Hilfe: Sie befinden sich auf...

Julius-Maximilians-Universität Würzburg, 21.12.04

Archiv

... einer Artikelseite. Sie zeigt den vollständigen Text einer Nachricht.
Sie können auf die im Artikel enthaltenen Bilder klicken, um eine größere Version des Bildes angezeigt zu bekommen.

Am Fuß der Seite finden Sie drei Boxen mit weiteren Aktionsmöglichkeiten:
Über die linke Box können Sie zum vorhergehenden, bzw. nachfolgenden Artikel in diesem Bereich navigieren.
In der mittleren Box können Sie diesen Artikel bewerten.
In der rechten Box kommen Sie zu einer Druckversion dieses Artikels, Sie können den Link dieses Artikels an einen E-Mail-Empfänger verschicken und Sie können diesen Artikel auf einen Merkzettel legen, um ihn leichter wiederzufinden.

Hilfe: Generell zu dieser Seite

Bei NETZGUT finden Sie Nachrichten aus dem Netz.
Zu der Nachricht Ihres Interesses können Sie auf drei Wegen gelangen:

Im Archiv sind die Nachrichten nach Bereichen getrennt.
Unter Themen finden Sie Nachrichten bereichsübergreifend zu einem bestimmten Thema.
Über die Schlagworte gelangen Sie zu den Artikeln, denen eben jene Schlagworte zugeordnet wurden. Auch diese Einordnung ist bereichsübergreifend.

Übrigens: Der Hilfe-Button gibt Ihnen zu jeder Seite die passenden Informationen.

Julius-Maximilians-Universität Würzburg, 21.12.04

Mangas bedienen die Träume von Mädchen und Managern

Mangas - das sind Comics aus Japan. Ihre Existenz wurde hierzulande anfänglich mit einer Mischung aus Neugier und Spott zur Kenntnis genommen. Doch inzwischen hat sich die Lage geändert: Neben spezialisierten Comic-Läden unterhalten nun auch große Buchhandlungen eigene Manga-Abteilungen. Diese Entwicklung interessiert die Japanologen von der Uni Würzburg besonders brennend, denn in ihrem Forschungsschwerpunkt "Populär- und Medienkultur" befassen sie sich auch intensiv mit Mangas.

Mit modernen japanischen Comics, den Mangas, setzen sich die Japanologen Martina Schön-bein und Stephan Köhn auseinander.
Foto: Andreas Mettenleiter

Von wegen akademischer Elfenbeinturm! Was Martina Schönbein und Stephan Köhn spannend finden, begeistert Millionen von Japanern und eine wachsende Fan-Gemeinde in Europa und Amerika. Die Mangas überschwemmen den Markt täglich in riesigen Auflagen (ein Drittel aller Druckerzeugnisse) und mit immer neuen Serien. Ein Forschungsobjekt also, das sich ständig wandelt und weiterentwickelt.

Für jeden Geschmack und jede Zielgruppe ist etwas dabei: "Leserspezifizierung" heißt das Zauberwort der japanischen Comic-Verlage, deren Kundenspektrum vom romantischen Schulmädchen über den einfachen Arbeiter oder Büroangestellten bis hin zum bildungsbeflissenen Akademiker reicht. Auch hier zieht vor allem das, was den großen Boulevardzeitungen Rekordauflagen sichert: "Sex and Crime" und, je nach Zielgruppe etwas variiert, die Träume vom großen Glück, Reichtum oder sportlichem wie beruflichem Erfolg.


Neben "Aufklärungs-Comics" für Teenies, blutrünstigen Samurai- oder Mafiageschichten und tränenreichen Liebesstorys gibt es inzwischen auch Sport- und Spielemangas, zum Beispiel über Boxen, Baseball oder asiatische Brettspiele. Höhere Ansprüche werden mit Historienschinken und Literaturklassikern befriedigt, die sogar mit einem umfangreichen, wissenschaftlich fundierten Kommentarteil aufwarten.

Mangas sind laut Stephan Köhn ein Spiegel der japanischen Gesellschaft - oder zumindest der Wunschvorstellungen und Ideen, die jeder einzelne bei der Lektüre ausleben kann. Hinter den Heftchen, die etwa soviel kosten wie eine Tageszeitung, steht eine beträchtliche Industrie: Neben den gedruckten Comics gibt es Zeichentrickfilme mit den Serienhelden, Musikvideos, Computerspiele und ein ausgefeiltes Merchandising-Programm mit Fan-Artikeln. Hier geht es um Urheberrechte und viel Geld.

Darum ist auch intensive Marktforschung angesagt: In Fragebögen, die am Ende einer jeden Comic-Zeitschrift eingeheftet sind, kann der Fan postwendend sein Urteil abgeben. "Das Diktat des Lesers geht sogar so weit, dass der Autor das Schicksal seines Helden den Wünschen der Fangemeinde unterwirft", sagt Köhn. Der Würzburger Wissenschaftler hat sich in seiner Habilitationsschrift unter anderem mit dem Thema Manga als Ausdruck der visuellen Kultur "made in Japan" auseinandergesetzt.

Die Comics aus Japan haben auch in Deutschland Fuß gefasst. Eingefleischte Fans können hier mittlerweile Manga-Zeichensets kaufen und ihre selbst produzierten Werke bei so genannten Manga-Conventions vorstellen, tauschen oder verkaufen. Aber, und das interessiert wiederum die Würzburger Kulturwissenschaftler, die Auswahl ist selektiv. Hier wie in Japan werden gezielt die Vorlieben der Leser bedient: Je klischeehafter und exotischer, desto erfolgreicher sind die Mangas in Europa.

Übrigens: Nicht nur hinter unübersehbar japanischen Comic-Helden, sondern auch hinter scheinbar eindeutig westlichen Zeichentrickfilmen stehen "Anime-Künstler" aus Nippon: Die bekannten "Heidi"- und "Biene Maja"-Produktionen sind japanische Exporte. Das für Mangas typische Körperschema mit den charakteristischen großen Augen hat sich also schon vor vielen Jahren unbemerkt in deutsche Kinderzimmer eingeschlichen. Die Globalisierung, glaubt Lehrstuhlinhaberin Martina Schönbein, wird diese Tendenzen weiter verstärken. Weil die blühende Manga-Kultur dicht am Puls der Zeit lebt, erlaube ihre Erforschung auch Rückschlüsse auf gesellschaftliche Entwicklungen in Japan. Zudem schärfe sie den Blick für Klischees und die interkulturelle Wahrnehmung.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Martina Schönbein, T (0931) 888-5518, Fax (0931) 5516, E-Mail:
martina.schoenbein@mail.uni-wuerzburg.de


Robert Emmerich, Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

Weitere Artikel in diesem BereichBewerten Sie diesen ArtikelToolbox
Mars-Vulkane vielleicht noch aktiv 
 Wie erfolgreich ist E-Learning an Schulen?