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Universität Koblenz-Landau, 22.05.06

Kinderfreundliche Gestaltung von Krankenhäusern - Ein Beitrag zu Gesundheit und Wohlbefinden

Gerade Kinderkrankenhäuser gelten oft als Räume, die frühzeitig zu trauma¬tischen Erfahrungen wie Stress und Angst bei den "kleinen Patienten" beitragen. Der Verein "Die kleinen Patienten" e.V. (Bonn) wirkte diesen negativen Effekten der üblichen Krankenhausgestaltung im Kinder-Klinikum Oldenburg durch gezielte Verschönerungen aktiv entgegen. Insgesamt hat der Verein Maßnahmen an 23 Einrichtungen in Deutschland durchgeführt.

In einer eigenen Studie untersuchte Dr. Rotraut Walden, Architekturpsychologin an der Universität in Koblenz, wie sich die kinderfreundlichen Gestaltungsmaßnahmen auf das Gefühl von Gesundung und Wohlbefinden der Patientien, auf Arbeitsleistung sowie Empfinden des Personals sowie auf die Kommunikation zwischen Patienten und Personal auswirken. Ausgangspunkt der Untersuchung war die Frage, ob sich die Sicht des Vereins aus der Perspektive von Beurteilern, Personal und Patienten bestätigen lässt und das Kinderkrankenhaus Oldenburg als zukunftsweisend gelten kann?


Im Ergebnis trägt die Kinderklinik in Oldenburg durch die individuelle Gestaltung zur Hoffnung auf ein Gesunden bei, dem Gegenteil von erlernter Hilflosigkeit der Patienten. Die Klinik wurde als "Kinderkrankenhaus der Zukunft" bewertet. Aus den Ergebnissen konnten zudem weitreichende Schlussfolgerungen für den Neu- und Umbau von Krankenhäusern im Allgemeinen gezogen werden - nicht nur von Einrichtungen für Kinder. So wurde ein Schema zur Beurteilung der Qualität von Krankenhäusern anhand der Ergebnisse weiterentwickelt.

Die architektonischen und gestalterischen Maßnahmen, welche der Verein in Oldenburg unternahm, waren vielfältig: Hilfen zur Orientierung, Einlegarbeiten im Fußbodenbelag, Beschilderungen, Poster, Pin-Boards, Spielgeräte, Gestaltung des Raums für Trauernde, Bibliothek und "Bärenklub", Gymnastikraum, Möblierungen, Einblicke und Durchblicke. Insbesondere der Gewinn an Orientierung führt zu Wohlbefinden und im Notfall zu einem Gewinn an Zeit für lebensrettende Ma߬nahmen. Die angstreduzierende und kinderfreundliche Gestaltung führt - neben den positiven Effekten auf die Gesundung - in der öffentlichen Meinung außerdem zu einem Wettbewerbsvorteil gegenüber herkömmlichen Einrichtungen.


59 Patienten (von 104), 65 Mitarbeiter (von 330) und 39 trainierte Studierende der Universität in Koblenz wurden in die architekturpsychologische Studie einbezogen. In einer "User-Needs-Analysis" des Kinderklinikums Oldenburg wurden mittels des "Koblenzer Architektur-Fragebogens" die bestehenden Bedingungen beurteilt. Die 5-stufigen Ratingskalen zu 112 Items für die Patienten und 171 für die Studierenden reichen von "sehr gut" über "mittelmäßig" bis "sehr schlecht" und "keine Antwort möglich". Außerdem wurde gezielt nach der Wichtigkeit der Wirkung des Gesamtgebäudes auf die Beurteilungskriterien gefragt.

Als Methoden dienten die Building Performance Evaluation, der Facettenansatz, deskriptive Maße, t-Tests, Regressions- und Faktorenanalyse. Einbezogen wurden in die Bewertung Standort/Infrastruktur, Fassade/Außenbereich, Eingang, Verkehrsbereich, Warte- und Aufenthaltsräume für Patienten, die Räume der kleinen Patienten, Intensivstation, Ambulanzbereiche, Technik, Sicherheit und weitere spezielle Räume. Spezielle Kriterien für den Erfolg von Krankenhäusern wurden zusätzlich erfasst.

Informationen zur Untersuchung und den Ergebnissen:

Dr. Rotraut Walden,
Architekturpsychologin
Universität Koblenz-Landau
http://www.uni-koblenz.de/~psy/walden/
walden@uni-koblenz.de
Tel. 0261/287-1930
Fax: 02621/18621


Bernd Hegen, Universität Koblenz-Landau
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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