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Technische Universität Chemnitz, 03.01.08

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Technische Universität Chemnitz, 03.01.08

Heiß diskutiert: Beiträge in Wikipedia

Der Chemnitzer Medienwissenschaftler Christian Pentzold ist gespannt, was seine Untersuchungen bei der Weiterentwicklung der Online-Enzyklopädie Wikipedia ins Rollen bringen.
Foto: Mario Steinebach

Heiß diskutiert: Beiträge in Wikipedia
Chemnitzer Medienwissenschaftler schaut hinter die Fassade des Online-Lexikons Wikipedia und analysiert, wie Artikel entstehen

"Wikipedia ist ein Projekt zur Erstellung einer Online-Enzyklopädie in mehreren Sprachversionen." So beginnt der Artikel über Wikipedia selbst in eben dieser Online-Enzyklopädie: "Hauptmerkmal ist, dass jedermann Artikel einstellen oder verändern kann. Dabei hat Bestand, was von der Gemeinschaft akzeptiert wird." Was bei diesem Prozess des Einstellens und Veränderns hinter der Fassade abläuft, analysiert Christian Pentzold, Doktorand der Professur Medienkommunikation an der TU Chemnitz, schon seit Längerem. Die Ergebnisse seiner Masterarbeit hat er bereits im Buch "Wikipedia - Diskussionsraum und Informationsspeicher im neuen Netz" veröffentlicht. "Als eine der ersten Buchpublikationen überhaupt beschäftigt sich der Band mit der Online-Enzyklopädie Wikipedia. Wikis zählen zu den erfolgreichsten Entwicklungen in der jüngeren Geschichte des World Wide Web und Wikipedia ist das mit Abstand größte Wiki", so Christian Pentzold, Absolvent des Studienganges Medienkommunikation an der Chemnitzer Universität. Im Januar 2001 gegründet, existiert Wikipedia inzwischen in mehr als 230 Sprachen. Die Entstehung von Wikis - also Internetplattformen, die Nutzer nicht nur lesen, sondern auch in Echtzeit bearbeiten können - verfolgt Pentzold im ersten Teil seines Buches. Außerdem geht er hier auf die Entwicklung von Wikipedia und der zugehörigen Forschung, der so genannten Wikipedistik, ein.


"Vielen Wikipedia-Nutzern wird bei ihrer Informationssuche nicht unmittelbar auffallen, dass hinter den Artikel ein verzweigter Raum besteht, in dem die Autoren ihre divergierenden Standpunkte austauschen und dabei beständig in den Text eingreifen", so Pentzold: "Im Versionsarchiv des Artikels aber wird es durch die sedimentartig sich ablagernden alten Versionen und auf den Diskussionsseiten durch die dort aufgezeichneten Debatten ablesbar." "Dieser Artikel diffamiert Verschwörungstheorien an sich als falsch und geisteskrank. So nicht!" beginnt beispielsweise ein so genannter Edit War zum Wikipedia-Eintrag "Verschwörungstheorie", der im Juli 2005 entstand. Dieser Edit War - eine Debatte auf der Diskussionsseite, die teilweise im Minutentakt abläuft und so einer persönlichen Konfrontation recht nahe kommt - entbrannte rund um die Frage, ob der entstehende Text ausreichend neutral sei. Da der Kritiker nicht mit fortbringenden Argumenten aufwartet, sondern lediglich Text und Autoren beschimpft, wird der Edit War schließlich beendet, indem ein Moderator den Diskussionsteilnehmer ausschließt.

Diese oft kontroversen Wege, die zur Entstehung von Beiträgen in Wikipedia führen, analysiert Christian Pentzold. Dafür zieht er das Diskurskonzept des französischen Philosophen, Psychologen und Soziologen Michel Foucault zu Rate. Dieser hat sich wissenschaftlich damit beschäftigt, wie Wissen entsteht; ihm folgend ist Wissen immer ein Ausdruck von Macht. Wie sehr um diese Macht gekämpft wird, zeigt Pentzold an zwei Beispielen auf: In der deutschen Wikipedia hat er sich mit dem Artikel "Verschwörungstheorie" befasst, in der englischen Version analysierte er den Eintrag "7 July 2005 London bombings". "Ich möchte mit dieser Studie einen möglichen Weg zur Analyse der kollaborativen Editierprozesse, die sich im Hintergrund der Wikipedia-Artikel abspielen, ausarbeiten. Vordringliches Interesse soll sein, eine theoretisch-methodische Perspektive zu entwickeln, um sich der Wikipedia in ihrer doppelten Existenz als Informationsspeicher und Diskussionsraum im neuen Netz nähern zu können", so Pentzold.

Insgesamt stehen vor allem fünf Fragen im Mittelpunkt des Buches: Wie lässt sich die Vielzahl an Dokumenten, aus denen die Wikipedia besteht, angemessen ordnen und beschreiben? Wie lassen sich Aspekte des Diskurskonzepts von Michel Foucault auf die Situation Wikipedia modellieren? Wie entsteht prototypisch ein Wikipedia-Artikel? Wie und worüber kommunizieren die Autoren während ihrer Redigier-Aktivitäten? Wie kommt es, dass sich eine Position etabliert, während andere verschwinden, wo doch alle Autoren die gleichen Rechte besitzen?

Bibliographische Angaben: Christian Pentzold: Wikipedia - Diskussionsraum und Informationsspeicher im neuen Netz, 2007. Reinhard Fischer Verlag, 294 Seiten, ISBN 978-3-88927-434-2, Euro 20

Weitere Informationen erteilt Christian Pentzold, Doktorand der Professur Medienkommunikation, E-Mail christian.pentzold@phil.tu-chemnitz.de.

Weitere Informationen:


Dipl.-Ing. Mario Steinebach, Technische Universität Chemnitz
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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Wikipedia [ˌvɪkiˈpeːdia] ist ein Projekt zur Erstellung einer Online-Enzyklopädie in mehreren Sprachversionen. Der Begriff Wikipedia ist ein Kofferwort und setzt sich aus „Wiki“ (Hawaiisch für „schnell“) und „Encyclopedia“ (Englisch für Enzyklopädie) zusammen. Hauptmerkmal ist, dass jedermann unmittelbar Artikel einstellen oder verändern kann. Dabei hat Bestand, was von der Gemeinschaft akzeptiert wird. Bisher haben international etwa 285.000 angemeldete und eine unbekannte Anzahl von nicht angemeldeten Benutzern Artikel zum interaktiven Projekt beigetragen. Mehr als 7.000 Autoren arbeiten regelmäßig an der deutschsprachigen Ausgabe mit.[1] Wikipedia


 

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