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Friedrich-Schiller-Universität Jena, 03.04.03

Goldbruchstücke als frühe syrische Zahlungsmittel gefunden

Orientalist der Universität Jena gesund von erfolgreicher Grabung in Syrien zurück

PD Dr. Stefan Heidemann von der Universität Jena beim Studium alter Orient-Fotos aus der Sammlung Stübel, die im Jenaer Institut katalogisiert wird. (Foto: FSU/Günther)

Jena (03.04.03) In Syrien am Vorabend der Kreuzzüge waren winzige Fragmente importierter Goldmünzen aus Ägypten und Byzanz die Hauptzahlungsmittel im Alltag. Soweit die Theorie, die bislang nur aus historischen Texten gestützt wurde. Eine wesentliche Bestätigung dieser Währungssituation förderte vor kurzem die Grabung in der Zitadelle von Damaskus unter Beteiligung Jenaer Wissenschaftler zutage.

"Aus der zeitgenössischen Geschichtsschreibung waren vielfach Klagen über den Umlauf von Bruchstücken bekannt", weiß PD Dr. Stefan Heidemann von der Universität Jena. Da es einen Mangel an Münzgeld und besonders an Kleingeld gab, wurden die wenigen vorhandenen ganzen Goldmünzen zerbrochen. Das verstieß gegen das Wucherverbot des Korans, denn um das täglich benötigte Kleingeld zu erhalten, nahm man den realen Wertverlust durch das Zerteilen in Kauf. Dass zwei gleiche Mengen Gold aber unterschiedliche Werte haben, verbietet der Koran. "Doch bis vor kurzem war all dies nur durch Texte belegt, noch fehlte für die Bruchstücke der archäologische Nachweis", unterstreicht der Oberassistent am Lehrstuhl für Semitische Philologie und Islamwissenschaft. Eine syrisch-französische Grabung unter der Leitung von Edmond el-Ajji, Generaldirektion der Altertümer und Museen Syriens, und Sophie Berthier, Institut Français du Proche Orient (IFPO), erbrachte nun den Beweis. Zwei Fragmente einer ägyptischen (0,19 g) und einer byzantinischen Münze (1,14 g), die etwa die Größe eines halben Cents haben, wurden entdeckt und bestätigen erstmals die Aussagen der mittelalterlichen Texte.

Für Stefan Heidemann, der als Historiker und Numismatiker vom 14. bis 21. März an der Grabung teilnahm, sind die Funde das "missing link" für seine Wirtschaftstheorie über die Städte während dieser Zeit. "Die Klärung des historischen Geldumlaufs ist entscheidend für die Beurteilung des wirtschaftlichen Wiederaufstieges der Städte im 11. Jahrhundert nach einer Zeit der beduinischen Vorherrschaft und einem Niedergang der Städte kurz vor Beginn der Kreuzzüge. Bislang waren solche Gold-Fragmente unbekannt, zum einen weil es zu wenig mittelalterliche islamische Archäologie in der Region gibt und zum anderen weil Münzkabinette keine Bruchmünzen sammeln", sagt der Experte, der an der Jenaer Universität u. a. das Orientalische Münzkabinett betreut und derzeit den Lehrstuhl für Arabische Geschichte und Kultur an der Universität Leipzig vertritt.

Während der Grabung in Damaskus erlebte Heidemann auch den Beginn des Irak-Krieges. "Das Leben verlief in den normalen täglichen Bahnen ruhig weiter. Die syrischen Medien berichteten differenziert und die Menschen wussten zwischen den Regierungen und den mit ihnen zusammenlebenden Ausländern zu unterscheiden", fasst er seine Eindrücke vom friedlichen Alltag in Syrien zu Kriegszeiten zusammen.

Kontakt:
PD Dr. Stefan Heidemann
Institut für Sprachen und Kulturen des Vorderen Orients der Universität Jena
Löbdergraben 24a, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 944864
Fax: 03641 / 944850
E-Mail: x7hest@uni-jena.de
(Falls telefonisch nicht erreichbar, bitte E-Mail senden)


Axel Burchardt, Friedrich-Schiller-Universität Jena
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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