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Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, 21.03.05

Fußballtrainer, seid geduldig! - Taktische Einwechselungen sind oft kontraproduktiv

Wenn ihre Mannschaften zurückliegen, versuchen Fußballtrainer oft, dem Spiel durch die Einwechselung von Offensivkräften eine Wende zu geben. Dass dieser Schuss im wahrsten Sinne des Wortes erstaunlich oft nach hinten los geht, haben nun erstmals Wirtschaftswissenschaftler der Universität Bonn gezeigt. Dr. Christian Grund und Oliver Gürtler haben die knapp 1.700 Einwechselungen der Bundesliga-Saison 2003/2004 systematisch untersucht. Ihr Ergebnis: Eine offensivere Ausrichtung führte seltener zum Erfolg, als wenn die Trainer ihrer Anfangstaktik treu blieben.

Fußballtrainer haben während eines Spiels die Möglichkeit, bis zu drei Spieler ihrer Mannschaft auszutauschen. Manchmal wird ihnen dabei ein "glückliches" oder sogar "goldenes Händchen" bescheinigt, wenn die eingewechselten Spieler dann entscheidenden Anteil an einer Resultatsverbesserung haben. Verschiedene Motive sind bei Auswechselungen denkbar: Neben Verletzungen und unbefriedigenden Leistungen einzelner Spieler kann man beobachten, dass viele Trainer mit dem Spielerwechsel auch die taktische Ausrichtung ihrer Mannschaft ändern. Wenn sie beispielsweise einen Angreifer für einen Verteidiger oder Mittelfeldspieler auf das Feld schicken, wird so die Mannschaft offensiver.


Um den Erfolg unterschiedlicher Auswechselstrategien zu untersuchen, wiesen die Wirtschaftswissenschaftler Stürmern in einer Mannschaft den Wert 2, Mittelfeldspielern den Wert 1 und Abwehrkräften den Wert 0 zu. Jede Mannschaft erhielt so eine Gesamtpunktzahl, die umso höher ausfiel, je offensiver das Team ausgerichtet war. Grund und Gürtler bestimmten nun für jedes der 306 Bundesligaspiele zu Spielbeginn und Spielende die Punktzahl beider Mannschaften. Je größer die Differenz ausfiel, desto offensiver hatte der Trainer eingewechselt.

"In der Tat hat sich die taktische Ausrichtung der Mannschaften durch die Auswechselungen bei einem Großteil der Spiele in der Bundesligasaison 2003/2004 geändert", erklärt Dr. Christian Grund. "Häufig wurden bei Rückständen frische Offensivkräfte eingewechselt, während Trainer in Führung liegender Teams vermehrt auf eine Absicherung des Ergebnisses durch Einsatz zusätzlicher Abwehrspieler setzten."

Gleichzeitig untersuchten die Forscher, wie sich die Spiele nach der ersten Einwechselung entwickelten, indem sie Tordifferenz und Punktestand zum Zeitpunkt der Einwechselung mit den entsprechenden Werten zu Spielende verglichen. Erstaunliches Ergebnis: Der Erfolg der taktischen Wechsel blieb aus. "Im Gegenteil: Trainer, die ihre taktische Ausrichtung beibehielten, konnten in der verbleibenden Spielzeit deutlich häufiger Resultatsverbesserungen erzielen", resümiert Oliver Gürtler. "Offensichtlich überschätzen viele Bundesligatrainer bei einem Rückstand die Möglichkeit, durch einen Wechsel zu einer offensiveren Aufstellung noch zum Erfolg zu kommen. Ein Festhalten am vor Spielbeginn festgelegten System wäre oft erfolgversprechender."

Die Ergebnisse liefern auch Hinweise für eine sinnvolle Gestaltung der Mitarbeiterentlohnung in Unternehmen. Wenn z.B. Portfoliomanager einer Investmentbank danach entlohnt werden, ob sich ihr Portfolio an Wertpapieren besser oder schlechter entwickelt als das ihrer Kollegen, werden sie unter Umständen vermehrt auf hochriskante Wertpapiere setzen, wenn bekannt wird, dass ihre Portfolios hinter denen anderer Manager zurück bleiben. So können sie ihrem Unternehmen, den Anlegern, aber letztlich auch sich selber schaden, genau wie unüberlegte Strategiewechsel im Fußball die Mannschaft, den Verein und den Ruf des Trainers gefährden können.

Literatur: Grund, C.; O. Gürtler (2005): An Empirical Study on Risk Taking in Tournaments. Erscheint in: Applied Economics Letters. Der Artikel kann bei den Autoren angefordert werden.

Kontakt:
Dr. Christian Grund
Betriebswirtschaftliche Abteilung II der Universität Bonn
Telefon: 0228/73-9213
Fax: 0228/73-9210
E-Mail: christian.grund@uni-bonn.de

oder
Oliver Gürtler
Telefon: 0228/73-9214
E-Mail: oliver.guertler@uni-bonn.de


Frank Luerweg, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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