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Universität Augsburg, 04.04.08

Interkulturelle und geschlechtergerechte Pädagogik für Kinder im Alter von 6 bis 16 Jahren


Die Erziehungswissenschaftlerin und Geschäftsführende Direktorin des Augsburger ZDFL, Prof. Dr. Leonie Herwartz-Emden
Foto: UBA-Fotostelle

Bei dieser Expertise mit dem Titel "Interkulturelle und geschlechtergerechte Pädagogik für Kinder im Alter von 6 bis 16 Jahren" handelt es sich um ein Gutachten, das Herwartz-Emden als renommierte Expertin für interkulturelle Forschung sowie für Migrations- und Geschlechterforschung auf Einladung der Enquetekommission "Chancen für Kinder" des Landtags Nordrhein-Westfalen erstellt hat. Verena Schurt, Wiebke Waburg, Mandy Ruhland, Anja Kersting und Michaela Wölfe waren als Mitarbeiterinnen an dieser Studie beteiligt, für deren Bearbeitung das Augsburger "Zentralinstitut für Didaktische Forschung und Lehre" (ZDFL) mit seinem Forschungsschwerpunkt "Heterogenität und Bildungserfolg" (siehe http://idw-online.de/pages/de/news192438) beste Voraussetzungen bot.


Anforderungen und Steuerungsmöglichkeiten

Vor dem Hintergrund der wachsenden Zahl von Migrantinnen und Migranten in Deutschland, der zunehmenden kulturellen Heterogenität der Gesellschaft und der Ungleichheiten in Geschlechterverhältnissen diskutieren die Autorinnen zum einen, welche Anforderungen interkulturelle und geschlechtergerechte Pädagogik erfüllen muss, um den bestehenden herkunftsbedingten, schicht- und/oder geschlechtsspezifischen Benachteiligungen von Kindern und Heranwachsenden im Bildungswesen der Bundesrepublik möglichst früh und umfassend entgegenzuwirken; zum anderen gehen sie der Frage nach, welche Steuerungs- und Handlungsmöglichkeiten sich von politischer Seite eröffnen. Besondere Aufmerksamkeit widmen sie dabei der Vermittlung von Theorie und Praxis.

Schule und Familie als Sozialisationskontexte

Nach einem einleitenden Beitrag zu Bildungsprozessen und Erziehungsbedürfnissen als Grundlagen pädagogischer Konzepte widmet sich das zweite Kapitel zwei zentralen Kontexten von Entwicklung und Sozialisation, Migration und Bildung: der Familie und der Schule.

Bildungssituation von Migrantenfamilien

Die Darstellung der Familie als Sozialisationskontext erfolgt aus unterschiedlichen Perspektiven: Es wird zum einen ein Überblick über aktuelle Daten zum sozioökonomischen Hintergrund und der Bildungssituation von Migrantenfamilien gegeben, zum zweiten werden unter Rückgriff auf empirische Ergebnisse Strukturen und Merkmale der Migrantenfamilie herausgearbeitet, und drittens beleuchten die Autorinnen anhand der Resultate ihrer eigenen DFG-geförderten SOKKE-Studie (siehe http://idw-online.de/pages/de/news236172) die Situation von Kindern mit Migrationshintergrund am Übergang zur Grundschule.

Der Beitrag der Schule zu Disparitäten

Mit Blick auf den Kontext Schule verfolgen Herwartz-Emden und ihre Mitarbeiterinnen das Ziel, über die derzeitige Datenlage zur schulischen Situation von Schülerinnen und Schülern in Deutschland bzw. in Nordrhein-Westfalen und über entsprechende Forschungsbefunde hinaus die verschiedenen Erklärungsansätze zu Ursachen von Bildungsungleichheit nachzuzeichnen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Fragen, welchen Beitrag die Schule als Institution und die an ihr interagierenden Akteure zu Disparitäten im Bildungssystem leisten und welche Handlungsanforderungen sich daraus für die schulische Praxis und für die Bildungspolitik ergeben.

