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Universität zu Köln, 21.11.00

Gratiszeitungen weniger bedrohlich

Die drei kostenlosen Tageszeitungen, die seit einem knappen Jahr in Köln auf dem Markt sind, werden von ihren Lesern hauptsächlich als Zweitzeitungen und als zusätzliche Informationsquelle zur Überbrückung von Fahrt- und Wartezeiten auf dem Weg zur Arbeit genutzt. Die etablierten Kaufzeitungen, insbesondere die Boulevardzeitungen, werden vermutlich lediglich mit einem Rückgang von ca. vier Prozent der Käufer zu rechnen haben. Dies ist das Ergebnis einer Untersuchung, die Studierende im Rahmen einer Forschungsübung unter der Leitung von Franz Bauske vom Zentralarchiv für Empirische Sozialforschung an der Universität zu Köln durchgeführt haben.

186/2000
Gratiszeitungen weniger bedrohlich
Untersuchung zum Kölner "Zeitungskrieg"

Die drei kostenlosen Tageszeitungen, die seit einem knappen Jahr in Köln auf dem Markt sind, werden von ihren Lesern hauptsächlich als Zweitzeitungen und als zusätzliche Informationsquelle zur Überbrückung von Fahrt- und Wartezeiten auf dem Weg zur Arbeit genutzt. Die etablierten Kaufzeitungen, insbesondere die Boulevardzeitungen, werden vermutlich lediglich mit einem Rückgang von ca. vier Prozent der Käufer zu rechnen haben. Dies ist das Ergebnis einer Untersuchung, die Studierende im Rahmen einer Forschungsübung unter der Leitung von Franz Bauske vom Zentralarchiv für Empirische Sozialforschung an der Universität zu Köln durchgeführt haben.

Etwa zehn Prozent der Befragten fühlen sich durch die Gratiszeitungen ausreichend informiert. Ein Drittel der Befragten ist überzeugt, von ihnen auf die aktuellen Geschehen hingewiesen zu werden, weitere 50 Prozent sind zumindest teilweise dieser Meinung. Die Leser nutzen vor allem den Veranstaltungskalender, den Wetterbericht, den Sportteil und das Horoskop. Lokales findet Interesse. Für politische Informationen und das Geschehen in der Welt ziehen die meisten Kölner jedoch die Berichterstattung der etablierten Tageszeitungen vor. Dies sehen die Wissenschaftler als Indikator dafür, dass sich das Leseverhalten in Bezug auf die angestammten Zeitungen wenig verändern dürfte.
Der "Zeitungskrieg" war im Dezember 1999 in Köln ausgebrochen, als der norwegische Verlag Schibsted "20MinutenKöln" auf den Markt brachte. Besonders "Express" und "Bild" fürchteten um ihre Leser und reagierten umgehend. Der Springer-Verlag ("Bild") produzierte innerhalb von wenigen Tagen ebenfalls eine kostenlose Zeitung, die "Köln extra", während DuMontSchauberg den "Express" zunächst kostenlos verteilte. Schließ-lich gab auch DuMontSchauberg eine eigene Gratiszeitung heraus, den "Kölner Morgen". Beide Verlage klagten zudem gegen Schibsted. Ihrer Meinung nach verstoßen kostenlose Zeitungen gegen das Grundgesetz und verhindern mit ihrer Abhängigkeit von Geldgebern in der Werbung das Recht auf freie Meinungsäußerung.
Eines hat der Wirbel den Gratiszeitungen auf jeden Fall gebracht: Bekanntheit. Lediglich knapp zwei Prozent der befragten Personen kannten die neuen Zeitungen nicht. 59 Prozent der Befragten empfinden die Gratiszeitungen als Bereicherung der Kölner Zeitungslandschaft, der Rest ist nicht dieser Meinung.
Kostenlose Tageszeitungen, die es in anderen europäischen Städten schon seit längerem gibt, finanzieren sich rein über Werbung und werden im Bereich des Öffentlichen Personennahverkehrs angeboten. Dahinter steht die Idee, dass Menschen ihre Wegezeiten für das Lesen von Zeitungen nutzen könnten. Der Name der ersten Kölner Gratiszeitung, "20MinutenKöln", ist daher programmatisch: Das ist etwa die Zeit, die man auf dem Weg zur Arbeit zur Verfügung hat. Köln wurde vom Schibsted-Verlag als Testmarkt für Deutschland ausgewählt, weil es hier ein funktionierendes Nahverkehrsnetz gibt und die Kölner Verkehrsbetriebe bereit waren, einen Vertrag mit dem Verlag abzuschließen.

Verantwortlich: Antje Schütt M.A.
Für Rückfragen steht Ihnen Franz Bauske unter der Telefonnummer 0221-47 69 450 und der Email-Adresse bauske@za.uni-koeln.de zur Verfügung.
Unsere Presseinformationen finden Sie auch im World Wide Web
(http://www.uni-koeln.de/organe/presse/pi/index.html).
Für die Übersendung eines Belegexemplars wären wir Ihnen dankbar.


Gabriele Rutzen, Universität zu Köln
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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