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Fachhochschule Oldenburg / Ostfriesland /..., 28.03.00

Labor für Kartographie untersuchte Holbein Gemälde in Basel

Ww/ Das Labor für Kartographie der Fachhochschule in Oldenburg führte in der Zeit vom 21. Februar bis 3.März 2000 gemäldetechnologische Untersuchungen am Kunstmuseum in Basel durch. 28 Gemälde von Hans Holbein d. J. wurden mit Hilfe einer neuen Technik untersucht, die dem Betrachter erlaubt, quasi einen Blick über die Schulter des Künstlers auf sein, im Entstehen begriffenes Gemälde zu werfen.

Die sogenannte "Infrarot-Reflektographie" wurde vom Labor für Kartographie des Fachbereichs Vermessungswesen in Oldenburg weiterentwickelt.

Bei dem, durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) finanzierten Projekt wurden über vier Gigabyte an Bilddaten in knapp zehn Stunden reiner Scanzeit erfaßt. Die Interpretation der Ergebnisse wird von Dr. Jochen Sander vom Städelschen Kunstmuseums in Frankfurt a.M. im Rahmen eines Habilitationsvorhabens durchgeführt.

Erste Befunde am Gemälde "Das Familienbildnis" zeigen Selbstkorrekturen Hans Holbeins, die nicht nur die Entstehungsgeschichte des Gemäldes, sondern zugleich einen ungeahnt komplexen Prozeß der Bildentstehung dokumentieren. Die gewonnenen Erkenntnisse lassen zahlreiche Rückschlüsse auf die Entstehung des Kunstwerkes zu und stellen eine wichtige Quelle neuer Einsichten innerhalb der Kunstgeschichte dar.

Professor Dr. Manfred Weisensee und seine Mitarbeiter an der Fachhochschule in Oldenburg haben bis jetzt zahlreiche Werke u.a. von Albrecht Altdorfer, Albrecht Dürer und Jan van Eyck untersucht.

Mit der Untersuchung Hans Holbeins Werke am Kunstmuseum in Basel endet die, im Rahmen einer Kooperation mit dem Städelschen Kunstinstitut in Frankfurt a.M. im letzten Jahr begonnene "Holbein-Tournee", bei der Gemälde in Solothurn, Freiburg und Karlsruhe auf Vorzeichnungen bzw. Übermalungen untersucht wurden. Erste Ergebnisse werden Ende dieses Jahres erwartet.

Das neue Verfahren basiert auf einer Studiokamera, die mit einem im infraroten Bereich empfindlichen Scanner in der Bildebene der Kamera ausgestattet ist. Infrarot-Reflektogramme zeichnen dem menschlichen Auge nicht sichtbaren Bereich des elektromagnetischen Spektrums jenseits des roten Lichts auf, sie ermöglicht den Einblick auf die unter der Oberfläche liegenden Schichten und somit auf mögliche Vorzeichnungen und Übermalungen des Künstlers.

Die besonderen Eigenschaften und Vorteile dieses Verfahrens gegenüber der bisherigen Herstellung von Infrarot-Reflektographien sind:

· Geringe Belastung der Gemälde und Objekte durch die Verwendung spezieller Beleuchtungseinrichtungen

· Qualitativ hochwertige Aufnahmen in wenigen Minuten (u.a. durch großformatige Studiokamera, Scanner mit hoher Auflösung)

· Kurze Aufnahme- und Nachbearbeitungszeiten durch großflächigen Sensor

· Flexibilität beim Einsatz des Verfahrens vor Ort

· Mosaikbildung ist nur noch für sehr große Flächen erforderlich. Die typische Kachelung entfällt ebenso wie Klaffungen im Ergebnisbild.


Anke Westwood, Fachhochschule Oldenburg / Ostfriesland / Wilhelmshaven
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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