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Ruhr-Universität Bochum, 11.05.04

Griechischer Komfort auf Sizilien: RUB-Archäologen erforschen die Siedlung Gela

Die sizilianischen Griechen lebten offenbar bequemer als die mutterländischen: In ihrer Koloniestadt Gela und im Umland hatten sie viel Platz, ohne mit den Einheimischen in Konflikt zu geraten. Zu diesem Zwischenergebnis kommen Archäologen der RUB um Prof. Dr. Johannes Bergemann. Seit 2002 erforschen sie das antike Territorium mit der so genannten Survey-Methode, um die Siedlungsstruktur anhand von Funden an der Oberfläche zu rekonstruieren. Die Fritz Thyssen-Stiftung hat die Förderung des Projekts nun verlängert, bis 2006 werden die Bochumer Archäologen ihre Beobachtungen auf Sizilien fortsetzen.

Säulentrommel: Fragment eines griechischen Sakralbaus auf Sizilien

Fundstücke: Fragmente einer griechischen Trinkschale aus dem 6. Jahrhundert vor Christus

Bochum, 11.05.2004
Nr. 154

Griechischer Komfort auf Sizilien
RUB-Archäologen untersuchen die Siedlung Gela
Erforschung der Siedlungsstruktur wird bis 2006 gefördert

Die sizilianischen Griechen lebten offenbar bequemer als die mutterländischen: In ihrer Koloniestadt Gela und im Umland hatten sie viel Platz, ohne mit den Einheimischen in Konflikt zu geraten. Zu diesem Zwischenergebnis kommen Archäologen der RUB um Prof. Dr. Johannes Bergemann. Seit 2002 erforschen sie das antike Territorium mit der so genannten Survey-Methode, um die Siedlungsstruktur anhand von Funden an der Oberfläche zu rekonstruieren. Die Fritz Thyssen-Stiftung hat die Förderung des Projekts nun verlängert, bis 2006 werden die Bochumer Archäologen ihre Beobachtungen auf Sizilien fortsetzen.


Fundstellen in der Umgebung

Auch die jüngste Expedition von Studierenden und Dozenten auf die italienische Insel im März 2004 ergab wieder zahlreiche Einblicke in das dortige Leben der Griechen. Die Funde reichen zurück bis ins 7. Jahrhundert vor Christus, in die Gründungszeit der Stadt Gela. Die Archäologen beschränken sich jedoch nicht auf die Siedlung, sie durchstreifen systematisch die Umgebung nach Fundstellen - und entdeckten nun eine antike Säulentrommel, die offenbar von einem Sakralbau in einem "Grenzheiligtum" stammt. Es liegt am Übergang zwischen dem Territorium der griechischen Stadt und den einheimischen Siedlungsgebieten im Landesinnern und ist der Fundplatz, der bisher am weitesten von der Stadt Gela entfernt liegt.

Koexistenz statt Konfrontation

Ziel der weiteren Forschung bis zum Jahr 2006 ist herauszufinden, wie die Griechen sich so weit ausbreiten konnten: "Es ist mehr als überraschend, dass es hier offenbar nicht zur Konfrontation, sondern zur Koexistenz mit den Einheimischen gekommen ist", sagt Prof. Bergemann. Im August 2004 werden erneut 18 Studierende und Dozenten des Instituts für Archäologische Wissenschaften der RUB nach Sizilien aufbrechen, um dieser Frage weiter nachzugehen.

Nur die besten Stellen besiedelt

Bereits jetzt können die Bochumer Forscher sagen, dass das Territorium von Gela anders besiedelt war als das von Metapont, der bisher am besten erforschten griechischen Stadt auf dem süditalienischen Festland. In Gela blieb die Küstenebene wahrscheinlich unbesiedelt. Die Griechen gründeten Gehöfte auf den Höhen des hügeligen und zugleich wasserreichen Hinterlandes: Das beweisen Funde zahlreicher Dachziegel, Webgewichte, Fragmente von Getreidemühlen, Fein- und Grobkeramik. Den Siedlern stand sehr viel Land zur Verfügung, und so nutzten sie nur die besten und angenehmsten Stellen, während etwa steilere Hänge unbesiedelt und unbewirtschaftet blieben.

Der Oberflächen-Survey

Die Methode des Oberflächen-Survey hat sich bereits mit großem Erfolg in Griechenland und anderen Gebieten des Mittelmeerraums bewährt. Die Bochumer Archäologen wenden sie erstmals auch auf Sizilien an und untersuchen damit das knapp 200 Quadratkilometer große Gebiet rund um Gela. Ziel der Methode ist, Siedlungsstrukturen und -funktionen anhand von Funden an der Oberfläche zu rekonstruieren. Die Methode verzichtet auf die Technik der Ausgrabung. Mit dem Survey sind Archäologen vielmehr in der Lage, eine große Fläche auf historische Siedlungsspuren zu untersuchen. Damit können sie sich ein umfassendes Bild von der Siedlungsgeschichte einer ganzen Landschaft machen.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Johannes Bergemann, Institut für Archäologische Wissenschaften, Fakultät für Geschichtswissenschaft der RUB, GA 2/58, Tel. 0234/32-23893, E-Mail: johannes.bergemann@rub.de, Internet:
http://www.rub.de/...chung-Gela/Forschung-Gela1.htm

Weitere Informationen:


Dr. Josef König, Ruhr-Universität Bochum
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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