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Universitätsklinikum Heidelberg, 29.10.04

Jedes fünfte Kind ist krank an Körper und Seele

Experten beunruhigt über Anwachsen neuer Kinderkrankheiten

Berlin/Heidelberg - Etwa jedes fünfte Kind in Deutschland leidet unter Entwicklungs- und Verhaltensstörungen. Bereits bei Säuglingen und Kleinkindern sind Eltern-Kind-Bindungs- und Regulationsstörungen (exzessives Schreien, Schlaf- und Fütterprobleme) weit verbreitet. Später kommen Bewegungsmangel und Übergewicht, Sprachentwicklungsstörungen und psychosoziale Auffälligkeiten hinzu. Beunruhigend ist auch die hohe Zahl von Kindern mit chronischen und umweltmitbedingten Erkrankungen wie zum Beispiel Neurodermitis und Allergien.


Besonders betroffen sind Kinder, die in Armut aufwachsen, ein bildungsfernes soziales Umfeld haben und in städtischen Ballungszentren leben, sowie Kinder aus Migrantenfamilien.

Fachleute schlagen Alarm: "Wenn wir nicht gegensteuern, gerät ein beträchtlicher Teil unserer Kinder ins gesundheitliche und soziale Abseits", so Prof. Franz Resch, Kinder- und Jugendpsychiater und Präsident der Deutschen Liga für das Kind. Nicht mehr die klassischen Infektionskrankheiten, sondern neuartige, komplexe Erkrankungen, die gleichermaßen Körper, Seele und soziale Beziehungen beeinträchtigen, gehören Resch zufolge heute zum Alltag des Kinderarztes und Kinder- und Jugendpsychiaters.

Ursachen für diese neuen Kinderkrankheiten sind ein ungünstiges Zusammenspiel von konstitutionellen Faktoren, gesundheitlichem Fehlverhalten, mangelnder Information und belastenden Lebensverhältnissen. "Wir müssen viel mehr als bisher präventiv tätig werden und Eltern und auch die Kinder selbst zur aktiven Mitarbeit gewinnen. Unabdingbar ist auch, die Grenzen zwischen den verschiedenen Fachbereichen aufzuweichen. Ärzte, Psychologen, Lehrer und Erzieherinnen müssen zusammenarbeiten. Eine gute Möglichkeit ist die Einrichtung Runder Tische zur Gesundheitsförderung auf lokaler Ebene", so Prof. Resch.

Auf der Jahrestagung der Deutschen Liga für das Kind in Zusammenarbeit mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Universitätsklinikums Heidelberg am 29./30. Oktober in Heidelberg erörtern Fachleute aus Pädiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychologie und Pädagogik Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten der neuen Erkrankungen. Gefordert wird u.a. die rasche Umsetzung von Präventionsmaßnahmen im Rahmen des von der Bundesregierung angekündigten Nationalen Aktionsplans "Für eine kindergerechte Welt".

Referenten der Tagung unter dem Thema "Die neuen Kinderkrankheiten - Gesundheits-risiken der jungen Generation" sind u.a. Prof. Klaus Hurrelmann, Dr. Martin Schlaud (Robert Koch Institut), Prof. Hans G. Schlack, Prof. Franz Resch und Prof. K.E. von Mühlendahl.
Die Tagung wird mit Grußworten von Ulla Schmidt, Bundesministerin für Gesundheit und Soziale Sicherung, und Beate Weber, Oberbürgermeisterin der Stadt Heidelberg, eröffnet.

Im Rahmen der Tagung wird der Präventionspreis Frühe Kindheit 2004 verliehen.
Preisträger sind das Müttercafé mit Schreiberatungsstelle des Deutschen Kinderschutzbundes (Ortsverband Düsseldorf) und das Projekt "Fit durchs Jahr" der Kindertagesstätte "Kleine Strolche" in Kissenbrück (Niedersachsen).

Rückfragen:
Dr. Jörg Maywald, Tel.: 0178-533 90 65
Deutsche Liga für das Kind, Chausseestr. 17, 10115 Berlin
Tel.: 030-2859 9970, E-Mail post@liga-kind.de, www.liga-kind.de

Diese Pressemitteilung ist auch online verfügbar unter
http://www.med.uni-heidelberg.de/aktuelles/

Weitere Informationen:


Dr. Annette Tuffs, Universitätsklinikum Heidelberg
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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