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Julius-Maximilians-Universität Würzburg, 18.12.02

Kinder als Zeugen: Goldtaler bewirken richtige Antworten

Kinder reagieren in Befragungssituationen anders als Erwachsene. Das merken auch Psychologen von der Universität Würzburg immer wieder: Sie untersuchen, ob, ab welchem Alter und unter welchen Bedingungen Kinder in der Lage sind, eine glaubwürdige Zeugenaussage über ein beobachtetes Ereignis zu liefern.

"Wenn Kinder in einer Befragungssituation keine Antwort wissen, dann geben sie eher eine falsche Auskunft als zu sagen, dass sie sich nicht erinnern können." Das haben Dr. Claudia Roebers und Prof. Dr. Wolfgang Schneider herausgefunden. Sie arbeiten an dem Projekt "Augenzeugengedächtnis und Suggestibilität bei Kindern", das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wird.

Die Ausgangssituation: Kinder bekommen ein kurzes Video gezeigt und werden danach über die Handlung des Films befragt. Die dabei geltenden Regeln erläutern die Psychologen ganz genau. "Wir erklären den Kindern, dass sie es uns sagen sollen, falls sie die Antwort nicht wissen. Wir beteuern, dass so etwas überhaupt nicht schlimm sei, denn schließlich könne sich ja niemand alles merken", so Dr. Roebers.


Trotzdem erhalten die Psychologen falsche Antworten, sobald sich die Kinder nicht an die fraglichen Details des Films erinnern können. Falsche Angaben hagelt es auch dann, wenn die Frage eigentlich gar nicht zu beantworten ist, weil sie sich auf eine Szene bezieht, die im Film überhaupt nicht vorkommt. Bei Erwachsenen ist das anders: Sie merken, dass sie die Antwort nicht sicher wissen, und sagen dann "Ich weiß es nicht."

Diese Situation ändert sich aber, wenn die Kinder während der Befragung für jede richtige Antwort einen Goldtaler bekommen. "Dann machen sie weniger falsche Angaben und die 'Weiß-nicht-Antworten' häufen sich", wie Dr. Roebers sagt. Das heißt: Kinder haben bei solchen kognitiven Fähigkeiten also kein generelles Defizit: Sie wissen sehr wohl, ob sie sich an ein Ereignis erinnern können oder nicht, reagieren in einer Befragungssituation nur anders als Erwachsene.

Mit dem Würzburger Forschungsprojekt wurde ein in Deutschland bislang kaum vorhandener Forschungszweig der Entwicklungspsychologie etabliert. Unter anderem soll auch eine Interviewtechnik entwickelt werden, die Kindern hilft, möglichst viel, aber ausschließlich richtige Informationen aus dem Gedächtnis abzurufen.

Es hat sich laut Dr. Roebers nämlich immer wieder herausgestellt, dass die wenigen Angaben, die Kinder spontan über ein Ereignis machen, durchwegs korrekt sind. Fehler treten in der Regel erst dann auf, wenn gezielte Fragen beantwortet werden sollen - und das ist natürlich fast immer dann der Fall, wenn Kinder als Zeugen auftreten. Im Projekt werden deshalb Befragungsmethoden erprobt, die entweder die freien Berichte von Kinder verlängern oder die Wahrscheinlichkeit für falsche Antworten bei konkretem Nachfragen verringern.

Darüber hinaus untersuchen die Würzburger Psychologen die Auswirkungen von Suggestiv-Fragen auf das Gedächtnis und auf spätere Berichte von Kindern. Die bisherigen Ergebnisse bestätigen Befunde aus dem anglo-amerikanischen Sprachraum, denen zufolge vom Kindergartenalter bis zum Ende der Grundschulzeit Kinder immer besser in der Lage sind, eine Ereignis korrekt wiederzugeben, dass sie häufiger irreführenden Suggestiv-Fragen widerstehen und in einem Wiedererkennungstest korrekte Antworten geben.

Weitere Informationen: Dr. Claudia Roebers, T (0931) 31-2626, Fax (0931) 31-2763, E-Mail:
roebers@psychologie.uni-wuerzburg.de


Robert Emmerich, Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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