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Julius-Maximilians-Universität Würzburg, 08.11.05

Wie katholische Pfarrer das Kriegsende erlebten

Ende des Zweiten Weltkrieges, Einmarsch der Amerikaner: "Als die dann hier waren, haben sie uns immer Süßigkeiten und Kaugummis gegeben." Eine schöne Erinnerung, die sich viele Zeitzeugen bewahrt haben. Aber das Bild vom allzeit freundlichen GI ist nur die halbe Wahrheit. "Am Ende des Kriegs wurde auch in Unterfranken noch sehr heftig gekämpft, Widerstand bestraften die Amerikaner vielfach mit der Zerstörung der Orte", so Verena von Wiczlinski von der Uni Würzburg.

Dieses Buch hat die Historikerin Verena von Wiczlinski von der Uni Würzburg herausgegeben.
Foto: POW

Diese Tatsache ist nicht neu, aber sie wurde erneut bei einer Forschungsarbeit deutlich, welche die Historikerin im Auftrag des Würzburger Diözesanarchivs unter Mitwirkung ihrer Kolleginnen Petra Ney und Verena Spinnler durchgeführt hat. Hintergrund: Am 31. Mai 1945, drei Wochen nach Kriegsende, rief der Würzburger Bischof Matthias Ehrenfried alle 479 Seelsorgestellen in seinem Bistum dazu auf, schriftlich über die Ereignisse der letzten Kriegstage und die erste Zeit der Besatzung zu berichten.


141 solcher Niederschriften liegen derzeit im Archiv der Diözese vor, und mit ihnen haben sich die drei Historikerinnen am Lehrstuhl für Neueste Geschichte (Professor Wolfgang Altgeld) befasst. 36 Berichte wurden schließlich ausgewählt und jetzt in dem Buch "Kirche in Trümmern?" herausgegeben, das die Quellen auch in einen größeren historischen Zusammenhang einordnet.

Während zivile und militärische Strukturen damals vor dem Zusammenbruch standen, verfügte die Kirche noch über ein funktionierendes Kommunikationsnetz. "Der Großteil der Berichte entstand zwischen Juni und August 1945. Sie sind darum wertvoll, weil zeitnah verfasste Texte über die letzten Kriegstage nur spärlich vorhanden sind", erklärt Verena von Wiczlinski. Die Darstellungen der Augenzeugen vermitteln zudem einen Eindruck von der gesamten gesellschaftlichen Situation, die am Kriegsende herrschte.

Wie verarbeitete der katholische Klerus Krieg und Untergang, wie dachte er über die Geschehnisse, wie deutete er den Zusammenbruch? Auch hinsichtlich dieser Fragen bieten die teils sehr detaillierten Schilderungen der Geistlichen gute Einblicke. Joseph Balling, Pfarrer der seinerzeit stark umkämpften Gemeinde Rottendorf, gab zu, dass ihn das Niederschreiben des Berichts Überwindung koste, denn: "Es war genug, alles erlebt zu haben." Der Pfarrer von Klingenberg führte das "unbeschreibliche Leid" auf den "Abfall von Gott und von Christus, die Vergottung der Rasse und des Volkes, Lüge, Hass und Leidenschaft" zurück.

Das neue Buch enthält unter anderem thematische Abrisse über die letzten Kriegsereignisse, die Eroberung Unterfrankens durch die Amerikaner, die Einrichtung von Militärregierungen und die Einsetzung der ersten deutschen Verwaltungen. Es informiert auch näher über die Lage der katholischen Kirche in Bayern und Franken am Ende des Kriegs und ihre Neupositionierung in der Zeit danach.

Verena von Wiczlinski (Hrsg.:) "Kirche in Trümmern? Krieg und Zusammenbruch 1945 in der Berichterstattung von Pfarrern des Bistums Würzburg", Echter-Verlag, Würzburg 2005, 325 Seiten, 19,90 Euro, ISBN 3-429-02717-9.

Weitere Informationen: Verena von Wiczlinski, T (0931) 888-5537, Fax (0931) 888-4617, E-Mail: v.wiczlinski@mail.uni-wuerzburg.de


Robert Emmerich, Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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