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Institut für Geschichtliche Landeskunde an der..., 26.04.00

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse über die Zeit Gutenbergs

Mainz im Mittelalter Zentrum für Farbproduktion / Bedeutung bislang unterschätzt

Zur Zeit Gutenbergs war Mainz eine überregional bedeutsame Drehscheibe für das Kunstgewerbe. Das hat der Mittelalter-Experte Professor Dr. Michael Matheus herausgefunden. Bisher weitgehend unbeachtete Kaufhausordnungen aus dem 15. Jahrhundert belegen nach Ansicht des Historikers, dass in der Stadt damals im großen Stile Farben hergestellt und in großen Mengen verkauft wurden. In der Vergangenheit hätten Forscher die Rolle von Mainz als Zentrum für die Farbproduktion unterschätzt.

Mit einem umfangreichen Angebot von Grundstoffen für die Produktion von Farben sei die Geburtsstadt Gutenbergs im Spätmittelalter für den regionalen und überregionalen Absatz von großer Bedeutung gewesen, erklärt Historiker Matheus von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Die in den spätmittelalterlichen Quellen nachweisbaren großen Farbstoff-Vorratsmengen seien weit über den Bedarf der Mainzer Malstätten hinaus gegangen.

Umschlagplatz der Farbstoffe war nach Ansicht des Historikers das zu Beginn des 14. Jahrhunderts entstandene Mainzer Kaufhaus auf dem Brand. Im deutschsprachigen Südwesten habe es in der Gutenbergzeit als besonders eindrucksvoller und markanter Bau gegolten. Farben für die bunten Ausschmückungen der Gutenbergbibel von 1452/53 konnten Matheus' Erkenntnissen zufolge dort gekauft werden. Auch könne als gesichert gelten, dass eines der vier erhaltenen Pergament-Exemplare der 42-zeiligen Gutenbergbibel nach der Vorlage eines heute in Göttingen aufbewahrten Musterbuchs ausgemalt wurde - mit teilweise seltenen Farben, die sich auch in den Listen des Mainzer Kaufhauses finden.

Die von Matheus untersuchten Kaufhausordnungen geben einen Überblick über die im Kaufhaus gelagerten Güter. Dem Mittelalter-Experten fiel auf, dass darin neben Lebensmitteln besonders häufig Grundstoffe für die Herstellung von Farben verzeichnet waren. In den meisten Fällen waren diese Stoffe in Zentnerzahlen ausgewiesen. Gummi, Öle, Schwefel, Zinn, Kreide und Weinstein - Produkte, die ebenfalls im Kaufhaus angeboten wurden, sind laut Matheus in der damaligen Zeit zur Mischung von Farben verwendet worden.

Achim Reinhardt
Weitere Informationen:
Univ.-Prof. Dr. Michael Matheus
Tel. (06131) 39-24462
Fax (06131) 39-23984
e-mail: matheus@mail.uni-mainz.de

Literatur:
Matheus, Michael: Das Mainzer Kaufhaus - Lokal für den Großhandel und Depot für die Waren fremder Kaufleute. In: Gutenberg. aventur und kunst. Vom Geheimunternehmen zur ersten Medienrevolution. Katalog zur Ausstellung der Stadt Mainz anlässlich des 600. Geburtstages von Johannes Gutenberg. 14. April - 3. Oktober 2000. Hrsg. von der Stadt Mainz. Mainz 2000, S. 38f.

Weitere Informationen:


Sabine Klapp, Institut für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz e. V.
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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