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Universität Ulm, 24.02.04

Meisterung internalisierter Beziehungskonflikte

Meisterung internalisierter Beziehungskonflikte
Römer-Preis des Deutschen Kollegiums für Psychosomatische Medizin

Den Römer-Preis, die höchste Auszeichnung des Deutschen Kollegiums für Psychosomatische Medizin (DKPM), erhält anläßlich der Jahrestagung des DKPM in Geldern am 6. März 2004 der Psychosomatiker und Psychotherapieforscher PD Dr. med. Reiner W. Dahlbender, Abteilung Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universität Ulm. Der Preis ist mit 2.500 Euro dotiert. Ausgezeichnet wird damit Dahlbenders theoretisch höchst anspruchsvolle und methodisch originelle Untersuchung zur Schwere psychischer Erkrankungen und zur Meisterung internalisierter Beziehungskonflikte.


Dahlbender und Mitarbeiter haben sich das Ziel gesteckt, in den bislang unzureichend erforschten Mikrokosmos klinisch bedeutsamer Zusammenhänge zwischen Symptombelastung und inneren Repräsentanzen interpersoneller Beziehungen, Konflikte, Abwehr- und Meisterungsmechanismen sowie seelischer Struktur grundlagenwissenschaftlich einzudringen. Es gilt die individuelle Psychopathologie mit Hilfe des psychodynamisch grundlegenden Konzepts der Aktualisierung bzw. Übertragung verinnerlichter lebensgeschichtlich bedeutsamer Erfahrungen in zwischenmenschlichen Beziehungen zu erhellen. Die Annahmen komplexer klinischer Zusammenhänge wurden in einer Querschnittsstudie an stationären Psychotherapiepatientinnen schrittweise aus unterschiedlichen Perspektiven mit bewährten quantitativen und qualitativen Untersuchungsmethoden sowie innovativen Datenanalyseverfahren überprüft und validiert.

Das behutsam interpretierte Ergebnis dieser empirischen Studie macht klar, daß sich die Schwere seelischer Störung nicht eindimensional bestimmen läßt. Sie wird vielmehr durch die "Macht der inneren Bilder", durch das komplexe Zusammenspiel mentaler Repräsentationen individuell prägender Lebenserfahrungen mitgestaltet, die dysfunktionale Erlebens- und Handlungsbereitschaften begünstigen können. Den Fähigkeiten zur Konfliktbewältigung kommt dabei neben den Fähigkeiten der Beziehungsgestaltung und der grundlegenden psychisch-strukturellen Charakteristik der Persönlichkeit das stärkste Gewicht zu.

Die klinische Erfahrung zeigt, daß die Macht der inneren Bilder in ihrer Komposition aus Beziehungsmustern, Konflikten, Abwehrformen, Meisterungsvorgängen und seelischer Struktur die psychotherapeutische Einflußnahme und Veränderbarkeit begrenzt. Deshalb plädiert Dahlbender für eine ergänzende funktional-regulativ konzipierte Schwerediagnostik in Theorie und Praxis der Psychodiagnostik wie auch der Psychotherapie, mit anderen Worten dafür, die Defizite und Kompetenzen bei der Ausbalancierung innerseelischer und zwischenmenschlicher Gleichgewichte stärker zu berücksichtigen.


Peter Pietschmann, Universität Ulm
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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