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Johannes Gutenberg-Universität Mainz, 23.01.03

Mainzer Experten bezweifeln Echtheit der jetzt entdeckten ersten althebräischen Königsinschrift

Nach Ansicht von Wissenschaftlern der Johannes Gutenberg-Universität Mainz reiht sich die Inschrift mit hoher Wahrscheinlichkeit in eine Vielzahl von Fälschungen ein.

Eine Sensation meldete am 13. Januar zunächst die israelische Tageszeitung Ha'aretz und wenig später die internationale Presse: Die erste althebräische Königsinschrift sei entdeckt worden. Sie stamme von König Joasch (9. Jh. v.Chr.) und berichte von Bau- und Renovierungsarbeiten am salomonischen Tempel. Ihre Echtheit sei durch mineralogische Analysen bestätigt. Bedenken gegen die Echtheit dieser Schrift äußern allerdings Wissenschaftler der Johannes Gutenberg-Universität Mainz: Ihrer Ansicht nach reiht sich die Inschrift mit hoher Wahrscheinlichkeit in eine Vielzahl von Fälschungen ein, die seit dem 19. Jahrhundert verfertigt wurden.


Seit dem Bekanntwerden der Inschrift gibt es eine umfangreiche Diskussion zu der Thematik, die größtenteils über das Internet, aber auch in Zeitungsbeiträgen geführt wurde. Diese Diskussion nahmen zwei Mainzer Wissenschaftler zum Anlass, am 22. Januar einen Workshop zu der neu gefundenen Inschrift durchzuführen. Beide sind als Spezialisten auf Feldern ausgewiesen, die von dem Inschriftenfund besonders betroffen sind: Dr. Reinhard Lehmann ist Hebräischlehrer und als Spezialist für die althebräische Epigraphik ausgewiesen. Prof. Dr. Wolfgang Zwickel hat als besondere Forschungsschwerpunkte die Biblische Archäologie und die Geschichte Israels und ist Verfasser eines Standardwerkes zum salomonischen Tempel.

Die beiden Forscher stellten in dem gut besuchten Workshop ihre Bedenken gegen die Echtheit der Inschrift dar. Vor allem führten sie folgende Argumente an:

o Die Buchstabentypen der Inschrift sind für unterschiedliche Zeiten charakteristisch. So finden sich Typen des 11. Jh.s v.Chr., aber auch solche des 7. Jh.s v.Chr.
o Es gibt in der Inschrift Worttrennzeichen, die an mehreren Stellen nicht den sonst in dieser Region üblichen Regeln folgen.
o Die Orthographie der Inschrift ist mindestens einmal, wahrscheinlich aber sogar mehrfach in der Zeit vor dem 6. Jh. v.Chr. unmöglich.
o Syntax und Wortwahl zeigen an zwei Stellen Eigenheiten des späten oder gar modernen Hebräisch.
o Ein architektonischer Fachbegriff wurde falsch wiedergeben und ein Buchstabe in der Inschrift vergessen. Ein anderer architektonischer Fachbegriff wurde offensichtlich falsch verstanden.
o Der Text ist ein Konglomerat aus zwei biblischen Texten (1 Könige 6 und 2 Könige 12), die Tempelbau- und Restaurierungsmaßnahmen aus zwei unter-schiedlichen Jahrhunderten zum Thema haben. Sie sind zudem unter Hinzunahme von Wendungen aus einigen anderen, zum Teil recht späten biblischen Texten falsch und entstellend kombiniert und lassen sich so kaum sinnvoll verstehen.
o Steleninschriften aus der Region standen üblicherweise in einem Sockel. Die Inschrift bietet keine Möglichkeit für eine derartige Aufstellung.
o Vergleichbare Königsinschriften sind durchweg breiter (60-68 cm), während diese Inschrift nur 27 cm breit ist.
o Die Qualität der Ausführung der Schrift entspricht nicht der vergleichbarer Königsinschriften der Region.

"Die Inschrift reiht sich daher mit hoher Wahrscheinlichkeit in eine Vielzahl von Fälschungen ein, die seit dem 19. Jh. verfertigt wurden", so Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Zwickel, "offenbar ist es aber den Fälschern inzwischen gelungen, Alterungsprozesse an Steinen bewerkstelligen zu können, die einen naturwissenschaftlichen Nachweis der Fälschung erschweren oder sogar verhindern. Um so mehr müssen die klassischen Methoden wie Paläographie, Syntax und Grammatik für den Nachweis einer Fälschung herangezogen werden."

Weitere Informationen:

Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Zwickel
Fachbereich Evangelische Theologie
Johannes Gutenberg-Universität
Tel. 39-22685
zwickel@mail.uni-mainz.de

Dr. Reinhard G. Lehmann
Fachbereich Evangelische Theologie
Johannes Gutenberg-Universität
Tel. 39-23284
lehmann@mail.uni-mainz.de


Petra Giegerich, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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