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Julius-Maximilians-Universität Würzburg, 18.10.04

Katze voll, Gott leer

Vor der Untersuchung im Computertomographen: Ägyptologe Martin Stadler (links) und Radiologe Matthias Beissert haben die Mumie und die Götterfigur in Position gebracht. Foto: Emmerich

Die altägyptische Katzenmumie: Links eine Aufsicht, rechts ein Längsschnitt, der erkennen lässt, dass die Mumie ein komplettes Skelett enthält. Diese Bilder sind im Computertomographen entstanden. Aufnahmen: Institut für Röntgendiagnostik

Donnerstag abend im Zentrum für Operative Medizin der Uni Würzburg. Der Radiologe Matthias Beissert und sein Team bereiten die außergewöhnliche Kundschaft für die Untersuchung vor. Mit dabei: Der Ägyptologe Martin Stadler, der die Patienten eingeliefert hat - eine kunstvoll eingewickelte Katzenmumie und eine altägyptische Götterfigur aus Holz und Gips. Der Wissenschaftler will beide mit dem Computertomographen untersuchen lassen.

Stadler bereitet zurzeit eine Ausstellung vor: "Wege ins Jenseits". Sie zeigt vom 10. Februar bis 29. Mai 2005 im Würzburger Museum am Dom einen Querschnitt durch die ägyptische Sammlung des universitätseigenen Martin-von-Wagner-Museums. Zu den Exponaten gehören auch die Katzenmumie und die Figur des Gottes Ptah-Sokar-Osiris.


Enthält die Mumie tatsächlich den vollständigen Körper einer Katze? Das lässt sich am besten durch die Computertomographie klären, denn dabei bleibt die Mumie unversehrt. Stadler will diese Frage beantwortet haben, weil in altägyptischen Tiermumien bisweilen nur Skelettteile gefunden wurden. Sowohl für ihn als auch für Beissert stellt diese Art von Untersuchung eine Premiere dar.

Nachdem die Mumie den Tomographen durchlaufen hat, dauert es nur wenige Minuten, bis der Computer die Daten zu einem dreidimensionalen Bild zusammengesetzt hat. Das Gerät wurde erst zwei Tage zuvor am Institut für Röntgendiagnostik in Betrieb genommen. Es zeichnet sich durch eine so genannte 64-Zeilen-Detektortechnologie aus und gehört zu den ersten Computertomographen dieses Typs, die jetzt ausgeliefert wurden.

Ergebnis der Untersuchung: Die Mumie birgt in der Tat das komplette Skelett einer Katze. Wie Beissert und seine Kolleginnen auf dem Bildschirm demonstrieren, sind Schädel, Wirbelsäule und andere Knochen hervorragend erkennbar. "Die Gliedmaßen wurden in die Länge gestreckt und an den Körper angelegt", sagt Beissert. Dadurch konnte die Katze in sehr kompakter Form mumifiziert werden. Zertrümmerte Knochen sind auf den ersten Blick nicht erkennbar - das hätte einen Hinweis auf die Todesart geben können.

Wie Stadler erklärt, hat man bei anderen Katzenmumien oft Genickbrüche oder Schädelverletzungen gefunden. Wurden die Tiere getötet, obwohl sie den alten Ägyptern heilig waren? "Die Schriften schweigen sich über dieses Thema aus. Offenbar wollten die Ägypter ihrer Nachwelt hierzu nichts mitteilen", sagt Stadler. Doch die Wissenschaft hegt eine Vermutung: Wenn Tempelkatzen sich allzu stark vermehrt hatten, dünnten die Priester den Bestand aus - sie töteten die Tiere. Nun war aber der gesamte Tempelbereich Gottesbesitz und aus ihm durfte nichts entfernt werden. Darum mumifizierten die Priester die Katzen und bestatteten sie im Tempel. Auf diese Weise taten sie der Pietät Genüge.

Die Katzenmumie aus Würzburg dürfte rund 2600 Jahre alt sein, ihr genauer Herkunftsort in Ägypten ist unbekannt. Sie stammt noch aus der Sammlung Martin von Wagners (1777-1858), die dieser der Uni Würzburg überließ. Die computertomographischen Bilder will Ägyptologe Stadler nun mit Zoologen und Tiermedizinern weiter analysieren. Denn er möchte wissen, wie alt das Skelett ist und auf welche Weise die Katze zu Tode kam.

Dann geht es weiter mit Patient Nummer zwei, der bunt bemalten Götterfigur. Sie wurde im ersten Jahrhundert vor Christi Geburt angefertigt, auch ihre Herkunft ist unbekannt. Der Privatsammler Alexander Kiseleff hat sie dem Wagner-Museum gestiftet. Anders als die Mumie erweist sich die Figur bei der Untersuchung als weniger spektakulär. Sie ist leer.

Stadler hatte gemutmaßt, dass sich darin ein Papyrus oder eine weitere Figur verbergen könnte. Hätte das Röntgenbild einen Papyrus gezeigt, wäre der Ägyptologe in einer Zwickmühle gelandet. "Ich hätte den Papyrus lesen und übersetzen wollen." Doch dazu wäre es nötig gewesen, die schöne Figur zu öffnen - und sie damit zu zerstören. Letzten Endes war Stadler also zufrieden. Katze voll, Gott leer - und beide Patienten konnten in ihrem Karton unbeschädigt ins Martin-von-Wagner-Museum in der Residenz zurücktransportiert werden.


Robert Emmerich, Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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