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Universität des Saarlandes, 28.04.06

Gezielte Sprachförderung als Schlüssel zur Zukunft

Die Vorgänge an der Berliner Rütlischule haben die Diskussion zu Themen wie "Integration ausländischer Mitbürger/innen" und "deutsche Sprachkenntnisse" wieder einmal in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerückt. Bei dieser teilweise sehr emotional und oft einseitig geführten Debatte werden häufig jene Initiativen aus der Zivilgesellschaft vergessen, die mit großem Erfolg die sprachliche und fachliche Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund betreiben und somit unmittelbar zu ihrer Integration beitragen.


Im Saarland erhalten derzeit Schüler der Sekundarstufe I an 7 Projektschulen in Neunkirchen, Saarbrücken, Sulzbach und Völklingen nach dem inzwischen bundesweit etablierten Modell der Stiftung Mercator einen kostenlosen außerschulischen Förderunterricht. Ab Mai 2006 kommen weitere 6 Schulen in Bexbach, Gersheim, Homburg, Saarbrücken und Völklingen dazu. Das Ministerium für Bildung, Kultur und Wissenschaft unterstützt in Kooperation mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung das Projekt bei der Auswahl der Schulen.

Staatssekretärin Dr. Susanne Reichrath erklärte bei der öffentlichen Präsentation des Projektes im Saarland heute (28. April) in der Erweiterten Realschule Saarbrücken Ludwigspark: "Die sprachliche Förderung und soziale Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund ist uns ein besonderes Anliegen. Das Förderprogramm der Mercator-Stiftung eröffnet Jugendlichen aus zugewanderten Familien neue Chancen in Schule, Beruf und Gesellschaft. Gleichzeitig ermöglicht es, Studierende frühzeitig auf neue Formen des Unterrichts vorzubereiten und an wichtige Berufsfelder heranzuführen".

Rund 30 so genannte Förderlehrer, Studierende im Aufbaustudiengang "Deutsch als Fremdsprache" sowie Studierende des Lehramts "Fremdsprachen" unterrichten in Kleingruppen jeweils zwischen drei und sieben Jugendliche. Die Besonderheit des Standortes Saarland ergibt sich aus der zweiphasigen Ausbildung im Bereich "DiDaZ" (Didaktik "Deutsch als Zweitsprache"): Zusätzlich zum Sprachunterricht liegt ein weiterer Schwerpunkt in der Vermittlung speziell auch der sozialen Kompetenz bei der Integrationsarbeit.

Begleitet wird das Projekt von den Mitarbeiterinnen des Lehrstuhls Deutsch als Fremdsprache an der Universität des Saarlandes (Prof. Dr. Lutz Götze), die die Förderlehrer/innen ausbilden. Durch die Mitwirkung an diesem schulpolitisch äußerst wichtigen Projekt setzt der Lehrstuhl Deutsch als Fremdsprache sein Engagement im Bereich Integration fort, das er bereits erfolgreich durch die Gestaltung von Fortbildungsmaßnahmen für Lehrende in Integrationskursen im Rahmen des neuen Zuwanderungsgesetzes initiiert hatte. Hier spiegelt sich abermals die Praxisorientierung des Faches Deutsch als Fremdsprache wider.

Parallel zur fachlich-didaktischen Schulung in einem speziellen Praxisseminar als Teil des Studiums Deutsch als Fremdsprache (Leitung: Dr. paed./RUS Elena Tregubova) bereiten die Mitarbeiter des Diakonischen Werk an der Saar (Ansprechpartner: Martin Horzella) die Studierenden auch auf ihre Arbeit als "Integrationshelfer" vor. Außerdem fungiert das Diakonische Werk an der Saar als Verbindungsglied zwischen Universität und den Einsatzschulen, da es bereits auf wertvolle Erfahrungen aus der Integrationsarbeit vor Ort aufbauen kann.

Im Saarland geht es, wie bei dem bundesweiten Projekt "Förderunterricht für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund", vor allem darum, die sprachlichen und fachlichen Leistungen der Schülerinnen und Schüler gezielt zu steigern und ihnen somit bessere Schulnoten und einen qualifizierten Schulabschluss zu ermöglichen. Die Beherrschung der Sprache ist ein wichtiger Schlüssel zur Bildung und damit zur beruflichen Zukunftsplanung. Gleichzeitig lernen die Studierenden - teilweise mit eigenem Migrationshintergrund - in einem gegenseitigen Lernprozess die Schulrealität und Anforderungen an Lehrkräfte im Migrationskontext kennen. Dr. Susanne Reichrath: "Im Rahmen des Landesprogramms der Integration von Zuwanderern setzt das Saarland mit dem Programm 'Förderunterricht' ein weiteres Zeichen für mehr Integration und Chancengleichheit. Denn Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund einen guten Weg in Bildung und Ausbildung zu ermöglichen, heißt, sie frühzeitig, individuell und intensiv zu fördern und zu fordern."

Das bundesweite Mercator-Modellprojekt, das die Essener Stiftung vor Ort jeweils in enger Zusammenarbeit mit regionalen bzw. überregionalen Partnerorganisationen realisiert, bietet derzeit an 34 Standorten in 14 Bundesländern einen kostenlosen Förderunterricht für insgesamt rund 5200 ausländische Kinder und Jugendliche. An jedem Standort übernimmt die Stiftung Mercator für einen Zeitraum von drei Jahren die Honorare für die insgesamt rund 900 Förderlehrer, die gleichzeitig bei ihrer Tätigkeit wichtige Praxiserfahrungen für ihren künftigen Lehrerberuf sammeln.

Ziel der Stiftungsinitiative, die auf 35 Standorte ausgeweitet werden soll, ist es, Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund durch gezielten Sprach- und Fachunterricht entsprechende gleichwertige Chancen für Ausbildung, Beruf oder Studium zu eröffnen. Diese Ergänzung zum normalen Schulunterricht ist gleichzeitig ein wichtiger Beitrag zur Integration und eine Hilfe zur Alltagsbewältigung.

Die Stiftung Mercator fördert bundesweit ausschließlich Honorare der Förderlehrer. Die Aus- und Fortbildung der Studierenden, Unterrichtsmaterial, Exkursionen etc. sollen - wie beim Vorbild Essen - vor Ort durch weitere Förderer/Sponsoren unterstützt werden.

Nähere Informationen zum Mercator-Förderunterricht
für Schulen, Eltern und interessierte Sponsoren
erteilt die Koordinatorin des Projektes im Saarland
Frau Dr.päd./RUS Elena Tregubova, Tel. (0681) 302 - 3712,
e.tregubova@mx.uni-saarland.de oder im Internet unter:
http://www.mercator-foerderunterricht.dehttp://www.jmd.dwsaar.de


Saar - Uni - Presseteam, Universität des Saarlandes
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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