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Universität Leipzig, 10.09.04

Konservativ = rigide, autoritär und vorurteilsbehaftet?

Eine an der Universität Leipzig durchgeführte Studie ''Politische Orientierung und Persönlichkeit'' liefert Hinweise darauf, dass politisch konservativ ausgerichtete Personen deutlich autoritärer eingestellt sind, vermehrt in Kategorien von Überlegenheit - Unterlegenheit, Höherwertigkeit - Minderwertigkeit denken, ein stärkeres Bedürfnis nach Ordnung und Stabilität haben, aber nicht unbedingt stärker zu Vorurteilen neigen.


Links, Mitte, Rechts - sind politisch Konservative rigider, autoritärer und vorurteilsbereiter? In zwei umfangreichen Befragungen ist Prof. Dr. Gernot von Collani, Sozialpsychologe an der Universität Leipzig, zusammen mit Studierenden den Zusammenhängen zwischen politischer Orientierung (rechts - links; konservativ - nichtkonservativ), ausgewählten Persönlichkeitsmerkmalen, sozialen Überzeugungen und der Vorurteilsbereitschaft in der Bevölkerung nachgegangen.

Es ergaben sich starke Zusammenhänge zwischen konservativer Orientierung der Befragten, Autoritarismus und Sozialer Dominanzorientierung: Je konservativer sich jemand selbst charakterisierte desto ausgeprägter waren seine autoritäre Einstellung und sein Denken in Kategorien von Überlegenheit und Unterlegenheit, Höherwertigkeit und Minderwertigkeit. Nicht ganz so hoch war der Zusammenhang zwischen Konservatismus und persönlichem Strukturbedürfnis sowie Protestantischer Arbeitsethik. Auch wenn sehr deutliche Zusammenhänge zwischen Konservatismus und Vorurteilsneigung auftraten, so ließen sich diese nahezu vollständig auf eine hohe Ausprägung von Autoritarismus und Dominanzorientierung als vermittelnde Größen zurückführen, d.h. stärker konservativ ausgerichtete Personen neigen dann zu sozialen Vorurteilen wenn sie außerdem hoch autoritär und dominanzorientiert eingestellt sind.

Auch bei den Anhängern der einzelnen politischen Parteien gab es hierbei charakteristische Unterschiede: die Sympathisanten von CDU, CSU und rechtsextremen Gruppierungen waren autoritärer eingestellt, gaben sich stärker dominanzorientiert, hatten ein stärkeres Bedürfnis nach Ordnung und Stabilität und eine stärkere Neigung zu Vorurteilen. Bei den Anhängern von B90/Grüne, SPD und z.T. auch PDS waren die Ausprägungen dieser Merkmale dagegen genau gegenläufig.

Keine Belege gab es in unseren Daten dagegen für die Vermutung, dass stärker linksorientierte Personen ebenso autoritär, rigide und vorurteilsbereit wie stärker rechtsorientierte Personen sind.

Interessanterweise spielten die soziodemografischen Merkmale Alter, Geschlecht und Bildungsgrad für die Ausprägung der konservativen Orientierung im Vergleich zu den Persönlichkeitsmerkmalen und den Einstellungen praktisch keine Rolle. Dies könnte z.T. darauf zurückzuführen sein, dass der Anteil der Befragten mit höherer Schulbildung oder einem Hochschulabschluss in unseren Stichproben überproportional hoch war.

Die Studien umfassten insgesamt 618 Teilnehmer, etwa je zur Hälfte Männer und Frauen im Alter zwischen 14 und 80 Jahren (Durchschnitt 33 Jahre). Die Datenerhebung erfolgte über einen Internetfragebogen sowie über eine schriftliche Befragung.


weitere Informationen:
Prof. Dr. Gernot von Collani
Telefon: 0341 97-35964
E-Mail: collani@uni-leipzig.de

Weitere Informationen:


Dr. Bärbel Adams, Universität Leipzig
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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