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Universität Leipzig, 13.02.04

Herr Professor, warum heiße ich "Mondwurf"

Aus einer E-Mail-Sprechstunde des Leipziger Namenforschers Prof. Dr. Jürgen Udolph

"Der Herr der Namen" war jetzt bei SPIEGEL ONLINE ein Beitrag über den Professor für Onomastik der Universität Leipzig Jürgen Udolph überschrieben. Das Echo darauf und auf die parallel dazu für die Leser eingerichtete E-Mail-Sprechstunde zur Aufklärung von Familiennamen war überwältigend: Über 3500 E-Mails erreichten den Namenforscher binnen weniger Stunden unter der Adresse Namenberatung@uni-leipzig.de. Auf Grund der vielen Anfragen, so Udolph, konnte ich den meisten nicht sofort eine Auskunft über die Wurzeln ihrer Namen geben. Aber natürlich freut sich der einzige Professor dieses Fachs in Deutschland über das steigende Interesse an Namen und den damit verbundenen Fragen: Warum heiße ich so? Wo komme ich her? Warum verstehe ich nicht, was der Name bedeutet? Was lässt sich zum historischen Hintergrund sagen?

Begleiterscheinung dieses breiten Publikumsinteresses ist, dass der wissenschaftliche Namendeuter zum Medienstar avanciert. Der Stammgast vom Berliner Sender "Radio Eins" trat jüngst in der ARD-Nachmittagsshow und beim SAT 1- Frühstücksfernsehen auf; weitere Einladungen liegen vom ZDF-Mittagsmagazin, vom Südwestrundfunk (Nachtprogramm) und vom Bayrischen Rundfunk vor.
Natürlich brachte schon der erste Teil der SPIEGEL ONLINE-Sprechstunde eine Ausbeute an seltenen, "spannenden" und kuriosen Namen, um deren Aufhellung gebeten wurde. Ein gebürtiger Düsseldorfer ("Bin total begeistert, da ich mich schon seit Jahren frage, wie die Familiennamen entstanden sind") warf den Namen "Willemsen" in die Debatte. Von der Universität Bielfeld kam die Bitte, den Namen "Tepaße" mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Aus dem "sonnigen Sydney" wurde die Anfrage zum Namen "Klegin" ins Netz eingespeist. Vancouver meldete sich mit der Frage nach dem Namen "Lülfesmann", der "unseres Wissens einmalig nicht nur in Deutschland, sondern weltweit ist". Hinzugefügt wird, dass die Verwandtschaft annimmt, dass dieser Name etwas mit dem aus dem Niedersächsischen stammenden Namen für Knecht - Luelf - zu tun hat. Eine andere Anfrage lautet schlicht: "Ein Name, über den ich gerne mehr wissen möchte, ist 'Mondwurf'". Ein Psychologie-Professor aus Jena berichtet: "Mein Name 'Trimpop' kommt laut den Nachforschungen meines Großvaters aus dem Sauerland, aber keiner in der Familie hat je herausgefunden, was er bedeutet." Von der Insel Réunion wurde der Name "Turbanisch" ins Spiel gebracht und gleich eine Deutung mit Fragezeichen mitgeschickt: Er soll soviel wie Turbanfabrikant heißen.
Keine Frage, auf den Professor wartet viel Aufklärungsarbeit. Dabei sind sein eigentliches Spezialgebiet Gewässer- und Ortsnamen. So ist gegenwärtig der bereits 5. Band des niedersächsischen Ortsnamenbuches in Arbeit, Ähnliches ist für Sachsen-Anhalt und Thüringen geplant.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Jürgen Udolph
Telefon: 0341 - 97 37460
E-Mail:udolph@rz.uni-leipzig.de


Volker Schulte, Universität Leipzig
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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