Hilfe: Sie befinden sich auf...

Kompetenznetz Depression, 01.07.02

Archiv

... einer Artikelseite. Sie zeigt den vollständigen Text einer Nachricht.

Am Fuß der Seite finden Sie drei Boxen mit weiteren Aktionsmöglichkeiten:
Über die linke Box können Sie zum vorhergehenden, bzw. nachfolgenden Artikel in diesem Bereich navigieren.
In der mittleren Box können Sie diesen Artikel bewerten.
In der rechten Box kommen Sie zu einer Druckversion dieses Artikels, Sie können den Link dieses Artikels an einen E-Mail-Empfänger verschicken und Sie können diesen Artikel auf einen Merkzettel legen, um ihn leichter wiederzufinden.

Hilfe: Generell zu dieser Seite

Bei NETZGUT finden Sie Nachrichten aus dem Netz.
Zu der Nachricht Ihres Interesses können Sie auf drei Wegen gelangen:

Im Archiv sind die Nachrichten nach Bereichen getrennt.
Unter Themen finden Sie Nachrichten bereichsübergreifend zu einem bestimmten Thema.
Über die Schlagworte gelangen Sie zu den Artikeln, denen eben jene Schlagworte zugeordnet wurden. Auch diese Einordnung ist bereichsübergreifend.

Übrigens: Der Hilfe-Button gibt Ihnen zu jeder Seite die passenden Informationen.

Kompetenznetz Depression, 01.07.02

Johanniskraut - Psychiater warnen vor Selbsttherapie

München. 4 Millionen Deutsche leiden unter Depressionen. Viele depressive Patienten gehen aber nicht zum Arzt, sondern in den Supermarkt. Von rezeptfreien Johanniskraut-Präparaten erhoffen sie sich eine "sanfte Therapie" ihrer Depression. Doch die Selbst-Behandlung kann Folgen haben, denn Depression ist eine schwere, oft lebensbedrohliche Erkrankung.

"Wer unter Depressionen leidet, benötigt professionelle Hilfe", sagt Prof. Dr. Ulrich Hegerl, Sprecher des Kompetenznetzes Depression. Er warnt vor einer Selbstmedikation mit Johanniskraut. "Die meisten Präparate, die im Supermarkt oder einer Drogerie verkauft werden, enthalten Johanniskraut-Extrakt in zu niedriger Dosierung und bleiben deshalb ohne Wirkung." Nach Schätzung des Kompetenznetzes Depression gehen vier von zehn depressiven Patienten nicht zum Arzt und riskieren, dass sich ihr Gesundheitszustand weiter verschlechtert. Tiefe Hoffnungslosigkeit, die Unfähigkeit, Freude zu empfinden, Schlafstörungen und körperliche Beschwerden gehören zu den Anzeichen einer Depression. "Die Krankheit ist mit einem hohen Suizidrisiko verbunden", sagt Prof. Hegerl von der Psychiatrischen Klinik der Ludwig-Maximilians-Universität München. 15 Prozent aller schwer depressiven Patienten versterben durch Selbsttötung, jeder zweite depressive Patient hat bereits einen Suizidversuch unternommen. "Angesichts des Suizidrisikos kann eine Selbstbehandlung der Depression schwer wiegende Folgen haben", warnt Prof. Hegerl. Angehörige und Freunde sollten den Betroffenen ermutigen, die Hilfe eines Arztes oder Psychotherapeuten in Anspruch zu nehmen, und ihn notfalls zum ersten Termin begleiten.

Johanniskraut wird in Deutschland in mehr als 50 Zubereitungen angeboten und ist das meistverkaufte pflanzliche Antidepressivum. Zugelassen sind Johanniskraut-Präparate hierzulande aber nur für die Behandlung von leichten bis mittelschweren Depressionen. "Eine schwere Depression ist eine Kontraindikation", betont der Psychiater Hegerl, "denn neueste wissenschaftliche Studien zeigen, dass Johanniskraut nur bei leichteren Depressionen wirkt."

Der Mythos von der "sanften Medizin" trifft auf Präparate, die aus der Johanniskraut-Pflanze mit ihren gelben Blüten gewonnen werden, nur bedingt zu. Auch wenn Johanniskraut von Patienten oft besser vertragen wird als andere Medikamente gegen Depressionen, gibt es doch Neben- und Wechselwirkungen. Viele Patientinnen wissen z.B. nicht, dass Johanniskraut-Präparate die Wirkung der "Pille" beeinträchtigen können. "Wir erleben immer wieder, dass Patienten zusätzlich zu einem Antidepressivum ein Johanniskraut-Präparat einnehmen, ohne ihren Arzt zu informieren", sagt Prof. Dr. Ulrich Hegerl. Die Annahme, ein zusätzliches pflanzliches Präparat könne ja nicht schaden, sei falsch. Es gibt Wechselwirkungen zwischen Johanniskraut und Antidepressiva der älteren und neueren Generation, die dem Patienten unter Umständen schaden können. "Betroffene Patienten sollten die Therapie-Möglichkeiten offen mit ihrem Arzt besprechen", so Hegerl.


Kompetenznetz "Depression, Suizidalität"
Psychiatrische Klinik der LMU München Nussbaumstraße 7, 80336 München

Presse
Maike Zander, Tel. 089/51 60 55 53, Fax 089/51 60 55 57, maike.zander@psy.med.uni-muenchen.de

Weitere Informationen:


Dipl.-Journ. Maike Zander, Kompetenznetz Depression
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

Weitere Artikel in diesem BereichBewerten Sie diesen ArtikelToolbox
Neue Ausgabe Diskurs: Sicherheitsrisiko Jugend? 
 Uni Bremen: Virtuelles Netzwerk für Akademikerinnen aus aller Welt