Grundlagen interkultureller und geschlechtergerechter Pädagogik

Das dritte Kapitel dreht sich um die Grundlagen interkultureller und geschlechtergerechter Pädagogik. Es gibt zunächst einen theoretisch fundierten Überblick über die Kategorien 'Geschlecht' und 'Ethnizität', die als interdependente Kategorien ebenso betrachtet werden wie als fundamentale Kategorien sozialer Ungleichheit in Verbindung mit 'Klasse/Schicht'. Dieser Überblick ist die Grundlage für die nachfolgende Illustration konkreter Ansätze und Konzepte. Die Autorinnen richten hier ihr besonderes Augenmerk auf die Inhalte und Problemfelder der interkulturellen und geschlechtergerechten Pädagogik und formulieren darauf aufbauend Interventionsmöglichkeiten und Anforderungen.

Mindestanforderungen und Handlungsempfehlungen

Das vierte Kapitel formuliert schließlich Mindestanforderungen und Handlungsempfehlungen an die bzw. zur interkulturellen und geschlechtergerechten Pädagogik, die sich sowohl auf die konzeptionelle als auch auf die theoretische, auf die individuelle und auf die schulische Ebene beziehen. Eine Zusammenfassung der Ausführungen zu den Sozialisationskontexten Schule bzw. Familie liefert die Basis für theoretisch abgeleitete und empirisch begründete Handlungsempfehlungen. Unter dem Gesichtspunkt Schule beziehen sich diese Empfehlungen auf eine individuelle und eine interpersonelle Ebene sowie auf die Kontextfaktoren. Unter dem Gesichtspunkt Familie werden zum einen allgemeine Empfehlungen für Familien mit Migrationshintergrund an der Schnittstelle von Elternhaus und Bildungseinrichtung herausgearbeitet; zum anderen werden pädagogische Interventionen postuliert, die darauf abzielen, sowohl die individuelle Erziehungskompetenz als auch die kulturelle und sprachliche Kompetenz von Müttern und Vätern zu stärken.

Die Ergebnisse ihrer von der Enquetekommission "Chancen für Kinder" in Auftrag gegebenen Studie hat Herwartz-Emden Anfang Januar 2008 in einer Sitzung des Düsseldorfer Landtags vorgestellt und mit den Kommissionsmitgliedern diskutiert. Seit März ist das Gutachten unter http://www.landtag.nrw.de/...en/ExpertiseHerwartz-Emden.pdf im Internet verfügbar.
_____________________________________

Kontakt:

Prof. Dr. Leonie Herwartz-Emden
Zentralinstitut für Didaktische Forschung und Lehre (ZDFL)
Universität Augsburg
86135 Augsburg
Telefon 0821/598-5597
leonie.herwartz-emden@phil.uni-augsburg.de
http://www.uni-augsburg.de/institute/ZdFL/


Klaus P. Prem, Universität Augsburg
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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Pädagogik (v. griech.: παιδεια paideia = Erziehung, Bildung bzw. pais = Knabe, Kind + agein = führen) bzw. Erziehungswissenschaft sind Bezeichnungen für die wissenschaftliche Disziplin, die sich mit der Theorie und Praxis von Bildung und Erziehung auseinandersetzt. Die Unterscheidung der beiden Bezeichnungen ist vornehmlich historisch zu sehen. Im klassischen Griechenland hatte der Pädagoge als Knabenführer die Aufgabe, ausgewählte Knaben den Philosophen zur Erziehung zuzuführen. Möglicherweise bedeutet dies auch, dass so die Knaben auf dem Weg zum Philosophen bildbar gemacht, also auf die kommenden Diskussionen und Reflexionen günstigenfalls eingestimmt wurden. Nach heutigem Verständnis kommt der Erziehungswissenschaft die Doppelrolle zu, als Reflexionswissenschaft Bildungs- und Erziehungszusammenhänge zu erforschen, aber auch als Handlungswissenschaft Vorschläge zu machen, wie Bildungs- und Erziehungspraxis gestaltet und verbessert werden kann. Wikipedia


 

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