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Westfaelische Wilhelms-Universität Münster, 09.01.02

Historische Buchbestände erstmals vollständig katalogisiert

Buchwissenschaftler der Universität Münster koordinierten umfangreiche Sammelaktion

Die Suche nach einem Buch kann der Suche nach der Nadel im Heuhaufen gleichen. Um zumindest den Heuhaufen genau lokalisieren zu können, in dem sich Schätze wie jener Katechismus in deutscher Sprache, der in Odessa gedruckt wurde und nun in der Bibliothek von Helsinki ruht, befinden, haben mehr als 1600 Mitarbeiter in den letzten 15 Jahren historische Buchbestände dokumentiert. Gemeinsam haben sie 47 Bände erarbeitet, die das "Handbuch der historischen Buchbestände" bilden. "Das Werk ist eine Bestandsbeschreibung des vom Beginn des Buchdrucks bis zum Ausgang des neunzehnten Jahrhunderts erschienenen deutschen Schrifttums, soweit dieses in allgemein zugänglichen Bibliotheken aufbewahrt wird", erläutert der Buchwissenschaftler und Anglist Prof. Dr. Bernhard Fabian von der Universität Münster, der das Handbuch herausgegeben hat. Darüber hinaus sind auch fremdsprachige Schriften enthalten, soweit sie im deutschsprachigen Raum entstanden sind.


Für die umfangreiche Sammelaktion wurden Außenstellen für verschiedene Regionen Deutschlands, Österreichs und anderer europäischer Länder eingerichtet, von denen Mitarbeiter entsandt wurden, die geeignete Bibliotheken identifizierten. Das Kriterium hierbei war klar: Möglichst große Bestände an Schrifttum, das vor 1900 in deutscher Sprache gedruckt wurde. In Münster war die Zentralredaktion, in der alle Informationen zusammenliefen und für den Druck aufbereitet wurden. Hier wurden auch die Gesamtregister zu den verschiedenen Bänden verfasst.

Jeder Band enthält zunächst einen Überblick der Bibliotheken in den jeweiligen Regionen. Nach Informationen über die Geschichte der Bestände, die unter anderem die Herkunft oder unter welchen Umständen diese zusammengekommen sind, beschreibt, folgt eine Bestandsbeschreibung. Dabei wird zunächst eine chronologische Übersicht geboten, beispielsweise "5000 Bücher aus dem 17. Jahrhundert", und dann werden die Bestandskomplexe systematisch dargestellt. Ebenso werden Sondersammlungen und Kataloge sowie bibliografische Angaben über Quellen und Darstellungen zur Bibliotheksgeschichte und über Veröffentlichungen zu den Beständen zusammengestellt.

Die Beiträge, die einen Überblick über Bücher, Zeitschriften, Zeitungen wie auch Musikdrucke und Karten geben, wurden in der Regel von Bibliothekaren und Wissenschaftlern verfasst, die auf Grund jahrelanger Vertrautheit als die besten Sachkenner galten. Handschriftliches wurde dabei außer Acht gelassen.

Das Gesamtwerk gliedert sich in drei Abteilungen: Das Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland - es verzeichnet rund 1500 Bibliotheken, das Handbuch der historischen Buchbestände in Österreich mit rund 300 Bibliotheken und das Handbuch deutscher historischer Buchbestände in Europa mit 600 Bibliotheken. Für das gesamte Werk, das im Georg-Olms-Verlag in Hildesheim erschienen ist, hat die Volkswagen-Stiftung in den vergangenen Jahren insgesamt 10,6 Millionen Mark zur Verfügung gestellt. Eine CD-Rom, die alle 47 Bände enthalten wird, ist zur Zeit in Arbeit.

Weitere Informationen:


Brigitte Nussbaum, Westfaelische Wilhelms-Universität Münster
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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