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Universität zu Köln, 17.12.02

Gewaltopfer sind hochgradig selbstmordgefährdet

Rasche psychologische Betreuung von Menschen, die Opfer von Gewalttaten wurden, kann Leben retten. Denn zwei Drittel der Betroffenen äußern Selbstmordabsichten, fand Hildegard Licher in einer Studie unter der Leitung von Professor Dr. Gottfried Fischer, Direktor am Institut für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Universität zu Köln heraus. 13 Prozent der befragten Personen verübten tatsächlich einen Suizidversuch. Auffällig ist, dass nach Gewalttaten zwar Männer häufiger an Selbstmord denken, Frauen aber öfter versuchen, dem Leben ein Ende zu setzen.

Gewaltopfer sind hochgradig selbstmordgefährdet
Drastische Defizite bei psychologischer Betreuung

Rasche psychologische Betreuung von Menschen, die Opfer von Gewalttaten wurden, kann Leben retten. Denn zwei Drittel der Betroffenen äußern Selbstmordabsichten, fand Hildegard Licher in einer Studie unter der Leitung von Professor Dr. Gottfried Fischer, Direktor am Institut für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Universität zu Köln heraus. 13 Prozent der befragten Personen verübten tatsächlich einen Suizidversuch. Auffällig ist, dass nach Gewalttaten zwar Männer häufiger an Selbstmord denken, Frauen aber öfter versuchen, dem Leben ein Ende zu setzen.


Beim traumatisierenden Ereignis handelt es sich bei Frauen vorwiegend um Sexualdelikte, die überdies noch von Personen aus dem Bekanntenkreis verübt werden. 75 Prozent der Gewalttaten erlitten Frauen durch ihnen vertraute Personen, Männer wurden lediglich zu 29 Prozent Opfer von Personen aus dem Bekanntenkreis. Frauen verlieren aus diesem Grund eher das Vertrauen in Familie, Freunde und Bekannte und können künftig weniger zwischen "Freund" und "Feind" unterscheiden. Weil die Welt insgesamt als negativ empfunden wird, steigen die suizidalen Absichten. Darüber hinaus klagt die Mehrzahl der Befragten auch über Angstgefühlen, Stresssymptomen und macht sich Selbstvorwürfe.

Doch die Opfer von Gewalttaten leiden nicht nur unter gesundheitlichen Problemen, sondern werden auch beruflich oft aus der Bahn geworfen: Mehr als die Hälfte der Opfer verloren ihre Beschäftigung. Hier sind mit 62 Prozent besonders Männer betroffen. Über 82 Prozent der Befragten betonten außerdem, sie empfänden den Arbeitsalltag schwieriger als vor dem Ereignis, ein Drittel bezeichnete ihn als "sehr schwierig". Die Häufigkeit der Arbeitsausfälle beläuft sich bei den Männern auf 112 Prozent, bei den Frauen auf 77 Prozent.

Nach einer Therapie sank die Anzahl derjenigen, die an Selbsttötung dachten, immerhin um 20 Prozent. Auch die Besuche bei Ärzten oder Krankenhäusern ließen sich mittels Therapien drastisch verringern: 60 Prozent der Opfer kamen ohne diese medizinischen Einrichtungen aus, während der Einsatz von Medikamenten um 47,6 Prozent sank. Auch die Arbeitsausfälle ließen sich um knapp die Hälfte reduzieren.

Obwohl eine schnelle und kompetente Hilfe nicht hoch genug einzuschätzen ist, hapert es nach Auffassung von Licher an Therapieangeboten: Große Unzufriedenheit mit der Opferbetreuung artikulierten mehr als die Hälfte der Opfer, die in Institutionen der Opferhilfe Hilfe gesucht haben. Besonders die schwer traumatisierten Opfer, die der meisten Hilfe bedürfen, beurteilen die Angeboten skeptisch bis negativ.

Bemerkenswert ist, dass die Gewaltopfer Hinweise zu Therapieangeboten nur in der Minderheit aller Fälle von professionellen Stellen erhielten. Nur 17 Prozent gaben an, entscheidende Tipps seien von Kliniken gekommen, während lediglich zehn Prozent von Polizei oder Therapeuten auf die Angeboten hingewiesen wurden. 25 Prozent der Befragten sagten dagegen, sie hätten sich durch die Medien informiert. Licher plädiert daher für den Aufbau eines "multiprofessionellen Netzwerkes", um alle bestehenden Angebote zu bündeln.

Verantwortlich: Dr. Wolfgang Mathias

Für Rückfragen steht Ihnen die Beratungsstelle für Gewalt- und Unfallopfer am Institut für Klinische Psychologie und Psychotherapie unter der Telefonnummer 0221/470-6287 und unter der Fax-Nummer 0221/470-5034 zur Verfügung.

Für die Übersendung eines Belegexemplars wären wir dankbar.


Gabriele Rutzen, Universität zu Köln
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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