu diesem Ergebnis gelangt Dr. Christine Waiblinger-Jens in einer Untersuchung, die sie an der Abteilung Architekturgeschichte des Kunsthistorischen Instituts der Universität zu Köln angefertigt hat.


Der Pariser Platz, der das Entree zur Dorotheenstadt mit der Straße Unter den Linden, der Wilhelmstraße und der Dorotheenstraße darstellt, wurde im Jahre 1734 unter Friedrich Wilhelm I. angelegt. Am Anfang wurde der Platz "Quarree" genannt, weil er ein Stadttorplatz war. Die Architektur des Platzes wurde vom Barockstil geprägt. Ende des 18. Jahrhunderts folgte die klassizistische Architektur, die mit der Neugestaltung des Brandenburger Tores begann. Während dieser Periode wurde der Platz Empfangsraum der Stadt Berlin. Unter Kaiser Wilhelm I. erfolgte die Umbenennung in Wilhelminischer Platz . Mit der Reichsgründung im Jahre 1871 bekam er eine stärkere wirtschaftliche und politische Position, weil er das Regierungsviertel, verschiedene Botschaften und auch Banken beheimatete. Immer wieder wurde der Pariser Platz mit dem Brandenburger Tor zum Ort politischer Demonstrationen.

Bis 1938 veränderte der Platz sich kaum; aber mit dem Nationalsozialismus begann seine Zerstörung und schnell verlor er seine Funktion als Empfangsraum Berlins. Am Pariser Platz und am Brandenburger Tor fanden zahlreiche Militärparaden statt. Der Platz war Hitlers Stolz und wurde als symbolischer Ort des dritten Reiches angesehen. Die eigentliche Vernichtung des Platzes kam aber mit den Bombardierungen der Alliierten: wichtige Gebäude wurden schwer beschädigt und mußten wieder aufgebaut werden. Obwohl in den ersten Jahren der Nachkriegszeit Berlin noch geeint war, wurde es mit der Gründung der DDR und der späteren Errichtung der Mauer unmöglich, ein gemeinsames Projekt für den Wiederaufbau des Platzes zu erarbeiten. In West-Berlin entwickelten sich viele kulturellen Projekte, die unter Anderem zum Aufbau der Kunstbibliothek und verschiedene Museen führten. Das Hauptaugenmerk lag aber auf dem Wiederaufbau des Verkehrsnetzes und der Wohnungen. Das Hauptziel in Ost-Berlin war die Gründung einer sozialistischen Hauptstadt, deren Architektur von überdimensionierten Gebäude geprägt wurde. Mit dem Neubau industrieller Gebäude haben beide Seiten Berlins viel von ihrer traditionellen Architektur verloren.

Der Fall der Mauer im Jahre 1989 eröffnete neue Zukunftsperspektiven für die Stadt Berlin. Die Stadt hatte kein Zentrum mehr: das alte Zentrum war die Peripherie Berlins geworden. Es stellte sich die Frage, wie der Pariser Platz aussehen sollte. Um seine einstige Funktion wieder zu erfüllen, mußte er zuerst in seiner früheren geometrischen Form wiederhergestellt werden. Eine Vielzahl von Neubauprojekten erschien und Wettbewerbe wurden organisiert, um Gutachten verschiedener Architekten einzuholen. Schnell hat der abgeräumte Pariser Platz wieder an Konturen gewonnen. Bank- und Geschäftshäuser, Botschaften, das Hotel Adlon und die Akademie der Künste entstanden wieder rings um das Brandenburger Tor. Die unmittelbar rechts und links an das Brandenburger Tor angrenzenden Häuser Liebermann und Sommer wurden auch neugebaut.

Die amerikanische, britische und französische Botschaften kehren heute an ihre alte Adresse zurück. Im Sommer dieses Jahres wurde die Britische Botschaft offiziell eröffnet. Das erste Haus am Pariser Platz, das Hotel Adlon, wurde von den Berliner Architekten Patzschke, Klotz & Partner entworfen. Anläßlich des Neubaus der Akademie der Künste fand 1993 ein großer Wettbewerb statt. Endlich wurde nach langer Debatte der Entwurf der Architekten Günter Behnisch, Manfred Sabatke und Werner Durth ausgewählt. Ihr Projekt wurde "das gläserne Projekt" genannt, weil sie eine Glasfassade für die Akademie entworfen haben. Die Häuser Liebermann und Sommer wurden 1998 nach historischem Vorbild von Josef P. Kleihues neugebaut. Im Gegensatz zu den Architekten des Adlon, die mit einer modernen Architektur einen Strich unter die Vergangenheit gezogen haben, wollte Josef P. Kleihues an die Vergangenheit erinnern. Heute werden beide Häuser von Banken genutzt, die sie mit Kunstausstellungen, Vorträgen und Tagungen beleben. Eine vielfältige Architektur wird heute am Pariser Platz angeboten. Was aber den Platz besonders berühmt macht, ist nicht seine Architektur sondern seine historische und symbolische Bedeutung. Der Pariser Platz ist heute ein kulturell bedeutender europäischer Ort und wie in der Vergangenheit wird er von unzähligen Menschen besichtigt.

Verantwortlich: Dr. Wolfgang Mathias
Für Rückfragen steht Ihnen Professor Günther Binding unter der Telefonnummer 0221/470-4440, der Fax-Nummer 0221/470-6721 und unter der Email-Adresse Guenter.Binding@uni-koeln.de zur Verfügung.
Unsere Presseinformationen finden Sie auch im World Wide Web (http://www.uni-koeln.de/organe/presse/pi/index.html).
Für die Übersendung eines Belegexemplars waren wir Ihnen dankbar.


Gabriele Rutzen, Universität zu Köln
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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