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Bertelsmann Stiftung, 18.12.02

Kommunen sollten den sozialen Zusammenhalt fördern

Studie der Bertelsmann Stiftung zeigt Zusammenhänge zwischen finanzieller Lage und Integration

Gütersloh, 18. Dezember 2002. Der soziale Kitt in Deutschland bröckelt. Das belegt eine Untersuchung der Bertelsmann Stiftung in neun Städten und Kreisen. Die Studie macht deutlich, dass wirtschaftlich benachteiligte Bevölkerungsgruppen wie Arbeitslose und Ausländer wenig in das Gemeinwesen integriert sind. Mangelnde Einbindung zeigt sich zum Beispiel in der Nachbarschaft: Bei mehr als 50 Prozent der Arbeitslosen gehen die Gespräche mit den Nachbarn nicht über ein paar Worte hinaus. Ein Viertel der Arbeitslosen wünschen sich aber mehr Kontakt in der Nachbarschaft. Insgesamt äußern nur zehn Prozent aller Befragten diesen Wunsch. 38 Prozent der Befragten geben an, mit ihren Nachbarn nur wenig zu reden. "Die Kommunen sollten den sozialen Zusammenhalt fördern", folgert Prof. Marga Pröhl, Mitglied der Geschäftsleitung der Bertelsmann Stiftung.


Die Mitgliedschaft in Vereinen ist ein weiterer Hinweis auf die geringere Integration von Arbeitslosen: Gehören insgesamt die Hälfte aller Befragten einem Verein oder einer sonstigen Organisation an, so trifft das auf nur jeden dritten Arbeitslosen zu. Das tatsächliche Engagement der arbeitslosen Vereinsmitglieder ist allerdings größer: 42 Prozent von ihnen geben an, ein Ehrenamt auszuüben, und weitere 26 Prozent sagen, dass sie auf andere Weise aktiv mitarbeiten. Im Durchschnitt sind nur 34 Prozent der Mitglieder ehrenamtlich tätig, 30 Prozent sind auf andere Weise aktiv.

Auch Ausländer sind seltener Mitglied in Vereinen. Ebenso sind sie weniger in ihre Nachbarschaft eingebunden. 45 Prozent der ausländischen Befragten sagen, es bleibe bei knappen Wortwechseln. Gleichzeitig wünschen sich 30 Prozent der Ausländer mehr Kontakt mit ihren Nachbarn.

In einem Punkt scheint die wirtschaftliche Lage keine Rolle zu spielen: Die Bürger leben gerne in ihren Heimatorten, und dies trifft für Arbeitslose und Ausländer ebenso oft zu wie für den Durchschnitt. Über 80 Prozent sagen, dass sie gerne in ihrer Stadt oder ihrem Kreis wohnen. Etwa genauso viele Befragte interessieren sich sehr für das lokale Geschehen. Allerdings beeinflusst die finanzielle Situation die Wahrnehmung der Probleme vor Ort. Wirtschaftlich benachteiligte, wenig integrierte Bürger schätzen die Lebensqualität in ihrer Stadt oder ihrem Kreis geringer ein als der Durchschnitt. "Auch um die Bindung ihrer Bürger an den Heimatort zu erhalten, sollten die Kommunen sich um den sozialen Zusammenhalt kümmern", sagt Prof. Marga Pröhl, "sonst setzen sie ihre eigenen Grundlagen aufs Spiel."

Die Studie ist Teil des "Kompass"-Projekts der Bertelsmann Stiftung. Das Projekt misst seit drei Jahren die Lebensqualität in den Städten Arnsberg, Celle, Coesfeld, Dortmund, Herford, Vlotho und den Kreisen Soest, Pinneberg und Osnabrück. In diesem bis 2004 laufenden Modellprojekt wird in verschiedenen Politikfeldern versucht, die Lebensqualität in den Kommunen zu verbessern.

Rückfragen an: Gabriele Vollmar, Telefon: 05241/81-81345

Weitere Informationen unter www.kompass-modellkommunen.de


Julia Schormann, Bertelsmann Stiftung
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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